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Foto: Watal Asanuma/Shinko Music/Getty Images

Das Soloalbum, das Ozzy Osbournes Karriere rettete: „Blizzard Of Ozz“ wird 45

1980 belebte Ozzy Osbourne seine Karriere wieder, nachdem Black Sabbath ihn nicht mehr wollten. Mit der Hilfe ein paar exzellenter Musiker und einflussreicher Hits wie Crazy Train wurde Blizzard Of Ozz zu einem echten Metal-Klassiker.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber: Ozzy Osbourne galt mal eine Zeit lang nicht als unantastbare Legende, sondern als verlorene Witzfigur, die gerade aus ihrer Band geworfen worden war. Immer neben der Spur, immer zugedröhnt – na gut, zumindest das kann man sich gut vorstellen. Tatsächlich stand es um die Karriere des Prince of Darkness Ende der 70er nicht so gut. Denn so brillant Osbourne selbst auch war, ohne Black Sabbath war er nichts. Das dachten zumindest viele, bis sich das Blatt mit Blizzard Of Ozz wendete.

Die Rekrutierung einer Supergroup

Auf der Suche nach einer neuen Band bildete sich eine legendäre Besetzung. Durch das Label Jet Records, auf dem Ozzy nun neu war, lernte er den Bassisten Bob Daisley kennen, der zuvor bei Rainbow gespielt hatte. Daisley wurde zu einer Jam-Session mit zwei Freunden im Hause Osbourne eingeladen. Während einer Teepause erklärte Daisley Ozzy, er hielte die anderen beiden für nette Kerle, aber keine Weltklasse-Musiker – und sie bräuchten Weltklasse! Gesagt, getan: Ozzy ging herüber ins andere Zimmer und verkündete seinen beiden Freunden, sie müssten ihre Sachen packen und gehen, da es nichts werden würde.

Nun erzählte er Bob Daisley, er erinnere sich an einen jungen Gitarristen, den er mal kennengelernt hatte: Randy Rhoads. Damals spielte er noch bei der Band Quiet Riot, sehr bald wurde er aber zu einem elementaren Bestandteil der Ozzy-Osbourne-Platten. Zum Schluss fanden sie nach einigen Auditions den Drummer Lee Kerslake, der ebenfalls zuvor seine Band verlassen hatte: Uriah Heep. Auf diesem Album bekam das Quartett zudem noch am Keyboard Unterstützung vom ehemaligen Rainbow-Mitglied Don Airey – auch wenn er sich in den Credits nicht aufführen ließ, um mehr Geld an Ozzy fließen zu lassen. Nun war also eine waschechte Supergroup komplett. Der Name: The Blizzard Of Ozz.

Mehr als nur ein Soloalbum

Ja, tatsächlich hieß nicht nur das Album, sondern auch die Band so. Dass sie in den Namen des Sängers umbenannt wurde, war nicht direkt beabsichtigt, erzählt Daisley im Interview auf seiner Website: „Wir sagten der Plattenfirma, dass es uns nichts ausmachte, wenn sie seinen Namen auf der Plattenhülle verwenden würde, um ihn zu kennzeichnen, etwa ‘Featuring Ozzy Osbourne’. Aber als das Album veröffentlicht wurde, waren die Worte ‘Ozzy Osbourne’ in größerer Schrift als ‘The Blizzard Of Ozz’, was es wie ein Ozzy-Osbourne-Album namens The Blizzard Of Ozz aussehen ließ.“ Die Bandmitglieder beschwerten sich nicht und nutzten die Vorteile von Ozzys prominentem Namen.

Ozzy Osbourne ist natürlich eine zentrale Figur seiner Musik – insbesondere auf Blizzard of Ozz bestechen aber alle Instrumente mit Glanzmomenten und einer wunderbaren gemeinsamen Chemie. Allen voran muss Randy Rhoads erwähnt werden. Nur zwei Jahre nach dem Erscheinen von Blizzard of Ozz starb er in einem Flugzeugabsturz. Aber allein mit den zwei Alben, die er mit Ozzy aufnahm, zementierte Rhoads sich bis heute für viele als einer der besten Gitarrist:innen aller Zeiten.

Crazy Train undMr Crowley enthalten absolut legendäre und himmlische Soli. Die Licks in I Don’t Know klingen wie eine Vorahnung dessen, was Dimebag Darrell von Pantera in den 90ern so unverwechselbar machen würde – rasant shreddig, verspielt und doch melodisch. Seiner verstorbenen Mutter widmetete Rhoads das kurze, aber schöne Instrumental-Gitarrenstück Dee. Hier, wie an vielen anderen Stellen, kommt seine Affinität zur Klassik heraus, womit er den Weg für viele Neoclassical-Metal-Auswüchse ebnete. Gleichzeitig beweist die Band in Songs wie Crazy Train oder No Bone Movies ein Faible für lässig-groovige Riffs, das viele Glam-Bands bald adaptierten.

Ganz in der Gegenwart

Apropos Glam: Bands wie Poison, Mötley Crüe oder Scorpions würden später für ihre schmalzigen Power-Balladen bekannt werden. Den Grundentwurf dafür bildet Goodbye To Romance, allerdings mit wesentlich weniger Pathos. Ozzy singt darüber, nicht in der Vergangenheit steckenzubleiben, sondern nach vorne zu schauen. Ob er selbst damals so optimistisch war, ist schwer einzuschätzen – die meisten Texte schrieb Daisley für ihn. Aber die Emanzipation von Black Sabbath wird deutlich.

Seine innere Verwirrung, aber auch den globalpolitischen Aufruhr, drückt er in I Don’t Know und Crazy Train aus. Im kontroversesten Song Suicide Solution besingt er die Gefahren des Alkoholkonsums, ohne verherrlichende Absicht. Als sich ein 19-Jähriger umbrachte – laut seinen Eltern, nachdem er den Song gehört hatte – wurde Osbourne aber der „Anstiftung zu selbstzerstörerischem Verhalten“ bezichtigt und verklagt. Im Namen der künstlerischen Freiheit wurde die Anklage wenige Jahre später fallen gelassen.

Erfolgreiche Reanimation

Ozzy ging also natürlich wieder nicht ohne Skandale aus Blizzard Of Ozz heraus. Eine erfolgreiche Reanimation seiner Karriere war es aber allemal. Nicht nur Hits wie Crazy Train oder Mr. Crowley gehören zu den bekanntesten Metal-Songs aller Zeiten, das ganze Album ist eines der beliebtesten Werke des Genres generell. Massentauglich catchy, modern virtuos und voller Energie eines Neuanfangs.

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