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Dass audiophile Menschen sehr viel Geld für perfekten Klang ausgeben, ist ein bekanntes Phänomen – und bei Vinyl-Enthusiast:innen, die auf den analogen Klang schwören, ist das besonders ausgeprägt. Ein Plattenspieler allein macht noch keine Anlage, dazu kommen Verstärker, Lautsprecher, Tonabnehmer. Aber er bleibt das Herzstück jeder Sammlung. Solide Einsteigermodelle gibt es inzwischen für wenig Geld. Darum soll es hier heute aber nicht gehen. Es geht um die Spitze des Marktes: Laufwerke für Käufer:innen mit großem Budget und noch größerer Leidenschaft für Klang. Dafür kriegt man schon mal eine eingebaute HD-Kamera, die kontrolliert, ob auch wirklich alles passt.
Die verlässlichste aktuelle Übersicht der teuersten Plattenspieler liefert die britische Fachpublikation What Hi-Fi?, zuletzt aktualisiert im März 2025, die wir an dieser Stelle noch etwas ergänzt haben.
AV Designhaus Derenville VPM 2010-1 – rund 538.000 Euro
Hier hört der Spaß auf, ernsthaft zu klingen: Der Derenville VPM 2010-1 ist mit umgerechnet rund 538.000 Euro das teuerste Laufwerk der Welt, und man merkt dem Gerät an, dass hier niemand sparen wollte. Das Chassis besteht aus 60 Kilogramm massivem Corian, vier Luftfederfüße halten das Ganze in der Schwebe. Zwei frequenzgesteuerte Motoren treiben den Riemen an, ein Lasersystem überwacht permanent den Kippwinkel des Tonarms – falls der sich mal daneben benehmen sollte. Eingebaute Digitalwaage, HD-Kamera (was sonst?) zur Rillenkontrolle während des Abspielens, Fernbedienung mit Touchscreen. Von der Stange gibt es das nicht, jedes Exemplar wird einzeln gefertigt. Wer hier bestellt, kauft logischerweise kein Serienprodukt, sondern lässt sich eins bauen.
Goldmund Reference II – rund 193.000 Euro
Die Schweizer kennen kein Understatement, wenn es um Präzision geht. 25 Stück wurden von der Reference II gebaut, mehr nicht. Der Plattenteller wiegt 20 Kilogramm, der Motor steckt unter 15 Kilogramm Messing, damit ihn niemand hört, und der Antriebsriemen wird laut Hersteller mit flüssigem Stickstoff behandelt – Chemie-Unterricht für Fortgeschrittene. Für den Preis gibt es übrigens nur das Laufwerk. Tonarm und Tonabnehmer muss man sich dazukaufen, quasi das Auto ohne Motor. Der Preis lässt sich unabhängig bestätigen: Auch das britische Technikmagazin TechRadar nennt für die Reference II umgerechnet rund 164.000 Pfund – nahezu deckungsgleich mit der Angabe von What Hi-Fi?.
Clearaudio Statement v2 – rund 160.000 Euro
Deutsche Ingenieurskunst, verpackt in splitterfestem Holz, das zwischen Aluminiumplatten eingebettet ist. Bis zu vier Tonarme lassen sich gleichzeitig montieren, falls einem einer nicht reicht. Der hauseigene Tangentialarm Statement TT1 v2 kostet allein noch einmal rund 33.500 Euro obendrauf – quasi ein Kleinwagen als Zubehörteil. Statt eines Luftlagers schwebt der Teller hier magnetisch, was ihn von der Konkurrenz unterscheidet.
Audio Consulting R-evolution Meteor – rund 152.000 Euro
Dieses Laufwerk fängt sein Leben als Baum an. Ein einziger Stamm, mindestens 20 Jahre getrocknet, dann zwei Wochen Handarbeit an der Oberfläche. Batteriebetrieben, damit keine Netzstörung das Signal versaut, gebaut als Zweikammer-Konstruktion gegen stehende Wellen im Korpus. Bis zu zwei Tonarme sind möglich, und falls Ihnen Naturholz zu bieder ist: Die Manufaktur liefert die Plattentellerfarbe auch in Ferrari-Rot.
Foto: Audio Consulting
Rossner & Sohn MOTT – bis zu rund 123.000 Euro
325 Kilogramm bringt die Topversion auf die Waage, plus pneumatische Nivellierung und Luftlager. Wer bestellt, braucht Geduld: rund sechs Monate Lieferzeit, jedes Gerät wird einzeln gefertigt. Eins steht fest: Das hier ist kein Laufwerk für Ungeduldige.
OneDof One Degree – rund 123.000 Euro
Entworfen wurde das gute Teil von einem ehemaligen NASA-Ingenieur, was man dem Gerät ehrlich gesagt auch ansieht. Die Flüssigkeitslagerung soll laut Hersteller sämtliche Resonanzen eliminieren, das Chassis ist mit 24-karätigem Gold beschichtet. Mit 23 Kilogramm gehört es dabei noch zu den Leichtgewichten dieser Liga – fast schon tragbar, im Vergleich.
Basis Audio Work of Art – rund 123.000 Euro
Ein eingebautes Vakuumsystem saugt die Platte auf den Teller, so fest, dass laut Hersteller sogar verzogene Platten wieder plan werden. Ob das physikalisch jedes Mal so glatt funktioniert, wie es sich anhört, sei dahingestellt – die Idee ist trotzdem clever.
Foto: Basis Audio
Transrotor Artus – rund 165.000 Euro
Kardanische Lagerung sorgt dafür, dass der Teller unabhängig vom Untergrund immer waagerecht bleibt, angetrieben berührungslos über ein Magnetfeld. Gewicht: eine Vierteltonne. Zum Umstellen braucht man vermutlich zwei Personen und einen Rückenschutz.
J.C. Verdier La Platine Magnum – rund 111.000 Euro
Dreißig Jahre Entwicklungszeit des französischen Konstrukteurs J.C. Verdier stecken in diesem Gerät. Der Plattenteller misst 50 Zentimeter im Durchmesser, die Basis ist massiver Granit, Gesamtgewicht 400 Kilogramm. Diskret ist hier nichts.
TechDAS Air Force One – rund 87.750 Euro
Das günstigste Modell dieser Liste – wobei „günstig" hier natürlich relativ zu verstehen ist. Luftlager für den Plattenteller, Luftfederung für das ganze Chassis, dazu ein Vakuumsystem, das verzogene Platten vor dem Abspielen glattzieht. Japanische Präzisionsarbeit, bei der nichts dem Zufall überlassen bleibt.
Ein Blick zurück: der frühere Rekordhalter
Bevor der Derenville VPM den Titel übernahm, war es der australische Continuum Caliburn, der offiziell als teuerster Plattenspieler der Welt galt – so verzeichnet im Guinness-Buch der Rekorde, mit einem Preis von rund 112.000 US-Dollar für das Laufwerk plus weiteren 12.000 Dollar für den Tonarm. Sein Markenzeichen: ein magnetisches Lager, das den 40 Kilogramm schweren Plattenteller praktisch schwerelos in der Luft schweben lässt, dazu eine Vakuumpumpe, die die Platte während des Abspielens festhält. Der Eintrag stammt aus dem Jahr 2007 und dürfte inzwischen überholt sein, zeigt aber, wie sehr sich die Preisspitze in den vergangenen knapp zwanzig Jahren nach oben verschoben hat.