Als Musiker:in ein gutes Gehör zu haben, wäre eigentlich eine solide Basis für den eigenen Beruf. Umso überraschender ist eine aktuelle Aussage von Produzent Michael Beinhorn, der behauptet, Red Hot Chili Peppers Frontmann Anthony Kiedis sei „tone-deaf“, habe also kein ausgeprägtes Empfinden für Tonhöhen.
Beinhorn arbeitete vor allem in den frühen Jahren der Band mit den Red Hot Chili Peppers zusammen und produzierte zwischen 1987 und 1989 die Alben The Uplift Mofo Party Plan und Mother’s Milk. In dieser Phase formte sich der Sound der Band entscheidend, zugleich entstanden Songs, die bis heute zum Kernrepertoire der Gruppe zählen.
Reddit-Q&A
Vor wenigen Tagen stellte sich Beinhorn in einer Q&A-Session auf Reddit den Fragen von Fans und sprach dabei auch über den Song Knock Me Down. Der Track gilt als emotionales Tribut an den ehemaligen Gitarristen Hillel Slovak, der 1988 im Alter von 26 Jahren an einer Heroinüberdosis verstarb.
Ein Fan bezeichnete Knock Me Down als einen seiner Lieblingssongs der Band und fragte, warum Gitarrist John Frusciante auf dem Stück so präsent singe. Ursprünglich hatten sowohl Frusciante als auch Kiedis Lead Vocals übernommen. Gerade weil der Song als Requiem für Slovak gedacht war, stelle sich auf Fan-Seite die Frage, warum nicht ausschließlich Kiedis, als dessen engster Freund, die Hauptstimme übernahm.
„Anthony ist tone-deaf“
Beinhorns Antwort fiel überraschend offen aus. Er erklärte zunächst, dass die Frage absolut berechtigt sei und Knock Me Down damals eine klare Abkehr vom bisherigen Sound der Band dargestellt habe. Der Grund für Frusciantes dominante Gesangsspur sei jedoch vor allem musikalischer Natur gewesen: Der Song sei sehr melodisch angelegt gewesen und Kiedis habe, so Beinhorn, Probleme damit, Tonhöhen zu hören.
Der Produzent erklärte offen: „John sang den Song (oder genauer gesagt, seine Stimme wurde im Mix lauter gesetzt) weil der Song sehr melodisch war und Anthony damals wie heute als „tone-deaf“ gilt (also Schwierigkeiten hat, Tonhöhen zu hören).“ Zudem habe Frusciante den Song im Kern selbst geschrieben, inklusive der Melodie. Dass er den Song singe, sei daher nicht unpassend gewesen, zumal er Hillel Slovak stark verehrt habe, schreibt Beinhorn in seinem Post.
Vom Album distanziert
Auch über die Reaktionen der Band auf das fertige Album sprach Beinhorn. Eine direkte Einschätzung habe er nie erhalten. Als er Anthony Kiedis jedoch erstmals die finalen Gitarrenspuren vorspielte, sei dieser regelrecht ausgeflippt, allerdings nicht im positiven Sinne. Beinhorn betonte, dass Kiedis bis zu diesem Zeitpunkt an keiner der entsprechenden Sessions teilgenommen habe.
Rückblickend vermutet der Produzent, dass sich die Band deshalb innerlich von dem Album distanziert habe. Mother’s Milk sei zwar ein wichtiger Meilenstein gewesen, habe aber auch Spannungen offengelegt, die den weiteren Weg der Red Hot Chili Peppers nachhaltig prägten.