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50 Jahre Hip-Hop haben zahlreiche Meilensteine, Referenzwerke und Klassiker hervorgebracht. Diese zehn Platten haben bis heute eine besondere Strahlkraft und Relevanz. Und dürfen in keiner gut sortierten Sammlung fehlen.
Eine aktuelle Auswahl an Hip-Hop Releases findet ihr hier in unserem Store:
Was macht ein Album eigentlich zum Klassiker? Eine hohe Hitdichte? Die Tatsache, dass die Songs auch heute noch frisch wirken, immer noch Einfluss ausüben? Oder wird ein Album erst nach vielen Jahren zum Klassiker, damals vielleicht sogar unterschätzt? Wir haben uns aus der langen Hip-Hop-Geschichte mal beispielhaft zehn Platten rausgekramt, auf die mindestens eins dieser Kriterien zutrifft.
Nas – Illmatic (1994)
Nasir „Nas“ Jones gelingt 1994 mit Illmatic ein rarer Schnappschuss aus dem US-amerikanischen Alltag. Ein Album, mehr Mythos als Musik, eine musikalische Autobiografie aus Queens, veröffentlicht von einem gerade mal 20-jährigen Talent. Zahlreiche Produzenten bringen Jazz und den Soul der Siebziger in die Lieder, die wie ein Spiegel junger Schwarzer Menschen in den Neunzigern sind und bei allen Schwierigkeiten nie seinen jugendlichen Optimismus verliert. Kendrick Lamar oder Jay-Z würden ohne dieses Album vielleicht gar keine Musik machen.
N.W.A. – Straight Outta Compton (1988)
N.W.A. sind in den späten Achtzigern wie eine Nachrichtensendung im Fernsehen, die nicht wegschaut und die harte, ungefilterte Realität auf Amerikas Straßen zeigt. Straight Outta Compton ist kühn, mutig, direkt, brutal und schockierend. Polizeigewalt und Crack-Epidemie im Widerschein eines brennenden Los Angeles sind das Fundament einer Platte, die bis heute das definitive Statement in Sachen Straßenwissen im Rap ist. Die frauenfeindlichen Reime hat die Platte natürlich gar nicht nötig, aber das weiß 1988 leider noch niemand.
Lauryn Hill – The Miseducation Of Lauryn Hill (1998)
Bahnbrechend. Essenziell. Wegweisend. Und noch tausend andere Superlative mehr: Lauryn Hills Debüt und einziges Soloalbum ist auch bald 30 Jahre nach Veröffentlichung ein beeindruckend ausformuliertes Statement. Aufgenommen in New York City und Jamaika, ist dieses Album ihre eigene Version der Disapora, eine grandiose Verbindung zwischen luftigem Reggae, zupackendem East-Coast-Rap und leidenserprobtem Soul. All das wird mit ihrer entfesselten stimmlichen Wucht und lyrischen Kunst zu einem der monumentalsten Alben der Hip-Hop-Geschichte.
Jay-Z – The Blueprint (2001)
Wenn die Library Of Congress schon sagt, dieses Album muss als entscheidende Wendung in der US-amerikanischen Kultur in ihre Reihen aufgenommen werden, dann sagt das eigentlich schon alles. Den Rest erledigt dann die Musik: Jay-Z war schon davor ziemlich genial, doch auf The Blueprint schafft er es irgendwie, diese letzten schweren Meter zur Perfektion ganz locker aussehen zu lassen. Das liegt auch an seiner gruselig telepathischen Verbindung zu seinen Produzenten Kanye West (seufz) und Just Blaze, den zwei wichtigsten Architekten des Hip-Hop-Sounds der Zweitausender. Hier kommt die sample-satte Klangweld des klassischen Hip-Hops mit einem Ethos zusammen, der durchaus auch mit Pop flirtet. Puristen werden natürlich dennoch Reasonable Doubt ganz nach oben bei Jay-Z stellen, dich es ist dieses Album, das Jay-Z zum Nationalheiligtum machte.
A Tribe Called Quest –The Low End Theory (1991)
Q-Tip und Phife Dawg waren noch keine 21, als sie mit den Aufnahmen zu The Low End Theory begannen; in Amerika durften sie also nicht mal Alkohol trinken und erschienen doch schon wie emeritierte Professoren des Hip-Hop, hochverehrte Universalgelehrte, denen man staunend und ergriffen lauscht, wenn sie erzählen. Es gibt wahrscheinlich kaum eine Platte, die von anderen Rap-Größen als perfektes Exempel dieser Kunst genannt wird.
Eminem – The Marshall Mathers LP (2000)
Als Zögling von Dr. Dre steigt Eminem aus dem Detroiter Rap-Undergrund zur Sensation auf. Mit The Marshall Mathers LP bringt er all das auf ein neues Level: Seine ausgefeilten, vielschichtigen Geschichten vereinen Humor mit Detroit-Horrorcore und die Aufarbeitung einer Kindheit voller Vernachlässigung und Missbrauch. Proto-Emo-Rap aus den Tiefen einer abgehängten Seele, ein mächtiges Narrativ und ein Meisterwerk gewalttätiger Rap-Horrorgeschichten.
Public Enemy – It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back (1988)
Was für ein Album! Was für eine unkontrollierbare, aus den Fugen geratene Wucht. 57 haarsträubende Minuten voller Luftschutzsirenen, Turntable-Scratching, Backmasking, Saxophon-Bläsern, Stakkato-Beats, aggressiven Funk-Licks, militanten Gesängen und ungefiltertem Furor. Das ist keine Rap-Platte, das ist ein Manifest. Eine Kriegserklärung. Lärm als Waffe. Perfekt wird diese Musik gewordene Reizüberflutung durch die übermächtige Produktion von The Bomb Squad und Chuck Ds orkanartigen Urschreien.
Dizzee Rascal – Boy In Da Corner (2003)
Rap ist ein durch und durch US-amerikanisches Produkt. New York, Los Angeles und Atlanta formen das Genre und geben ihm seine Gestalt, nach England hat man da lange nicht geschaut. Dann droppt plötzlich Dizzee Rascal ein Album wie Boy In Da Corner. Und macht klar, dass die Kluft zwischen USA und UK gar nicht mal so groß ist. Die prägnanten Electro-Garage-Beats untermalen ein Werk, das als früher Grime-Vorläufer Geschichte schreibt und mit schneller Prhasierung und metallischem Schaben ganz ähnliche soziale Probleme offenbart wie die, über die die Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks singen.
2Pac – All Eyez On Me (1996)
Die Trennung von Kunst und Künstler:in fällt uns schwer. Und doch haben wir uns entschieden, diese Platte in den Rap-Pantheon aufzunehmen. Weil sie neue Maßstäbe setzte. Und bis heute sprachlos macht. Nach seiner Entlassung auf Kaution schließt sich 2Pac im Studio ein, arbeitet wie besessen und haut in wenigen Wochen zwei Alben voller Material für sein neues Label Death Row raus. Die Synthesizer und Hooks bringen ProTools an seine Grenzen, die Palette reicht von düsterer Nabelschau über Diss-Tracks bis hin zu bekifften Hangout-Songs, alles von der Naturgewalt einer Death-Row-Produktion zusammengehalten. Essenziell. Und dennoch nicht ohne Disclaimer zu hören.
Wu-Tang Clan – Enter The Wu-Tang (36 Chambers) (1993)
Der Wu-Tang Clan hat den East-Coast-Rap neu definiert. Und damit die Regeln eines gesamten Genres umgeschrieben. Die neun verschworenen Mitglieder bringen östliche Philosophie und Poesie in den Rap und entfesseln ein freizügiges Beat-Manifest, das in seiner Stringenz und Atmosphäre seinesgleichen sucht. Wer Schwergewichte wie RZA, Raekwon oder Ghostface Killah im Studio und als Soulmates vereint, kann die Welt eben tatsächlich aus den Angeln heben