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„Ich bin nur bei den falschen Leuten ein Buzzkill“: Lyn Lapid im Gespräch über L.A., Einsamkeit und ihr Debüt
features19.03.26
Wir treffen Lyn Lapid kurz vor ihrer Show in Berlin. Für sie ist es eine Premiere in mehrfacher Hinsicht. Es ist ihr erstes Mal in Europa, ihr erstes Mal vor deutschen Fans – und das erste Mal, dass sie bei einer eigenen Headline-Show live Keyboards spielt. „Ich freue mich, meine europäischen Fans zu sehen – besonders meine deutschen Fans“, sagt sie.
Zwischen den Reisetagen bleibt etwas Zeit für Sightseeing; auf ihrer Liste stehen die Berliner Mauer und weitere Orte, bevor es weiter nach London geht. „Sightseeing und Performen gleichzeitig zu machen, ist ein Traum.“ Lyn Lapid wurde ursprünglich mit der Ukulele bekannt: Producer Man (2020), ihr viraler TikTok-Song über eine schlechte Erfahrung mit einem Produzenten, war minimalistisch, direkt und vokal zentriert, Stück für Stück auf Social Media veröffentlicht.
Lyn Lapid: Zurück an die Tasten
Parallel dazu ist sie Teil des Vokal-Kollektivs Earcandy. Nach EPs wie The Outsider (2022) und to love in the 21st century (2023) markiert Buzzkill (April 2025) einen klaren Schritt weiter. Lapid ist klassisch ausgebildet – jahrelanger Klavierunterricht, sieben Jahre Violine im Orchester – eine Seite, die lange eher im Hintergrund blieb. „Bei dieser Tour spiele ich zum ersten Mal Keys im Set“, sagt sie. „Ich wollte mich als Live-Performerin herausfordern.“
Die Setlist ist entsprechend gebaut: Sie spielt das komplette Album durch, ergänzt um ältere Songs, und testet bewusst, wie die Stücke außerhalb des Studios funktionieren. Besonders wichtig ist ihr der Moment, in dem das Publikum mitsingt – nicht als Effekt, sondern als Rückmeldung, ob die Songs tatsächlich tragen.
Schon im Songwritingprozess arbeitete sie anders als früher: Statt sich auf vertraute Pop-Harmonien zu verlassen, suchte sie am Klavier nach ungewohnten Lösungen. „In jeder Session habe ich gefragt: Was ist die seltsamste Akkordfolge und die schrägste Melodie, die wir uns ausdenken können?“ Die Texte kamen zuletzt. Für sie war das weniger Experiment um des Experiments willen, sondern der Versuch, die emotionale Spannung der Songs über Harmonie und Struktur zu stützen, statt sie nur über Worte zu transportieren.
Die Sache mit dem Buzzkill
Thematisch dreht sich Buzzkill um ihren Umzug von Maryland nach Los Angeles. Ein Wechsel von einer vergleichsweise ruhigen Ostküsten-Umgebung in eine Stadt, die zugleich Chancen und Oberflächlichkeit verspricht. „Es war ein großer kultureller Unterschied zu dem, womit ich aufgewachsen bin“, sagt sie nüchtern. Das Album begann als Sammlung von Songs über Einsamkeit, über das Gefühl, neu zu sein und keinen festen Platz zu haben.
Mit der Zeit verschob sich der Fokus: weniger Selbstmitleid, mehr Klarheit darüber, wo sie eigentlich stehen will. „Ich musste lernen, den Wunsch loszulassen, in jeden Raum passen zu wollen.“
Der Titel Buzzkill bezieht sich darauf, wie sie sich in falschen Freundeskreisen fühlte – nicht als allgemeine Selbstbeschreibung, sondern als situationsabhängige Wahrnehmung: „Ich habe gelernt, dass ich nur bei den falschen Leuten ein Buzzkill bin. Man muss seinen Kreis auf die Menschen verengen, die einen wirklich schätzen.“
Sie zieht den Vergleich zu Schulwechseln: derselbe Impuls, dazugehören zu wollen, dieselbe Unsicherheit, dieselbe Anpassung, nur eben in größerem Maßstab. Auch ihr Songwriting-Prozess ist Teil dieses Lernens geblieben: erst das Gefühl, dann die musikalische Form, zuletzt der Text.
Trotz des Erfolgs bleibt sie realistisch, was ihren eigenen Entwicklungsstand angeht. Auf die Frage, ob es einen Punkt gibt, an dem man „alles im Griff“ hat, antwortet sie ohne große Philosophie: „Ich habe definitiv noch nicht alles raus. Wir versuchen doch alle nur unser Bestes.“ Ihr Rat an ihr jüngeres Ich nach dem Umzug nach L.A. ist entsprechend pragmatisch: „Vertrau deinem Bauchgefühl. Wenn du dich bei einer Gruppe nicht richtig fühlst, lass los.“