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Foto: Bill Marino/Sygma via Getty Images

„Kiss“: Prince und der Song, den er zuerst nicht wollte

Als Kiss Prince im Jahr 1986 endgültig als facettenreichen Superstar etabliert, hat der Song eine lange Reise hinter sich. Zunächst möchte der Musiker das Stück der Funk-Truppe Mazarati stiften, die auf seinem Label unter Vertrag steht. Doch dann gefällt ihm Kiss so gut, dass er den Song selbst aufnimmt.


Berühmt, berühmter, Prince: Mitte der Achtziger gehört der 1,57 Meter große Musiker aus Minneapolis zu den erfolgreichsten Popstars des Planeten. Mit seinem 13-fach platinveredelten Album Purple Rain (1984) und dem dazugehörigen Film konnte er die Musikwelt begeistern. Auch für seine anschließende siebte Platte Around The World In A Day (1985) kassierte er die Pole Position der US-Charts und immerhin zweimal Platin – obwohl er sich darauf stilistisch stark vom poppigen Purple Rain abwandte und vor allem auf psychedelische Sounds setzte. Immer in der musikalischen DNA von Prince zu finden: Funk. Und genau der führt im Jahr 1986 zu einem der größten Songs des Ausnahmetalents.

Kiss: Der Song, den Prince zuerst nicht wollte

Als Prince Anfang 1986 in Los Angeles an neuen Songs arbeitet, kann er ein wenig Hilfe gebrauchen. Er ruft Toningenieur David Z an, einen Mitarbeiter seiner Paisley Park Studios in Minneapolis. „Ich brauch dich hier ein Wochenende“, lässt Prince den noch ahnungslosen David wissen. Der wiederum setzt sich sofort in Bewegung. „Ich habe für drei Tage gepackt und mich auf den Weg gemacht“, erinnert er sich in einem Interview. „Als ich ankam saß Prince in Studio C. Ich sollte in Studio B die Band Mazarati produzieren, die er gerade auf seinem Label unter Vertrag genommen hatte.“ Das mit dem Wochenende habe allerdings nicht so gut geklappt. Prince unterrichtet David darüber, dass er nun ungefähr einen Monat bleiben werde. „Dann habe ich erstmal Kleidung gekauft.“

Zur Begrüßung bekommt David einen Song für Mazarati. Nun ja, eher eine Strophe und einen Refrain, gespielt auf der Akustikgitarre. „Niemand mochte den Song“, berichtet Mazarati-Mitglied Tony Christian später in einem Interview. „Er klang wie eine Country-Version von irgendetwas anderem.“ Auch der Produzent weiß zunächst nicht, was er mit der Nummer anfangen soll. Doch dann beginnen David und die Musiker zu experimentieren, spielen eine Bassspur ein und lassen einen Drumcomputer seine Arbeit verrichten. Auch einen Piano-Part schreibt die Band. „Wir haben versucht, den Song aus dem Nichts aufzubauen“, erzählt David Z. Das sei frustrierend gewesen. Nach einigen Tagen sind Mazarati und ihr Toningenieur so frustriert, dass sie eine kurze Pause einlegen – doch diese Rechnung haben sie ohne Prince gemacht. 

Der zweite Frühling des Prince-Hits Kiss

Am Tag nach ihrer Pause schlagen Mazarati wieder im Studio auf. Und siehe da: Prince hat den Song fertig – und möchte ihn nun doch für sich. Eine Gesangsspur hat er aufgenommen, ebenso wie eine E-Gitarrenspur. Die Bassspur von Mazarati hingegen dreht er leise und baut stattdessen eine rückwärts abgespielte Bassdrum ein, eines seiner Markenzeichen. Aus gerade einmal neun Tonspuren und einer Gesangsspur setzt sich der finale Song zusammen. Er mag es im Interview nicht ganz ernst meinen, doch laut David Z dauert der Mix gerade einmal fünf Minuten. Ganz schön wenig Zeitaufwand für einen Mega-Hit – und der soll Kiss schon bald werden. Am 5. Februar 1986 erscheint die Single als Vorbote auf das achte Prince-Album Parade und landet ohne große Umschweife auf Platz eins der US-Billboard-Charts.


Darüber, dass Prince den Musikern von Mazarati anschließend keinen Songwriting-Credit gewährt, kann man sicher streiten. Schließlich war es die Gruppe, die aus der Idee des Musikers ein Stück formte, das dieser zu Ende bringen wollte. Doch auf der musikalischen Seite der Dinge ist Kiss über jeden Zweifel erhaben und schlägt einen Haken zum Beginn der Karriere von Prince. Damals, Ende der Siebziger, wuchs der zu dieser Zeit etwa 20-jährige Musiker in der Funkszene von Nord-Minneapolis zu dem Superstar heran, der er später werden sollte. Kaum jemand glaubte damals an ihn; noch zu Beginn der Achtziger muss Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger dem jungen Prince Mut zusprechen. Doch Prince hat seinen Weg gemacht – und das liegt unter anderem an Hits wie Kiss.

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