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Foto: Universal Music

BENEE zeigt sich auf „Ur An Angel I’m Just Particles“ zwischen Weltschmerz und Popglanz

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Mit Ur An Angel I’m Just Particles meldet sich BENEE eindrucksvoll zurück. Gereift, reflektiert und dabei immer noch charmant wirkt sie auf dem neuen Album. Die neuseeländische Musikerin, die mit Supalonely 2020 einen Pandemie-gerechten globalen Megahit landete, öffnet auf ihrem neuen Album die Tür zu einer komplexeren Klangwelt. Es ist eine Platte, die sowohl tanzbar als auch nachdenklich ist, die Popästhetik mit existenzieller Tiefe verbindet und zeigt, dass BENEE nie ein One-Hit-Wonder war.

BENEE und das Leben als 20-something

Stella Bennett, besser bekannt als BENEE, hat in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Mit Anfang 20 tourte sie bereits mit Olivia Rodrigo, begleitete Tate McRae und arbeitete mit Größen wie Lily Allen und Grimes zusammen. Über drei Milliarden Streams später steht sie nun an einem Punkt, an dem sie die Leichtigkeit ihrer Anfangsjahre hinter sich lässt.

Die Pandemiejahre, gesellschaftliche Krisen und der eigene Reifeprozess haben sichtlich ihre Spuren hinterlassen. Ur An Angel I’m Just Particles ist das bisher introspektivste Werk der Künstlerin. BENEE beschreibt das Album selbst als „tiefes Eintauchen in existenzielle Angst“, in dem Liebe, Identität und Sinn sich ständig neu verflüchtigen. Es ist ein Album, das nicht nur von emotionaler Unsicherheit erzählt, sondern auch von dem Versuch, in einer überfordernden Welt einen Anker zu finden.

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Zwischen Jazz, R’n’B und Pop

Schon der Einstieg in die Platte mit Demons markiert eine Abkehr vom süß-verspielten Pop ihrer früheren Songs. Ein jazzig angehauchter R’n’B-Beat, getragen von einer melancholischen Gitarre, schafft den Rahmen für eine emotionale Innenschau. Es wird sofort klar: BENEE ist gerade dabei, uns auf etwas Größeres vorzubereiten. Sie singt mit zurückhaltender Intensität, als wolle sie ihre eigenen Gedanken sortieren.

Mit Cinnamon, das bereits im Vorfeld veröffentlicht wurde, kehrt sie anschließend in vertrautere Gefilde zurück. Auf 2 Minuten 42 präsentiert die Künstlerin einen warmen, eingängigen Poptrack, der durch seine Leichtigkeit besticht, ohne dabei banal zu wirken. Zwischen Synth-Flächen und spielerischen Vocals gelingt BENEE das Kunststück, verletzliche Themen mit charttauglichem Sound zu verbinden.

Als sechster Song des Albums bietet Chainmail eine Überraschung auf dem Popalbum. Der Sound schlägt andere Wege ein und bringt eine leicht rauchige Alt-Rock-Note ins Spiel, irgendwo zwischen Bedroom-Pop und 2000er-Alternative. Die Instrumentierung bleibt unaufdringlich, aber detailverliebt. Man hört, dass hier jemand am Werk ist, der Pop nicht als glattpoliertes Produkt, sondern als Spielplatz begreift.

Ein Album voller Überraschungen

Mit Doomsday spielt BENEE weiter mit den Sounds. Sie mischt ihre Pop-Expertise in den Versen mit einem düsteren Sound im Refrain. Irgendwo im Hintergrund läuft dabei Where Is My Mind und zieht in genau diese Stimmung, die sich durch die Anlehnung an Evergreens großer Bands vertraut anfühlt. Die Songstruktur bleibt offen, sphärisch und unvorhersehbar. Es ist einer dieser Songs, die man nicht nebenbei hört, sondern in sich aufnimmt.

Off The Rails hingegen wirkt wie das Gegenstück dazu: ein pulsierender Track mit 90s-Vibes und clubtauglichem Drive. Hier treffen Hip-Hop-Samples auf treibende Beats, und BENEE klingt selbstbewusster denn je. Es ist der Moment, in dem das Album aus seiner introspektiven Stimmung ausbricht und fast euphorisch wird – ohne den thematischen Kern zu verlieren. Mit Princess zeigt BENEE schließlich, dass sie auch den aktuellen Popgeist verstanden hat. Die Produktion erinnert an „brat pop“, ist aber clever genug, um nicht wie eine bloße Kopie zu wirken. 

Nachdenkliches Finale

Zum Abschluss folgt Heaven. Ein ruhiger, fast zärtlicher Song, der das Album mit einer melancholischen Note beschließt. Eine einfache Gitarrenmelodie, ein sanftes Schlagzeug, ihre reduzierte Stimme, mehr braucht es nicht. Es ist, als würde BENEE am Ende dieser Reise tief durchatmen. Heaven ist der Herbstnachmittag des Albums, der Moment, in dem man die Tasse Tee beiseitestellt und einfach nur noch zuhört. Nachdenklich entlässt und BENEE damit aus ihrem Album.

Ein Reifezeugnis in Pastell

Ur An Angel I’m Just Particles ist ein klanglich vielschichtiges, emotional ehrliches und erstaunlich kohärentes Album. Es ist nachdenklicher, reifer als zuvor. BENEE gelingt hier der Spagat zwischen introspektiver Lyrik und modernem Pop mit Leichtigkeit. Sie schafft es, unerwartete Momente zu kreieren und gleichzeitig ihr Albumkonzept einzuhalten. Ihre Songs sind melodisch eingängig, aber niemals eindimensional. Zwischen Jazz-Elementen, Indie-Pop und elektronischen Akzenten entsteht eine Ästhetik, die sowohl international anschlussfähig als auch unverwechselbar BENEE ist.

Die Themen aus Selbstzweifel, Isolation oder Sehnsucht nach Verbundenheit fügen sich zu einem emotionalen Mosaik, das perfekt in die gegenwärtige Poplandschaft passt und die Gefühlswelt der Gen Z spiegelt. Ein Album, das zeigt: Auch in der größten existenziellen Krise kann Pop wunderschön sein.

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