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Foto: Griffin Lotz/Rolling Stone via Getty Images

Darum sind Geese die erste große Rockband der Generation Z

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Prominente feiern sie, Talkshows reißen sich um sie, TikTok liebt sie: Wieso schnattern eigentlich plötzlich alle über Geese?

Geese sind die Band, auf die sich derzeit alle einigen können. Yungblud feiert sie, Schauspieler Cillian Murphy bekommt nicht genug von ihnen, sie triumphieren bei Jimmy Kimmel oder Tiny Desk, ihre Konzerte sind sofort ausverkauft. Geese sind ein Phänomen, das nach den jungen Menschen in den USA schnell auch den Rest der Welt infiziert hat. Eine Bewegung, die man gut und gern mit dem Grunge-Hype der Neunziger vergleichen will. Nur musikalisch passt das nicht ganz: Geese sind eher in verschrobenen Slacker-Rock-Sphären unterwegs. The Velvet Underground, experimentelle Stones oder Talking Heads, manchmal auch Country oder Post-Punk, grob diese Ecke.

Aber wie konnte eine Jam-Rock-Band im freien Geiste der Sechziger überhaupt zum TikTok-Phänomen und zu Gen-Z-Lieblingen werden? Wir begeben uns mal auf Ursachenforschung. Und die beginnt natürlich erst mal bei den Basics. Vor gerade mal zehn Jahren finden die Schulfreund:innen Cameron Winter, Emily Green, Dominic DiGesu, Foster Hudson und Max Bassin zusammen, benennen sich nach dem Spitznamen ihrer Gitarristin und nehmen Songs auf.

Radiohead 2.0

Eigentlich will man sich mit dem Highschool-Abschluss in der Tasche auflösen, weil die Mitglieder teilweise Zulassungsbescheide für elitäre Einrichtungen wie das Berklee College Of Music haben, aber die Musik hat andere Pläne: Die Demos finden ihren Weg auf den Tisch von Plattenlabels wie 4AD, Fat Possum oder Sub Pop. Und alle sind begeistert von dieser unbekannten Band aus jungen Leuten, die so gar nicht klingen wie der Rest ihrer Generation.

Von den fünf Mitgliedern steigt schließlich nur Foster Hudson aus, um sich seiner akademischen Laufbahn zu widmen. Der Rest legt die Collegepläne erst mal auf Eis. Und geht schon bald darauf durch die Decke. Im September 2025 erscheint mit Getting Killed ihr viertes Album. Es wird die Platte sein, mit der die New Yorker endgültig auf die Überholspur wechseln. Ihr verquerer, urbaner Großstadt-Rock klingt ganz und gar losgelöst von allen Trends, hat die Ikonen New York Citys zum Vorbild und schafft das, was wenige andere Rockbands dieser Tage schaffen: Er zieht ein dezidiert junges Publikum auf seine Seite. Und das mit einer Musik, die man gut und gern als Art Rock bezeichnen kann. Hat jemand Radiohead 2.0 gesagt?

Wie bei Nirvana

Max Bassin gibt in Interviews eine ähnliche Aura ab wie damals Cobain: „Ich glaube, wir alle lieben es einfach, Musik zu machen, und wir lassen uns alle von Künstlern aus früheren Zeiten inspirieren, sei es durch ihre Musik, ihre Kleidung oder ihre Ausstrahlung“, sagt er. „Ich glaube, wir sind die unoriginellsten Menschen, die es gibt.“

Klassische Neunziger-Antwort. Und wie damals beim Grunge-Boom, fällt auch das Publikum von Geese als passioniert und engagiert auf. Man liebt diese Band für ihre Musik, aber eben auch für ihren Stil. Geese sind New Yorker, die denken libertär, kennen keine Schranken. Das eint sie mit der Generation Z. Es ist viele Jahre her, dass eine Rockband, und kein Solo-Artist, eine so große Fangemeinde angezogen hat. Liegt eben auch daran, dass Geese in ihren Texten existentielle Dinge ansprechen, die die Lebenswirklichkeit ihrer jungen Hörer:innen spiegeln. Darin liegt eine viel größere Verbundenheit zu Nirvana als eine rein musikalische.

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Der amerikanische Traum existiert noch

Zudem ist die Story einfach zu schön, um wahr zu sein. Es ist diese Art von typisch amerikanischer Rockgeschichte, die heute so einfach nicht mehr passiert. Von Highschool-Freund:innen zu Rockstars, und das alles ohne großen Masterplan eines Major-Labels. Vielleicht mögen wir Geese deswegen so gern. Weil wir dachten, dass es solche Geschichten nicht mehr geben würde.

Fragt man sich eigentlich nur noch: Wieso bekommen Geese dann neben all diesem Zuspruch auch massiven Gegenwind? Wieso unterstellt man einer Band, die näher an The Velvet Underground als an den Strokes ist, Ausverkauf und Tik-Tok-Kalkül? Ganz ehrlich, da kämen einem davor doch 543 andere Bands in den Sinn. Und wenn man mal genau hinsieht, dann ergibt sich schnell ein klares Bild: Der Hate stammt hauptsächlich von alten Gatekeepern, die es einfach nicht einsehen wollen, dass eine junge Band auch mal was gut und richtig macht. Und dann auch noch mit einer Gitarristin, Himmel hilf.

Interessiert Geese natürlich nicht. Ihre US-Tour war komplett ausverkauft, ihre kommenden Deutschland-Shows wurden in deutlich größere Venues hochgelegt

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