Ehre, wem Ehre gebührt: Er ist einer der größten Interviewer der Popkultur, ein absoluter Ausnahmecharakter – und nicht nur bei Fans, sondern auch bei unzähligen Künstlerinnen und Künstlern hoch angesehen. Die Rede ist von Nardwuar the Human Serviette. Auch wenn der Mann mit bürgerlichem Namen John Ruskin vor allem in Indie- und Underground-Kreisen seit Jahrzehnten Legendenstatus genießt, wurde ihm nun eine ganz offizielle, nationale Würdigung zuteil: Nardwuar wurde in den Order of Canada aufgenommen.
Nardwuar ist gerührt
Die Auszeichnung ehrt Persönlichkeiten, die die kulturelle Identität Kanadas nachhaltig geprägt haben – und genau das hat Nardwuar mit seinem einzigartigen Interviewstil über Jahrzehnte hinweg getan. Mit seiner unverwechselbaren Erscheinung, seinem oft unterschätzten Humor und vor allem mit einer geradezu obsessiven Recherche gelingt es ihm immer wieder, selbst Weltstars zu überraschen und aus der Reserve zu locken.
In einer Videobotschaft zeigte sich Nardwuar nun sichtlich bewegt über die Aufnahme in den Order of Canada. Er sprach von großer Dankbarkeit und widmete die Ehrung seiner verstorbenen Mutter, die ihm früh den Wert von Geschichte, unabhängigen Medien und gründlicher Recherche vermittelt habe. Tugenden, die bis heute das Fundament seines journalistischen Arbeitens bilden.
Nardwuar: Der perfekte Interviewer
Seit den frühen 1990er-Jahren führt Nardwuar Gespräche mit Musikerinnen und Musikern, oft lange bevor sie ein breites Publikum erreichen. Dabei begegnet er ihnen konsequent auf Augenhöhe – unabhängig davon, ob es sich um Indie-Anfänge oder längst etablierte Weltkarrieren handelt. Seine Interviews mit Nirvana, Blur oder Snoop Dogg gehören ebenso zur Popgeschichte wie seine späteren, vielfach geteilten Gespräche mit Pharrell Williams, Tyler, the Creator oder Billie Eilish.
Nardwuars Interviews erschöpfen sich dabei nie in routinierter PR. Stattdessen entstehen präzise Porträts musikalischer Lebensläufe, angereichert mit unerwarteten Details, verschütteten Einflüssen und sehr persönlichen Erinnerungen, die selbst enge Weggefährten häufig überraschen. Genau dafür wird er von vielen Künstlerinnen und Künstlern offen geschätzt: weil er zuhört, weil er akribisch vorbereitet ist und weil er Popkultur mit ernsthaftem Interesse behandelt.