Eigentlich wollte sie nie als Solokünstlerin durchstarten – am Ende wurde sie eine der erfolgreichsten aller Zeiten: Mit Tapestry veröffentlichte die New Yorker Singer-Songwriterin Carole King im Februar 1971 ein Album für die Ewigkeit. Lest hier, was James Taylor und Wu-Tang-Rapper U-God damit zu tun haben.
Ende der Sechziger ändert sich für Carole King so gut wie alles. Nachdem sie mit Natural Woman einen Mega-Hit für Aretha Franklin komponiert hat, zieht sie von ihrer New Yorker Heimat nach Kalifornien und schließt sich der dortigen Singer-Songwriter-Szene an. Zu der gehören zum Beispiel Joni Mitchell, aber auch James Taylor, der King sofort unter seine Fittiche nimmt, sie als Pianistin für sein zweites Album Sweet Baby James (1970) anfragt und dazu ermutigt, als Solokünstlerin loszulegen. King weiß nicht so recht – schließlich sieht sie sich vor allem als Songwriterin, weniger im Rampenlicht. Doch schon nach ihrem weniger erfolgreichen Debüt Writer (1970) gelingt der New Yorkerin der große Wurf: Am 10. Februar 1971 veröffentlicht sie Tapestry – heute eine der meistverkauften Platten aller Zeiten.
Tapestry: Carole King und ihr größter Erfolg
Dafür, dass Tapestry so hervorragend funktioniert, gibt es eine ganz einfache Begründung: Carole King singt auf dem Album großartige Songs – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit nur der allernötigsten Produktion gibt sie jazzige Nummern wie I Feel The Earth Move zum Besten, aber auch psychedelisch angehauchte Balladen wie It’s Too Late. Stücke wie You’ve Got A Friend fliegen King einfach zu, wie sie später im Interview mit dem Musikmagazin Mojo verrät: „Der Song hat sich wie von selbst geschrieben“, erklärt sie. „Etwas von außen hat ihn komponiert, durch mich.“ Bescheidene Worte, wenn man bedenkt, dass das Stück It’s Too Late ihr im Jahr 1972 den Grammy für den „Song Of The Year“ beschert. Generell ist das wohl eine der Sachen, für die King viel Bewunderung zuteil wird: Sie ist kein bisschen abgehoben.
Einen zweiten Frühling erlebt ab 2000 der Song Where You Lead, denn er wird zur Titelmusik der erfolgreichen Serie Gilmore Girls – auch wenn die Lyrics dafür leicht angepasst werden, wie Carole King 2026 im Interview mit Entertainment Tonight verrät: „Texter Toni Stern hat die Lyrics für die Serie geändert, damit sie nicht so Stand By Your Man-mäßig sind“, erklärt sie lachend. Schließlich geht es in der Serie vor allem um die Beziehung von Mutter und Tochter, nicht um eine Liebe zwischen zwei Partner:innen – und dazu soll der Text passen. Ganze 153 Episoden in sieben Staffeln von Gilmore Girls laufen in den Jahren 2000 bis 2007 – ein riesiger Erfolg, auch für Intro-Komponistin Carole King. Doch das ist wie gesagt bereits der zweite Frühling. Werfen wir also auch noch einen umfangreichen Blick auf den ersten!
Tapestry von Carole King: Ein Album der Superlative
Als Tapestry im Februar 1971 erscheint, räumt Carole King damit so ziemlich alles ab was geht. Insgesamt vier Grammys kassiert sie für die Platte, also nicht nur die „Song Of The Year“-Trophäe für It’s Too Late, sondern auch in den Kategorien „Album Of The Year“, „Record Of The Year“ und „Best Female Pop Vocal Performance“. Ganze fünf Wochen verbringt die Platte auf Platz eins der Billboard Charts – und hält sich insgesamt 313 Wochen in der US-amerikanischen Hitparade. Das können nur Pink Floyd noch überbieten, die mit The Dark Side Of The Moon auf satte 724 Wochen kommen. Über die Jahrzehnte sammelt King eine diamantene Schallplatte und vierfaches Platin; laut Liste gehört Tapestry zu den 50 meistverkauften Alben aller Zeiten. Ein Once-In-A-Lifetime-Erlebnis? Nicht für sie, denn ihre Karriere geht auch nachher munter weiter.
Nur wenige Monate nach Tapestry veröffentlicht Carole King ihr drittes Album Music und landet damit erneut auf Platz eins der US-Charts. Anschließend darf sie sich über fünf Gold-Alben in Folge freuen. Tapestry ist also kein Einzelfall, aber irgendwie auch schon, denn nur selten stehen die Sterne so, dass dabei eine Platte wie diese entsteht. Das sieht man auch in der Rap-Szene so. Zum Beispiel zitiert Wu-Tang-Clan-Mitglied U-God den Song I Feel The Earth Move in seinem Track Turbo Charge. Die Musik von King begeistert also bis heute – und auch sie selbst ist alles andere als stehen geblieben, was ihren Musikgeschmack betrifft. Sie lebt mit ihrer Enkelin zusammen und hört unter anderem Künstlerinnen wie Sabrina Carpenter, Billie Eilish und Chappell Roan – Frauen, zu deren Entwicklung sie mehr beigetragen hat, als ihr in ihrer Bescheidenheit vermutlich klar ist.