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Adam Lambert fühlt sich auf den unterschiedlichsten Bühnen zu Hause: Als Nachfolge-Frontmann der britischen Rocklegenden Queen bringt er die größten Arenen der Welt zum Mitsingen, bei seinen Soloshows verwandelt er ausverkaufte Konzerthallen in bouncende Großraum-Dancefloors, und als Theaterschauspieler fesselt er das Publikum mit seiner intensiven Stage-Performance. Nachdem er zwei Jahre lang am New Yorker Broadway zu erleben war, beginnt der US-Amerikaner nun mit seinem neuen Album das nächste Kapitel.
Kurz und knapp Adam hat der Musiker und Schauspieler sein neues Studioalbum benannt, das für den 44-Jährigen vor allem Selbstdefinition, Veränderung, persönliches Wachstum und stilistische Experimentierfreude verkörpert. Ein Album, mit dem Adam Lambert nun einen Lebensabschnitt abschließt, um einen neuen zu beginnen. Er ist von der amerikanischen Westküste nach New York City gezogen, hat er sich von seinem Partner getrennt und auch direkt gleich mit allem übrigen Ballast aufgeräumt, den er in den letzten Jahren mit sich herumgetragen hatte; materiell wie auch mental. Eine neu entdeckte Freiheit, die Lambert in einem clubtauglichen Mix aus Electronica, Alternative Rock und Glampop Noir verarbeitet hat.
Adam, eine neue Stadt, ein neuer Beziehungsstatus und ein neues Album – klingt wie ein ganz neues Leben!
So fühlt es sich auch an! Wir alle verändern uns ständig; diese Veränderungen habe ich auf der neuen Platte festgehalten. Sie zeichnet meinen Weg während der letzten paar Jahre bis heute nach. Nachdem ich lange Zeit in Los Angeles gelebt habe, bin ich kürzlich in den Big Apple gezogen. Eine City mit einem ganz anderen Rhythmus. Außerdem komme ich gerade aus einer Partnerschaft und finde mich so langsam wieder ins Single-Dasein zurück. Viele der neuen Songs handeln vom Verhältnis zu meinem Ex-Lover, von meinem Verhältnis zur Außenwelt und natürlich auch vom Verhältnis zu mir selbst.
Eine Selbstbespiegelung, mit der du dich selbst hinterfragst?
Ich habe versucht, meinen Platz in dieser Welt zu verorten. Persönlich und auch musikalisch. Früher habe ich penibel darauf geachtet, den Leuten nur meine Schokoladenseite zu präsentieren und im besten Licht dazustehen. Doch je älter ich werde, desto mehr lerne ich, mich so anzunehmen, wie ich bin. Meine Stärken ebenso wie meine Schwächen und meine Fehler. Wie meine Unordentlichkeit oder mein exzessives Doomscrolling. Ich bin zwar noch nicht ganz da angekommen, wo ich hin will, aber ich arbeite daran.
Zumindest bist du erstmal in New York angekommen. Hat der Vibe der Stadt auch die neuen Tracks inspiriert?
Zu einhundert Prozent! New York ist sehr intensiv und voller Reibung. Diese Atmosphäre hat definitiv die Energie dieses Albums beeinflusst. Der Song Rat City handelt ganz konkret von meinem neuen Zuhause. Nach dem Ende meiner Beziehung war es höchste Zeit, die Zelte in Los Angeles abzubrechen und etwas Neues zu beginnen. In diesem Lied spreche ich von L.A. wie über einen Verflossenen. Und über mein Verlangen nach neuen Erfahrungen. Natürlich hat diese Stadt auch eine dunkle Seite, genauso wie L.A. Aber mich hat schon immer der Reiz der Gefahr angezogen. Gerade das macht New York für mich so sexy.
Diese Sexiness hast du auf Adam in einer dunklen Erotik kanalisiert. Schon die erste Vorabsingle Eat U Alive wirkt wie ein vampiraler Dance-Track zwischen Goth-Club, Darkroom und Herrensauna...
Er ist sehr sexuell und auf eine archaische Art leidenschaftlich. Und eine sehr gute Möglichkeit, die Leute in meine neu erschaffene Klangwelt zu entführen. Meine früheren Alben waren sehr clubbig und Dance-orientiert. Die neue Platte ist von der BPM-Zahl ein wenig langsamer, trotzdem kann man sich sehr gut zu ihr bewegen. Musik, um sich selbstbewusst in Pose zu werfen und die ganze Welt zu seinem ganz persönlichen Runway zu machen. Bei Tag oder bei Nacht. Die Songs sind metallisch, auf gewisse Weise aggressiv und sehr, sehr heavy. Ich habe mich auch vom Architekturstil des Brutalismus inspirieren lassen: große, monolithische Strukturen. Genauso fühlt sich dieses Album für mich an!
Manche Songs wirken wie ein Soundtrack fürs Berghain. Oder für die Schlachthaus-Szene am Anfang von Blade: Vampire unter der Blutdusche!
Könnte sein. Die Songs sollten ein gewisses Film-Noir-Feeling und eine Theatralik transportieren. Anfang der 2000er habe ich tatsächlich eine Zeit lang in Berlin gelebt. Wobei ich leider zugeben muss, dass ich damals nie im Berghain war. Dafür war ich oft im KitKat-Club. Dort habe ich vieles erlebt, was völlig neu für mich war... (lacht) Berlin und New York haben viel gemeinsam.
Was denn?
Das Chaos und diese rauen, schmutzigen Seiten. Früher habe ich in den Hollywood Hills in einer ruhigen, fast langweiligen Gegend gewohnt. Heute lebe ich in Down Manhattan auf der Lower East Side, die mich ein bisschen an das frühere Kreuzberg erinnert. Hier gibt es noch wirklich punkige Ecken mit viel Graffiti. Und man begegnet vielen interessanten Menschen. New York scheint in vielen Leuten den Drang herauszukitzeln, sich möglichst radikal auszuleben und den inneren Freak von der Leine zu lassen. Ich genieße dieses Umfeld und fühle mich hier extrem wohl.
Auch du bist für deine exzentrischen Outfits bekannt!
Ich liebe es, mich richtig aufzubrezeln. Es wäre ein echter Horror, mich ohne Make-Up und Schmuck zu zeigen, als wäre ich morgens einfach ungeschminkt in einem weißen T-Shirt aus dem Bett gefallen. Booooooring! Was meinen Look angeht, bin ich Maximalist.
Auch stilistisch gibst du dich auf neuen Songs wie Necklace, Rage oder Sanity sehr maximalistisch und hast dich diesmal vom Alternative Rock und Electronica der 1990er Jahre und frühen 2000ern beeinflussen lassen...
Gerade in den 90ern ist so viele tolle Musik rausgekommen, zu der sich auf der neuen Platte Referenzen finden lassen. Electronica war damals ein völlig neues Genre, das elektronische Einflüsse mit einem Rock-Spirit verband. Bands wie Daft Punk, die Chemical Brothers oder Massive Attack haben das perfekt verkörpert.
Und offensichtlich auch ATC mit Around The World (La La La La La), das du in deinem Song Under The Rhythm aufgreifst. Ernsthaft: Eurodance?
Ich habe Eurodance-Bands wie Snap oder Ace Of Base geliebt! Irgendwann schwappte dieses Dance-Pop-Ding aus Europa zu uns in die Staaten rüber. Zuerst war es nur hier und da zu hören. Diese ikonische Melodie von Around The World ist einfach ein Ear-Catcher. Als wir an meinem Song arbeiteten, erinnerte mich die Melodie extrem an ATC. Also haben wir wir diesen Part noch ausgebaut. Ich habe mich schon immer von vielen verschiedenen Genres inspirieren lassen. Für mich gibt es keine Grenzen zwischen den Stilen.