The Hu

Interview mit The Hu: „Wir pflegen das nomadische Erbe unserer Kultur“

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Mit Hun legen die mongolischen Musikbotschafter von The Hu ein weiteres erstaunliches Abum vor. Es verwebt die Kraft des Heavy Metal mit der melancholische Anmut der traditionellen mongolischen Musik und charakteristischem Kehlkopfgesang. Und erzählt Geschichten von Frieden, Fremde und Heimat.

The Hu sind nicht irgendeine weitere beliebige Band, die Metal und Rock mit traditionellen Elementen verwebt. Die Mongolen sind kulturelle Botschafter ihres Landes, ausgezeichnet von der UNESCO und weltweit mit einer besonderen Mission unterwegs: Das reiche Erbe ihres Landes zu pflegen und zugleich die Verbundenheit aller Kulturen zu betonen. Dass sie dabei viel unterwegs sind, ist manchmal schwer für sie – doch als Nomadenkultur sind sie es irgendwie auch gewohnt, stetig umherzureisen.

The Hu im Interview

2026 feiert ihr euren zehnten Geburtstag. In dieser Zeit ist viel passiert: Ihr tourt um die Welt, spielt die größten Festivals, wurdet von der UNESCO zu Artists For Peace ernannt. Wie hast du das alles erlebt?

Ich hatte noch keine Gelegenheit, angemessen zurückzublicken. Wir haben seit 2016 konstant Gas gegeben und werden wohl so schnell nicht damit aufhören. Wir haben viele unglaubliche Dinge erlebt und sind dadurch zu der Band geworden, die wir immer sein wollten.

Wie erfüllt ihr den Anspruch, nicht nur eine Band, sondern zugleich kulturelle Botschafter eures Landes und eurer Kultur zu sein?

Als Bürger der Mongolei ist es uns eine große Ehre, unsere Kultur mit der ganzen Welt teilen zu können. Diese Rolle als Botschafter nehmen wir sehr ernst. Uns ist klar, dass nicht vielen eine solche Möglichkeit zuteil wird. Also wollen wir sie bestmöglich nutzen.

„Dadurch, dass wir viele neue Kulturen kennenlernen, verstehen wir unsere eigene besser“

Was haben eure Reisen durch all die unzähligen Länder mit dir gemacht? Inwiefern haben sie deinen Blick auf deine Heimat verändert?

Wir Mongolen sind eine nomadische Kultur, eine der letzten der Welt. Ich kenne das Nomadenleben, ich kenne aber auch das sesshafte Leben. Schon vor The Hu war ich viel auf Reisen und habe viele gesellschaftliche Unterschiede erlebt. Gewisse Annehmlichkeiten würde ich mir durchaus auch zuhause bei uns wünschen, doch je mehr Länder wir bereisen, desto mehr Gemeinsamkeiten fallen uns auf. Dadurch, dass wir viele neue Kulturen kennenlernen, verstehen wir unsere eigene besser.

„Die Vergangenheit ist eine Lehrerin“

Hast du häufig Heimweh?

Das kommt oft vor, natürlich. Erst kürzlich hatten wir einen Pressetermin in London und besuchten die Royal Guards. Sie erkannten uns und führten uns sogar zu ihren Stallungen. Inmitten dieser wunderbaren Pferde hatte ich plötzlich schreckliches Heimweh.

In der Mongolei spielen Tradition und Vergangenheit eine deutlich zentralere Rolle als in Westeuropa. Was können wir aus der Vergangenheit für unsere Gegenwart oder vielleicht sogar für unsere Zukunft lernen?

Es klingt zwar ein bisschen wie ein Klischee, aber die Vergangenheit ist eine Lehrerin. Sie kann als Leitfaden dafür dienen, welche Fehler es zu vermeiden gilt. Als Menschen neigen wir dazu zu glauben, dass gerade jetzt die schwierigste Zeit ist und dass gesellschaftliche Probleme oder andere Schwierigkeiten, denen wir begegnen, etwas ganz Einzigartiges sind. Doch im großen Ganzen betrachtet hatten alle Menschen in der Vergangenheit im Grunde genommen dieselben Probleme. Und wir können sie nur mit Geduld und Zusammenhalt überwinden.

„In der Mongolei prallen Tradition und Moderne aufeinander“

Welche Rollen spielen die Traditionen deiner Heimat in deinem täglichen Leben?

In der Mongolei prallen Tradition und Moderne aufeinander. Ullaanbaatar ist eine Millionenstadt, in der sehr viel passiert, doch 50 Kilometer außerhalb findest du nur unberührte Natur, keine Straßen, keine Strommasten. Ich halte es für wichtig, dass sich unser Land entwickelt, aber es darf nicht zu schnell und um jeden Preis sein. Da spielt Tradition eine große Rolle. Wir müssen das Gleichgewicht aufrechterhalten. Unsere Vorfahren waren die ursprünglichen Naturschützer. Wir haben bis heute eine ganz eigene Art, die Natur zu verstehen. Das dürfen wir niemals verlieren.

Das Foto zeigt die Band The HU bei einem Live-Auftritt.
Photo by Joseph Okpako/WireImage

Inwiefern prägt dieses Denken auch eure Musik und euer neues Album Hun?

Um über das dritte Album zu sprechen, muss ich über alle drei sprechen. Auf dem ersten Album haben wir im Grunde eine Einführung gegeben: Wer wir sind und was wir tun. Auf dem zweiten Album mussten wir beweisen, dass wir nicht nur eine Eintagsfliege sind und dass wir den mongolischen Aspekt unserer Musik sehr ernst nehmen. Das dritte Album ist nun so etwas wie eine Bestätigung all dessen, was bisher war. Alle drei Platten zeigen unsere tiefe Verbundenheit mit unserer Kultur. Ohne Tradition geht es also auch bei The Hu nicht.

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