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Only The Poets nehmen sich Zeit für ihr Debüt und entscheiden sich dabei klar für Zugänglichkeit statt Risiko. And I’d Do It Again ist kein Wagnis, sondern ein bewusst geformtes Pop-Statement zwischen Herzschmerz, Hooks und Verlässlichkeit.
Pop als sichere Sprache
Only The Poets haben lange auf diesen Moment hingearbeitet. Obwohl die britischen Indie-Popper bereits seit 2017 als Band bestehen und fleißig Musik veröffentlichen, hat es ein Langspieler noch nicht in die Diskografie geschafft. Bis jetzt. And I’d Do It Again ist kein überstürztes Debüt, sondern ein Album, das hörbar aus jahrelangem Touring, Fanbindung und der bewussten Entscheidung für Zugänglichkeit entstanden ist. Die Band aus Reading bewegt sich dabei konsequent auf der Linie zwischen modernem Indie-Pop und klassischen Band-Mechaniken.
Only The Poets im Circle Store:
Über emotionale Nachwirkung
Thematisch zieht sich ein roter Faden durch das Album: emotionale Nachbeben von Beziehungen, Schuldgefühle, Eifersucht, das Unvermögen loszulassen. Songs wie Emotionally Hungover oder You Hate That I’m In Love verpacken diese Zustände in eingängige Hooks und tanzbare Arrangements. Herzschmerz wird hier nicht seziert, sondern in eine Form gebracht, die möglichst viele mitfühlen können. Das funktioniert oft und gibt dem Album einen charmanten Pop-Appeal.
Struktur statt Überraschung
Auffällig ist auf dem Album auch die schlicht gehaltene Länge vieler Songs. Kaum einer überschreitet deutlich die Drei-Minuten-Marke; auf Bridges, die eine Spannung aufbauen sollen, wird häufig verzichtet. Das Album wirkt dadurch kompakt, fast atemlos, wird aber mit seinem Fortschreiten auch vorhersehbarer. Madeline, der obligatorische Song mit Mädchennamen im Titel, verspricht dabei Abwechslung: Mit gezupfter Gitarre und deutlich reduzierter Instrumentierung gehört er zu den ruhigeren Momenten des Albums. Der Track wirkt weniger wie ein bewusster Einschnitt, sondern vielmehr wie eine kurze Atempause, bevor das Album mit Freeze wieder auf vertraute Bahnen zurückkehrt.
And I’d Do It Again vermeidet Extreme, musikalisch wie emotional. Eskalation, Überforderung oder wirkliche Ambivalenz werden zugunsten klarer Gefühle und eindeutiger Stimmungen zurückgenommen. Das sorgt für Orientierung und Nähe.
Wenn das Album kurz innehält
Interessant wird And I’d Do It Again immer dann, wenn die Band kurz aus ihrer Komfortzone tritt. Sei es durch kurze Berührungen mit anderen Genres oder den unerwarteten Momenten. Das elektronisch angelehnte Intro des Openers setzt einen Ton, der später immer wieder ganz unauffällig und fast geheim wieder aufgegriffen wird, während Songs wie Bad oder das verspielte Klavier in I Keep On Messing It Up andeuten, was hier noch möglich wäre. Das wiederkehrende elektronische Motiv am Ende des Albums zu Guess She’s Cool schließt formal den Kreis.
Pop mit maximaler Anschlussfähigkeit
Only The Poets erfinden sich auf ihrem Debütalbum nicht neu. Stattdessen perfektionieren sie einen Sound, der emotional zugänglich, radiotauglich und live erprobt ist. Musikalisch setzen sie auf bewährte Zutaten: klare Gitarrenriffs, schimmernde Synths, große Refrains. Inhaltlich bleibt das Album fest in der Perspektive des männlichen Liebeskummers verankert. Das ist zwar nicht neu, aber professionell mit großen Popverständnis umgesetzt.
And I’d Do It Again ist ein geschlossenes Popalbum über Trennungen, Unsicherheiten und das emotionale Chaos danach. Das Album will gefeiert werden und gefallen, nicht herausfordern. Und genau darin liegt neben seiner Stärke auch gleichzeitig seine Begrenzung. Für alle, die melodischen, modernen Pop mögen, funktioniert das hier ausgesprochen gut. Wer nach Brüchen, Reibung oder überraschenden Wendungen sucht, wird hier allerdings kaum fündig. Dafür gibt's aber Songs, auf die man sich auch in der Live-Performance freuen kann.
Übrigens: Kommende Woche haben Fans die Gelegenheit, das Pop-Feuerwerk des Albums auch live zu erleben. Only The Poets spielen jeweils eine Show in Köln und Berlin und präsentieren dort And I’d Do It Again von Anfang bis Ende.