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Foto: Universal Music

Zwischen Folk-Pop und Fernweh: So klingt Niall Horans „Dinner Party“

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Mit Dinner Party veröffentlicht Niall Horan sein viertes Soloalbum. Zwischen warmem Folk-Pop, Indie-Einflüssen und ehrlichen Geschichten über Liebe, Verlust und das Älterwerden zeigt sich der Ire von seiner vertrautesten Seite.

Niall Horan setzt nicht darauf, sich neu zu erfinden. Und das ist vielleicht die größte Stärke von Dinner Party. Während viele Popstars ihre vierte Albumära mit kalkulierten Stilbrüchen, viralen Momenten oder Identitätswechseln inszenieren, entscheidet sich Niall Horan für einen anderen Weg. Dinner Party wirkt wie die Einladung in ein vertrautes Wohnzimmer: Das Licht ist warm, die Gespräche ehrlich, die Gitarren stehen griffbereit in der Ecke. Überraschungen gibt es wenige, dafür umso mehr Momente, die sich anfühlen, als wären sie genau für jene Menschen geschrieben worden, die Niall Horan seit Jahren begleiten.

Dinner Party von Niall Horan im Circle Store:

Bekannte Zutaten, gekonnt serviert

Bereits die ersten Songs machen deutlich, wohin die Reise geht. Zwischen folkigem Pop, sanftem Indie-Rock und jener sanften Melancholie, die längst zu Horans Markenzeichen geworden ist, entfaltet sich ein Album, das weniger nach Neuanfang als nach Ankommen klingt. Dinner Party will keine musikalische Revolution sein. Es will erzählen: von Liebe, Verlustängsten, Sehnsucht und dem Wunsch, Augenblicke festzuhalten, bevor sie verschwinden.

Besonders gelingt das auf Little More Time, das der Ire bereits als Vorabsingle veröffentlichte. Getragen von einem emotionalen Gitarrenmotiv verwandelt Horan die rastlose Erfahrung eines Lebens unterwegs in eine universelle Sehnsucht nach Beständigkeit. Der Song gehört zu den stärksten Momenten des Albums, weil er seine Verletzlichkeit beiläufig und fast selbstverständlich offenlegt.

Party mit Stilbruch

Auch From Her Mother setzt auf klassische Horan-Tugenden. Der leicht countrygefärbte Lovesong zeichnet das Bild einer Frau, deren Charme und Selbstverständlichkeit durch Generationen weitergegeben scheinen. Dabei bewegt sich der Song in seinen Worten gefährlich nah an einer romantisierten „Manic Pixie Dream Girl“-Erzählung, wird aber durch seine aufrichtige Zuneigung davor bewahrt, zur bloßen Projektion zu werden.

Musikalisch zeigt sich Horan dann doch am überzeugendsten, wenn er den Folk-Pop-Rahmen etwas aufbricht. Das treibende Monochromatic entwickelt mit seinen schwungvollen Gitarren und dem rhythmischen Gesang eine Dynamik, die dem Album früh Energie verleiht. Später sorgen Songs wie Flowers oder das von kraftvollen Indie-Rock-Elementen getragene Pretty für jene Momente, in denen Dinner Party kurz aufsteht und die Fenster öffnet.

Liebe, Zweifel und die Angst vor dem Verlust

Dazwischen bleibt viel Raum für Reflexion. Better Man lebt fast ausschließlich von Niall Horans Stimme und den Zweifeln, die sie transportiert. Einen willkommenen Kontrast bildet Boys Are Fun. Locker, verspielt, ironisch und mit deutlichen Sommer-Vibes ausgestattet, erinnert der Track daran, dass Horan seine stärksten Songs oft dann schreibt, wenn er die Dinge nicht kompliziert macht. Gegen Ende verdichtet sich die emotionale Atmosphäre noch einmal. Die If I Don’t greift mit seinen Streicherarrangements und den subtil irisch anmutenden Klangfarben auf Horans musikalische Wurzeln zurück. Das abschließende End Of An Era fungiert schließlich als das, was sein Titel bereits verspricht: ein Abschiedsbrief an eine Lebensphase.

Abschied von der Dinner Party

Dinner Party ist kein Album, das den Lauf der Popmusik verändern will. Es ist aber ein Album, das genau weiß, was es sein möchte. Niall Horan verzichtet auf große Gesten und setzt stattdessen auf handwerklich starke Songs, warme Arrangements und Emotionen, die nicht geschrien werden müssen, um gehört zu werden. Wer auf den großen stilistischen Befreiungsschlag gehofft hat, wird ihn auf Dinner Party nicht finden. Wer jedoch wissen möchte, wie ein Künstler klingt, der sich seiner Stärken inzwischen vollkommen bewusst ist, wird hier reichlich Gesprächsstoff findenWie eine gelungene Dinner Party selbst bleibt am Ende nicht das Menü in Erinnerung, sondern die Gespräche, die man noch lange danach mit nach Hause nimmt.

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