Review: „The Romantic“ von Bruno Mars ist ein nostalgischer Latin-Pop-Liebesbrief

Featured Image
Foto: Kevin Mazur/Getty Images for The Recording Academy

Review: „The Romantic“ von Bruno Mars ist ein nostalgischer Latin-Pop-Liebesbrief

Bitte Zählermarke einfügen

Zehn Jahre hat uns Bruno Mars auf ein neues Album warten lassen. Das Einzige, was man ihm jetzt ankreiden kann, ist, dass sein Comeback The Romantic nur knapp über 30 Minuten dauert. Dabei hätte man dieser Stimme doch gern viel länger zugehört.

Es wirkt zugegebenermaßen etwas dürftig. Nach zehn Jahren ohne neues Studioalbum kehrt Bruno Mars mit The Romantic zurück – und bekommt dann doch nur neun Songs in 31 Minuten zusammen. Aber natürlich gilt auch hier das alte Motto Qualität statt Quantität, das sich in letzter Zeit in der Popmusik immer häufiger durchzusetzen scheint. Vielleicht einfach drei Songs weniger auf ein Album packen, aber dafür ein durchgehend hohes Niveau garantieren, das wird sich auch Bruno Mars gedacht haben.

Bruno Mars’ riesige Erfolge

Dennoch: Er hat uns lang warten lassen. Natürlich gab es sein Nebenprojekt Silk Sonic, natürlich hat er allein mit seinen Kollaborationen Die With A Smile (mit Lady Gaga) und APT. (mit Rosé) die Musikwelt der letzten zwei Jahre beherrscht; ein richtiges neues Album von ihm gab es davor aber eben 2016. Damals erschien 24K Magic, ein glitzerndes Funk-Pop-Album, das sieben Grammys abräumen konnte.

Und jetzt? Startet Bruno Mars locker-flockig in eine neue Ära, als wäre das letzte Album vielleicht 18 Monate her. Hier singt uns kein gereifter, kein veränderter Bruno Mars entgegen. Hier gibt es feinsten Pop, gewürzt mit Latin, Funk und R&B, hier gibt es einen Songzyklus über das größte Thema von allen, die Liebe. An der haben sich schon viele abgearbeitet, alle eigentlich, und doch wagt Bruno Mars noch mal den Sprung in dieses reichlich abgegraste Feld. Es ist daher nicht verwunderlich, dass seine zündenden, knackigen Songs keine neuen Erkenntnisse bieten. Es wurde nun mal schon alles gesagt.

Pop wie in den Siebzigern

Musikalisch und lyrisch ist The Romantic genau das, was sein Titel erwarten lässt: eine sinnliche Pop-Platte, wie man sie in den Siebzigern gemacht hat. Keine Scheu vor großen Gefühlen. „Was nützt Schönheit, wenn der Hintern den Takt nicht findet?“, singt Mars etwa in der Lead-Single I Just Might, in anderen Songs gibt es keinen Berg, den er nicht besteigen würde, kein Meer, das er nicht überqueren würde. Das könnte man als Phrasendrescherei abtun. Oder eben als charmante Ehrerbietung an all die großen Crooner vor ihm sehen.

Seine langjährige Band The Hooligans sorgt auf ziemlich clevere Weise dafür, dass die Platte nicht in einem referentiellen Meer aus Siebziger-Schwülstigkeit versinkt. Die Arrangements werden von hellen Gitarrenriffs, mitreißenden Congas und viel Blechbläsern untermalt. Das macht Spaß, das hat Big-Band-Vibes. Das ist bisweilen dennoch nostalgisch, das soll es auch sein, aber immer mit genügend Zeitgeist-Pep, um sich etwa von Silk Sonic abzugrenzen. Wo sein musikalisches Herz wirklich schlägt, kann Bruno Mars aber natürlich nicht verheimlichen. Niemand ist so schwärmerisch, so hoffnungslos romantisch wie er.

Herz auf der Zunge

The Romantic ist kurz, ja, aber dafür voller liebevoller, volltönenden Hommagen an Philly Soul und Latin Pop. Wenn er es nicht schon zuvor war, dann ist Mars spätestens jetzt der legitime Erbe von Curtis Mayfield und Santana. Denn auch wenn das alles vielleicht nicht ganz neu erfunden sein mag, ist es doch eine helle Freude und einen Genuss, wenn ein Künstler derart unapologetisch über die Liebe singt. Und vielleicht klingt das kitschig, doch in Zeiten wie diesen ist es doch einfach mal schön, eine halbe Stunde lang hoffnungslos romantisch zu sein.

Weiter stöbern im Circle Mag: