Von Londons Pubs auf die Bühnen der Welt: Good Neighbours starten gerade mächtig durch – wohl auch deshalb, weil ihr Debütalbum Blue Sky Mentality eine Erinnerung daran ist, dass bald wieder bessere Zeiten kommen; dass wir den Optimismus nicht verlernen sollten. Wir haben uns die Platte für euch angehört.
In den Nullerjahren, als Skinny Jeans und Mützen im Sommer auf dem Schulhof ein echtes Ding waren, legten sie los: Indietronic-Bands wie Peter Bjorn And John und später MGMT. Ihr Markenzeichen: experimentelle Sounds, anspruchsvolle Texte, verpackt in ein Gute-Laune-Gewand, damit auch die kapitalismuskritischsten Mainstream-Gegner:innen eine Hymne zum Mitsingen hatten. Heute ist Indietronic auf allen großen Festivals vertreten, ebenso als Inspiration in den Songs von Superstars wie Billie Eilish und Dua Lipa. Vom kreativen Aufstand zum Stilmittel, quasi, charmant, verspielt, unperfekt. So könnte man das Genre umschreiben. Auch Oli Fox und Scott Verrill von Good Neighbours haben hörbar Spaß daran, wie ihr kommendes Debütalbum Blue Sky Mentality zeigt.
Blue Sky Mentality für Zuhause:
Blue Sky Mentality: Eine Liebeserklärung an die Hoffnung
Schon mit dem Opener Keep It Up versprühen die Londoner jede Menge positive Energie – zum einen durch den Text, zum anderen durch musikalische Anleihen britischer 90’s-Stimmungsgarant:innen wie S Club 7 (vgl.: Bring It All Back). Mit Skipping Stones zeigen Good Neighbours ihre größte Stärke: Sie verweben sonnendurchfluteten Indie-Pop mit feiner Melancholie – so, als würde die Welt gerade stolpern, aber schon im nächsten Moment wieder ins Lot geraten. Mit Ripple entsendet das Londoner Duo mutmaßlich einen Gruß an Landsmann Harry Styles (vgl.: Late Night Talking); in Found U/Me zeigen sich Good Neighbours von ihrer theatralischen Seite. Mit Walk Walk Walk folgt eine Sommernummer, genau wie anschließend mit Kids Can’t Sleep.
Was auffällt, ist, dass Good Neighbours nicht nur die gesamte Synth-Klaviatur des Indietronic beherrschen, sondern auch Meister darin sind, mikroskopische Elemente aus anderen Genres und Pop-Ären mit ihrem Sound zu verschmelzen. So kommt in Starry Eyed zum Beispiel gleich zu Beginn eine Ukulele zum Einsatz; Wonderful Life beginnt mit einem kleinen aber feinen Piano-Intro. Außerdem greifen Good Neighbours immer wieder auf geschickteste Weise in den Musik-Werkzeugkasten, wodurch bei den meisten Songs der Eindruck entsteht, man habe sie schon einmal irgendwo gehört, obwohl das nicht der Fall ist. Nein, vielmehr gelingt dem britischen Duo der Spagat zwischen Altvertrautem und Experimentellem so gut, dass man es kaum zu unterscheiden vermag.
Good Neighbours: Aufmunterung incoming
Ein weiteres Paradebeispiel für den facettenreichen Sound der Band ist die zweite Single von Blue Sky Mentality: Der Song People Need People klingt gleichermaßen feinfühlig wie hymnisch und beschäftigt sich inhaltlich mit der wichtigen Botschaft, dass wir alle fühlende Wesen sind und uns wunderbar gegenseitig unterstützen könnten, wenn wir unsere Verdrängungsmechanismen an der Türe abgeben würden. Damit dürften die Briten in den jüngeren Generationen, die oft einen sehr viel besseren Zugang zu ihren Gefühlen haben als die Älteren, einen dicken Nerv treffen. Und vielleicht schauen sich ja auch manch Ältere ein bisschen was davon ab. Generell kann man sagen: Good Neighbours vereinen, ob in musikalischer Hinsicht oder in ihren Texten.
Oli Fox und Scott Verrill holen den Sound der 2000er in die Gegenwart, verschmelzen ihn mit den 90ern und bereichern ihre Songs auch um moderne Elemente. Dadurch weiß man einerseits nicht, wo man die beiden Musiker zu verorten hat; andererseits klingen sie durch ihre Vielfältigkeit sehr zeitlos. In musikalischer Hinsicht hätte Blue Sky Mentality auch im Jahr 2002 erscheinen können, genauso gut wie im Jahr 2030. Inhaltlich gibt es ebenfalls Parallelen, denn während sich die Menschheit zu Beginn der 2000er schon einmal über Nacht in einer komplett veränderten Welt wiederfand, sind auch die heutigen Zeiten nicht einfach. Den Hoffnungsschimmer liefern Good Neighbours. Wenn ihr bald also wieder Jugendliche in Skinny Jeans seht, hat das Duo vielleicht etwas damit zu tun.