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Ikkimel schreibt ihr Fotzen-Evangelium konsequent fort: Mit Poppstar knallt sie der Welt ein furioses, hartes Rap-Wutwerk ins Gesicht, das keine Tabus kennt, mit allem und jedem abrechnet – und ganz nebenbei eine ganze Reihe krasser Banger enthält.
Ikkimel ist Legion. Das wurde schon auf ihrem wegweisenden Debüt Fotze klar, mit dem sie sich und allen anderen weiblich gelesenen Menschen ein Wort zurückeroberte und dem Patriarchat entschlossen den Kampf ansagte. Das Patriarchat, das gibt es zwar auch 2026 noch, aber der eine oder andere Riss ist auf jeden Fall Ikkimel und ihrem kompromisslosen Durchmarsch zu verdanken.
Männer in Käfigen
Ihr Fotzen-Rap (Eigendefinition) ist die Antithese zu schwanzgesteuertem Gangster Rap, sie spielt mit denselben Motiven, Bildern und Provokationen wie all ihre männlichen Kollegen, muss dafür aber natürlich sehr viel mehr Häme einstecken. Ist ihr egal: Auf ihrer ausverkauften Tournee sperrt sie männliche Besucher in einen Käfig und lässt sie XL-Dildos lutschen. Ältere Menschen (lies: Männer) hassen sie dafür, die Gen-Z liebt sie. Weil sie über ihren Körper singt, weil sie freizügig Sexualität thematisiert und Tabus bewusst bricht.
Das macht sie zur Lady Bitch Ray ihrer Generation, zu einer dieser Künstlerinnen, die mit ihrer Kunst wirklich was bewegen. Entsprechend groß sind die Erwartungen an ihr zweites Album Poppstar. 14 Songs in 30 Minuten, Rap, Hyperpop, Trap, ballernde Beats und (das ist neu) einige melodische Pop-Anflüge beherrschen ein Album, das eine ähnliche Themenbandbreite aufweist wie der wegweisende Vorgänger: Sex, Sex und noch mehr Sex. Ist aber nicht alles: Ikkimel rechnet nämlich ab. Mit Männern als Spezies, aber auch mit männlichen Kollegen, mit Sexisten, misogynen Arschlöchern und all jenen, die ihr den Erfolg missgönnen. Das sind viele. Aber eben längst nicht so viele wie sie lieben: Ikkimel hat 2,2 Millionen monatliche Hörer:innen auf Spotify. Noch mal: Ikkimel ist Legion.
Fans lieben es, Hater triggert es
Eine wie sie kann sich Produzenten natürlich raussuchen. Sie entscheidet sich für Florida Juicy, Barré und nocashfromparents. Letzter bringt einen harten Clubsound in die Songs, die dadurch fast wie Remixe klingen. Aber natürlich zählt hier nicht in erster Linie musikalische Innovation, sondern vor allem die konzeptionelle. Da ist Ikkimel unangefochten die Queen, die in ihren Songs pausenlos Wut und Haltung entfesselt, die als studierte Linguistin genau weiß, welche Knöpfe sie drücken muss, um ihre Fans zu begeistern und ihre Hater zu triggern. „Gangsta Rapper haben ihre Eier rasiert, aber fangen an zu zittern, hören sie das Wort queer“ ist da nur einer dieser atemlos rausgehauenen Lines, für die man ihr gar nicht genug danken kann. Ikkimel packt mehr echte Attitüde in einen Zwei-Minuten-Tracks als Aggro Berlin in ein ganzes Lebenswerk.
Ihre Lyrics sind so gut, man müsste sie als Gedichtband herausbringen. Und an Universitäten studieren. Sie sind scharfzüngig, intelligent und ganz nebenbei brutal witzig. Viele werden das wieder nicht verstehen. Das gehört bei ihr aber einfach dazu. Und zeigt letztlich nur eins: Wir sind in dieser Gesellschaft noch lange nicht so weit, wie wir sein sollten. Aber dank Künstlerinnen wie ihr gibt es zumindest Bewegung in die richtige Richtung.