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Foto: Gina Wetzler/Getty Images

Rock am Ring 2026: Diese 5 Geheimtipps im Line-up solltet ihr nicht verpassen!

Rock Am Ring ist eindeutig eine Institution im deutschen Festival-Geschäft. Daher wartet man jedes Jahr auf die frisch gebuchten, hochkarätigen Bands, die ein Millionenpublikum kennt – und die dementsprechend auch schon öfters dort gespielt haben. Doch was verbirgt sich im Festival Line-Up abseits der Headliner:innen? Fünf innovative Acts, die nicht jede:r auf dem Schirm haben dürfte, gibt’s hier zu entdecken!

Slay Squad

Um neue Bands für Rock am Ring zu finden, schaut man normalerweise nicht auf dem neuen A$AP-Rocky-Album nach. Aber wer Rockys Don’t Be Dumb hörte, dem ist auf dem Track STFU vielleicht das Feature des ominösen Slay Squad aufgefallen. Auch wenn der Name eher nach Avengers des Girly-Pop klingt, sind Slay Squad so etwas wie das Bindeglied zwischen A$AP Rocky und Rock am Ring, denn sie fusionieren Hardcore Hip-Hop mit Deathcore – Ghetto Metal nennen sie das. Das könnte allen gefallen, die beispielsweise die Collab zwischen Denzel Curry und Knocked Loose aus den Socken gehauen hat.

Damit flogen Slay Squad bisher noch ein wenig unterm Radar, bauen sich nun aber auch abseits des prominenten Features einen größeren Namen auf. So begleiteten sie unter anderem Limp Bizkit auf Tour – die ja dieses Jahr Headliner am Ring sind. Sowohl den Leuten, die dieses Jahr für die Handvoll Rap-Acts als auch für die härtesten Geschütze kommen, sei der Slay Squad somit ans Herz gelegt.

Blood Incantation

Wer nicht im Rabbithole der extremeren Metal-Subgenres steckt, könnte Blood Incantations Namen im Line-up überflogen haben und sich nichts weiter Besonderes gedacht haben als „eben eine weitere Metal-Band“. Doch Blood Incantation gehören zu den interessantesten Acts dieses Jahr. Ihren progressiven Death Metal nutzt die Band aus Colorado, um ihrer Liebe für Aliens, Astronomie und dem Weltall nachzugehen. Dieser kosmische Zugang ermöglicht regelmäßige Ausflüge in Psychedelic Rock, Ambient und eine andere Atmosphäre, als man es sonst von Death Metal kennt.

Ihr jüngstes Konzeptalbum Absolute Elsewhere beschrieb die Band selbst als „Soundtrack zu einem Science-Fiction-Epos im Stil [Werner] Herzogs über die Geschichte beziehungsweise den Kampf um das menschliche Bewusstsein selbst; dargeboten in Form eines 70er-Jahre-Prog-Albums, gespielt von einer 90s-Death-Metal-Band aus der Zukunft.“ Passend zu den 70er-Prog-Vibes luden sie sich dafür niemand Geringeren als die deutschen Legenden Tangerine Dream auf die Platte ein. Auf Rock am Ring ermöglichen Blood Incantation so unter all dem Geballer einen Trip in noch luftigere Sphären.

Ecca Vandal

Ein berechtigter Kritikpunkt, der Rock am Ring in den letzten Jahren immer wieder entgegengeworfen wird, ist die mangelnde Diversität im Line-up, insbesondere im Hinblick auf FLINTA*-Acts. Auch 2026 ist das nicht so ausgeglichen, wie wir es uns wünschen würden, aber Ecca Vandal bietet einen der strahlendsten Gegenpole zur altbekannten Männerriege. In Südafrika geboren, in Australien aufgewachsen, im Punk-Ethos zuhause – sie hatte nicht den einfachsten Weg in die Musikindustrie, gibt Vandal in einem Pressetext zu: „Die Systeme. Die Trends. Die Illusionen von Verbindung. Ich finde Stärke darin, laut und kompromisslos zu sein – besonders als Frau in diesem globalen Moment, in einer Kultur aufgewachsen, die mir sagte, ich könne das nicht sein.“

Als Ecca Vandal mit ihrem Debütalbum herauskam, machte sie schon einige Wellen – doch dann dauerte es weitere neun Jahre bis zum Nachfolger, der nun 2026 endlich erscheinen soll. Das Warten hat sich aber gelohnt und der Hype ist direkt wieder da: Die bisherigen Singles strotzen vor Druck, Trotz, Hooks und einer ansteckenden Version von Alternative Rock, die nicht in der Vergangenheit hängt, sondern vollends in den Zeitgeist passt. Genau diese Energie braucht der Ring!

Bilmuri

Wer sich noch an die Band Attack Attack! erinnert, hat sie wahrscheinlich entweder als die wohl 2000er-igste aller 2000er-Metalcore-Bands oder als mittlerweile zu Tode geclowntes Meme in Erinnerung. Legen wir kurz die Tatsache beiseite, dass der mit Autotune bewaffnete Sound von Attack Attack! für einige wie Milch gealtert ist – man muss ihnen lassen, dass sie furchtlos Genres miteinander kreuzten. Eine ähnliche Philosophie verfolgt auch Bilmuri, das Nachfolge-Projekt des Attack-Attack!-Gitarristen Johnny Franck.

Seit 2016 veröffentlichen Bilmuri zahlreiche Alben, die schon viele Ecken abgedeckt haben: Riffs und Breakdowns aus Post-Hardcore, poppiger Gesang, modern virtuose Gitarren wie bei Polyphia, sogar Trap-Country. Zugegeben, das klingt auf dem Papier wie eine eher ungenießbare Kombination, aber Bilmuri schaffen daraus eine überraschend prickelnde Balance. Zum einen nimmt Johnny Franck das Ganze nicht allzu ernst und präsentiert es auch ebenso meme-verliebt, zum anderen schreibt er saumäßig catchy Songs. Gerade die letzten beiden Alben American Motor Sports und Kinda Hard zeigen, wie man Melodien aus Pop-Country mit rhythmisch spannenden Riffs unterlegen kann. So haben Bilmuri sich mittlerweile eine große Fanbase jenseits aller Attack-Attack!-Nostalgie erarbeitet.

High Vis

High Vis sind ebenfalls eine Band, die ein bisschen unter dem Radar läuft. Völlig zu unrecht, finden wir. Sie verbinden in ihren Songs Hardcore, Post-Punk und Indie und schaffen damit einen Live-Sound, der Lust auf Tanzen, Festival und Eskalation macht. Die Londoner um Frontmann Graham Sayle verbinden Working-Class-Atitüde mit eingängigen Hooks und einer großen Portion UK-Melancholie, die nach Moshpit und Mitgrölen schreit. Mit Songs wie Mind's a Lie wird's irgendwie vibey und entspannt, während wir zum Beispiel bei Drop Me Out sofort Bock auf Crowdsurfen bekommen. Das High Vis live eine ganze Menge Energie abzugeben haben, haben die fünf zuletzt als Support für Turnstile unter Beweis gestellt. Und für eine gute Live-Show braucht die Band keine protzige Produktion, keine krasse Licht-Show und auch sonst wenig Klimmbimm – hier stehen ganz klar Musik und Energie im Vordergrund, was auch noch den Sympathiefaktor in die Höhe schnellen lässt.

Wir sind sicher, dass diese Mischung besonders im Festivalkontext gut funktioniert und die Band somit zum Good-Vibes-Garanten werden könnte. Deshalb hier unsere Prognose: Die Chancen stehen gut, dass ihr den Platz heiser, verschwitzt und als Fans verlasst. 

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