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Review: Sam Smiths „Hazel Eyes“ ist ein wunderschöner Liebesbrief an New York City
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Sam Smith und das ganz große Besteck: Mit den betörend nostalgischen Balladen von Hazel Eyes gelingt der Ausnahmestimme ein ganz besonderes Album zwischen altem Hollywood, Bond-Flair und Torch Song.
Wir wissen ja alle, wozu Sam Smith fähig ist. Wie viel diese zarte, warme, besondere Stimme bewegen kann. Wir wissen aber auch alle, wie oft und wie viel schon über die Liebe gesungen wurde. Wie erschöpft dieses größte Thema der Musikgeschichte doch mittlerweile ist. Oder sein müsste, denn: So schön wie Sam Smith auf deren einnehmenden fünften Album Hazel Eyes von der Liebe singt, hat das selten zuvor jemand getan.
Das merkt man gleich beim eröffnenden Everlasting Love. Ein Titel, der ja eigentlich schon zu Boyband-Zeiten unerträglich cheesy war. Doch wenn Sam Smith zunächst zu einer ruhig gezupften Lagerfeuergitarre und später zu einer melancholischen Trompete und wehmütigen Streichern von diesen haselnussbraunen Augen singt, dann ist das Ganze plötzlich nicht mehr kitschig oder schwülstig, sondern auf ganz nahbare Weise sentimental. Eher klingt Smith nach einem Adam Faith, der verloren in einer alten englischen Bar singt, als nach einem Popstar, der unter anderem einen Oscar und fünf Grammys zuhause stehen hat.
Hazel Eyes von Sam Smith im Circle Store:
Smiths Liebesbrief an New York City
Die Sache mit den haselnussbraunen Augen, sie zieht sich wie ein roter (oder eben haselnussbrauner) Faden durch ein Pop-Album, das von leisen Tönen beherrscht wird und bei aller Zurückgenommenheit doch nie an Dynamik und Spannung verliert. Das mag durchaus auch an der Entstehungszeit der Songs liegen: Gemeinsam mit dem langjährigen Produzenten Simon Aldred schrieb Smith die Platte in New York City und nahm einen Teil davon sogar in den legendären Electric Lady Studios auf. Hazel Eyes ist deswegen auch explizit als Liebesbrief an den Big Apple zu verstehen, in dem Smith mittlerweile ein Zuhause gefunden hat. „Als ich hier ankam und auf der Straße spazieren gehen konnte, ohne mich beurteilt zu fühlen, wurde mir klar, dass ich sehr glücklich war, als queere Person in New York City einen Zufluchtsort gefunden zu haben“, so der Superstar.
Ach ja, New York City kann eben so herrlich offen und romantisch sein. When Harry Met Sally, nur nicht cis-heteronormativ. Auch deswegen klingen die Lieder bei aller bittersüßen Aura stellenweise erstaunlich beschwingt, durchweht von altem Broadway-Zauber und einer gewissen Hollywood-Nostalgie, was die Arrangements und Gesangsharmonien angeht. „Dieses Album ist sehr persönlich, und ich habe das Gefühl, dass ich mich durch die Entstehung dieses Albums weiterentwickelt habe – dadurch, dass ich produzierend an der Platte mitgewirkt habe, dass ich dieses Album von Anfang bis Ende begleitet und mich bei jedem einzelnen Schritt selbst herausgefordert habe“, so Smith. „Diese Platte und diese Musik sind unglaublich romantisch. Ich habe durch die Arbeit an diesem Album so viele Lektionen fürs Leben gelernt, und all das habe ich in der Musik festgehalten.“
Ahnungsvolle Mischung aus Blues, Folk und Outlaw-Country
Hazel Eyes ist auch deswegen so besonders, weil es im Grunde ein klassisches Crooner-Album der altvorderen Zeit ist. Und doch eine queere Liebesgeschichte erzählt. Das Narrativ ist dennoch ein anderes: Waren die Vorgänger eher melodramatische Erzählungen von Liebeskummer und geschundenen Herzen, ist Hazel Eyes eine etwas realitätsnähere Einschätzung der Liebe in all ihren unerklärlichen Facetten. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Klangwelt des Albums, die eine ahnungsvolle, verrauchte Mischung aus Blues und Folk, Pop und Outlaw-Country mit starkem Seventies-Bezug versprüht. Passt ganz wunderbar und hebt die Musik auf eine neue Stufe.
Nach den eher opulent ausstaffierten Großereignissen, mit denen Smith in den letzten Jahren völlig zurecht zum Superstar wurde, geht es auf Hazel Eyes bewusst zurück zu klassischem Songwriting. Dieses fünfte Album einer erstaunlichen Karriere ist deswegen so etwas wie das unklassischste klassische Pop-Album, das man sich vorstellen kann. Und genau das macht den großen Reiz dieser Songs aus.