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Foto: Universal Music

Drei Freunde müsst ihr sein: Mumford & Sons im Interview zu ihrem neuen Album „Prizefighter“

Sieben Jahre hat es gedauert, doch nun geht alles sehr schnell: Mit Prizefighter veröffentlichen Mumford & Sons im Februar bereits ihr zweites Album innerhalb von zwölf Monaten. Wir haben die drei Musiker in den Katakomben der Kölner Lanxess Arena getroffen und uns für euch mit ihnen unterhalten – über die Bedeutung des Albumtitels, darüber, was das Vatersein in ihnen verändert hat und wie sie mit Einsamkeit umgehen.

War für euch immer klar, dass ihr nach eurer siebenjährigen Pause zurückkehren würdet?

Marcus Mumford: Ja, das war immer klar. Wir wussten nicht, wie oder wann, aber wir wollten es die ganze Zeit. Unsere Begeisterung ist nie abgeflaut, aber wir wussten auch nicht, wo uns das Songwriting hinführen würde. Nach Rushmere [Album von März 2025 – Anm. d. Aut.] haben wir einfach weitergeschrieben. Vielleicht ist es uns danach leichtgefallen, weil dieses eine Album schon einmal fertig war.

Marcus, du hast mal gesagt, dass gelegentlich ein Song vom Himmel fällt, aber dass man die Hände aufhalten muss, um ihn fangen zu können. Was war die ungewöhnlichste Situation, in der dir das passiert ist?

MM: Auf dem neuen Album war das bei dem Song Conversation With My Son (Gangsters And Angels) der Fall. Ich hatte gerade W. H. Auden und Paul Kingsnorth gelesen und war in einem Coffee Shop in Hudson Valley, wo wir die Platte aufgenommen haben. Als ich ins Studio kam, hatte Ben eine neue Idee auf dem Piano. Wir begannen damit, an dem Song zu arbeiten und die Worte kamen einfach aus mir heraus. Ich habe sie schnell handschriftlich notiert und das Ganze hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert. In einer anderen Situation hätte durchaus ein Jahr vergehen können, bis der Song fertig gewesen wäre, aber an jenem Tag fiel er einfach vom Himmel. Das fühlt sich an, als würde jemand anderes einen Song durch dich schreiben und das ist echt cool.

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Wovon handelt der Titeltrack Prizefighter?

MM: Der Song ist aus der Perspektive von jemandem geschrieben, der einige harte Schläge einstecken musste, sich aber dennoch weigert aufzugeben und voller Hoffnung an seine erfolgreichen Tage anknüpfen möchte. Das passt gut dazu, wo wir momentan als Band stehen. Wir haben immer noch Kampfgeist in uns und wir lieben es und sind hungrig. Wir denken, dass wir momentan gute Shows spielen, gute Songs schreiben und noch viel zu geben haben. Das sorgt für eine Menge Antrieb.

Ihr seid nun seit 15 Jahren eine Band. Wie schafft ihr es, trotz aller Strapazen, auch Freunde zu bleiben?

MM: Kommunikation. Wir bleiben immer eng in Kontakt, auch wenn wir weit voneinander entfernt sind. Dadurch sind wir, wenn wir uns dann wiedersehen, viel besser miteinander verbunden, als wenn wir zwischendurch weniger kommunizieren würden. Wir verbringen bewusst Zeit zusammen. Heute zum Beispiel sind wir gemeinsam mit dem Auto durch das Kölner Umland gefahren und das war großartig.

Uns ist klar, was es für ein Privileg ist, Teil dieser Band zu sein, und wir sprechen viel über die Arbeit, die mit ihr einhergeht. Aber manchmal blicken wir auch von außen darauf und führen uns vor Augen, wie viel Spaß es macht, dass wir all das nach so langer Zeit noch tun dürfen, und zwar mit unseren besten Freunden. Das muss man schützen und, genau wie in einer Ehe, darum kämpfen, sich jeden Tag dafür entscheiden und darf es nicht als selbstverständlich erachten.

Ihr seid alle drei Väter. Was hat sich für euch seit der Geburt eurer Kinder verändert?

Ben Lovett: Es ist schwer zu sagen, ob die Veränderungen mit der Vaterschaft zu tun haben oder damit, dass wir einfach älter werden. Vater zu sein bedeutet, dass sich die Prioritätenliste im Leben verändert. Es ist aber auch spannend, wie sich das Vatersein auf die Banddynamik auswirkt. Was eine Band am Laufen hält, ist, dass man sich in einem angemessenen Rahmen gegenseitig priorisiert. Man möchte, dass es den anderen gut geht. Genau das gleiche gilt für den Partner und das Kind.

Es wird also komplizierter, alles unter einen Hut zu bringen.

BL: Ja, aber nicht auf eine schlechte Weise, sondern auf eine bereichernde. Es ist schon eine Art Wunder, wenn Band und Familie im Einklang miteinander tanzen. Ich verstehe jetzt auch einige unserer älteren Songs besser, wo Marcus ein junger Vater war und etwas erlebt hat, das wir anderen damals noch nicht nachvollziehen konnten. Ich bin froh, dass wir das nun gemeinsam haben und uns über schlaflose Nächte und das Bauen mit Lego-Steinen austauschen können.

Ted Dwane: Für mich ist das Vatersein eine große Übung in Verletzlichkeit. Denn man kann in seinem Leben noch so viel Energie darauf verwenden, sein Herz oder sich selbst vor der Welt zu schützen, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Doch wenn man Vater wird oder ein Elternteil, dann gibt es da plötzlich diese Person in deinem Leben, die man ganz anders und noch viel stärker liebt, als man es je zuvor erlebt hat. Davor kann man sich nicht schützen.

Ihr seid gerade auf großer Arena-Tour. Gibt es Rituale, die euch durch das tägliche Chaos helfen?

MM: Ein bisschen Sport, ein gelegentliches Bier und eine Gruppenumarmung, bevor wir auf die Bühne gehen.

BL: Und wir erlauben uns seit diesem Jahr etwas, von dem wir nicht gedacht hätten, dass wir es uns einmal leisten könnten: Wir touren mit unserer eigenen Einrichtung und lassen uns unsere Zimmer jeden Tag gleich aufbauen. Das machen wir, weil gerade in solchen Sportarenen wie hier viel der Vorstellungskraft überlassen wird. Unser Mitarbeiter Kyle kümmert sich darum, er ist ein echter Zauberer. Durch ihn fühlt sich das Touren mehr nach zuhause an. Man hat eine Art sichere Bank, auf die man sich verlassen kann.

Wie geht ihr auf Tourneen mit Themen wie Einsamkeit oder Druck um? Ihr seid viel unterwegs und müsst ständig funktionieren.

MM: Wir verlassen uns immer aufeinander. Wir teilen miteinander, wenn es uns nicht gut geht, wenn uns etwas stresst oder wenn zuhause etwas los ist. Wir nehmen das mit der Kommunikation sehr ernst. Wir sind gut darin. Wir kennen uns gut genug, um zu merken, wenn beim anderen etwas nicht stimmt. Wir passen aufeinander auf.

TD: Und das bezieht sich nicht nur auf uns als Band, sondern auf die ganze Crew. Wir haben das große Glück, seit vielen Jahren mit denselben Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Das fühlt sich beinahe an wie Familie. Wir kümmern uns also nicht nur umeinander, sondern schauen auch hin, wenn jemand aus dem Team eine harte Zeit durchmacht. Das Leben auf Tour kann manchmal unwirtlich und einsam sein, obwohl man ständig von Menschen umgeben ist, weil man nicht bei der Familie sein kann. Wir versuchen, eine Atmosphäre der Fürsorge und der Unterstützung zu schaffen.

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