{ $store.headerGroupManager.updateMeasurements() })" :class="{ '' : searchBarOpen , 'hidden' : !searchBarOpen }"
@keydown.escape="searchBarOpen = false; $nextTick(() => { $store.headerGroupManager.updateMeasurements(); setTimeout(() => $refs.searchToggle.focus({ focusVisible: true }), 10) })"
id="header-search-dropdown"
>
Ein Tonstudio ist mehr als ein Raum mit einem großen Mischpult, ein paar Mikrofonen und dämpfenden Schaumstoffplatten an den Wänden. Im besten Fall sind Studios dreierlei zugleich: Sie sind Instrumente, weil der Raum selbst einen riesigen Einfluss auf den Sound, auf den Vibe einer Aufnahme hat. Sie sind Inspiration, weil zwischen ihren Wänden eine Atmosphäre entsteht, die Künstler:innen zu Dingen treibt, die sie anderswo nie gewagt hätten. Und sie sind Mythologie, weil sich an solchen Orten Geschichten verdichten, bis der Name des Studios selbst zum Versprechen wird. Wer Abbey Road sagt, meint nicht nur eine Adresse in London, sondern ein ganzes Kapitel Popgeschichte. Die folgenden zehn Tonstudios haben den Sound des 20. Jahrhunderts geprägt, und ihr Mythos schwingt bis heute mit.
1. Abbey Road Studios, London
Klar, das mit dem Zebrastreifen und den vier Jungs, die drüber gehen. Aber die eigentliche Geschichte spielt sich hinter der Fassade ab. Schon 1931 dirigierte hier Edward Elgar Land Of Hope and Glory, doch zur Kathedrale der Popmusik wurde das Haus erst, als die Beatles zwischen 1962 und 1970 in Studio Two praktisch ihr gesamtes Werk aufnahmen und dabei jede Regel des Aufnehmens neu erfanden: Rückwärtsbänder, Vari-Speed, Tonband als Instrument. Sie tauften 1969 sogar ihr Album Abbey Road nach der Straße, das Studio übernahm den Namen erst danach im Jahr 1976. Zuerst hieß es schlicht EMI Studios. Wenn es einen heiligen Gral der Tonstudios gibt, dann steht er hier.
2. Sun Studio, Memphis
Ein Ladenlokal an der Union Avenue, kaum größer als ein Wohnzimmer, und trotzdem der Urknall des Rock’n’Roll. Sam Phillips nahm hier zu Beginn der Fünfzigerjahre Schwarze Bluesgrößen wie B. B. King und Howlin’ Wolf auf, weil ihm kaum jemand sonst zuhörte. 1951 entstand mit Rocket 88 eine der ersten Aufnahmen, die als Rock-’n’-Roll-Single gelten. Und dann, 1954, stand da dieser schüchterne Lkw-Fahrer, stimmte fast beiläufig That’s All Right an, und Phillips wusste: Das ist er, dieser Klang, nach dem er gesucht hatte. Elvis, Cash, Perkins, Jerry Lee Lewis, sie alle gingen durch diese eine Tür.
3. Hitsville U. S. A., Detroit
Man stelle sich vor: ein normales Wohnhaus, Berry Gordy oben mit seiner Familie, unten im Keller ein Studio, das die Musiker:innen liebevoll „the snake pit“ nannten. 300 Dollar Anzahlung, mehr brauchte es 1959 nicht, um Popgeschichte zu schreiben. Gordys geniale Idee war industriell gedacht: Er organisierte sein Label wie Fords Fließband, mit festen Songschreibern, einer eingespielten Hausband und Betrieb fast rund um die Uhr. Heraus kam der Motown-Sound, dieser unwiderstehliche Groove von The Supremes, Marvin Gaye, Stevie Wonder und The Temptations, der die Rassentrennung der Charts aufbrach und Schwarze Musik ins Herz des amerikanischen Mainstreams pflanzte. Heute erinnert das Motown Museum daran.
Der Sound von Motown auf Vinyl:
4. Chess Records, Chicago
Hierher muss man, um zu verstehen, woher der Rock überhaupt kommt. In der 2120 South Michigan Avenue verwandelten die Brüder Chess ab 1957 den elektrischen Chicago Blues in seine endgültige, verstärkte, dreckige Form. Muddy Waters, Howlin’ Wolf, Willie Dixon, Little Walter, Bo Diddley, und mittendrin Chuck Berry, dessen Gitarrenriffs den halben Rock’n’Roll vorwegnahmen. Kein Wunder, dass die jungen Rolling Stones 1964 wie Pilger nach Chicago reisten, um an diesem geweihten Ort aufzunehmen, und einen Titel schlicht 2120 South Michigan Avenue nannten. Ohne diese Adresse gäbe es weder Stones noch Led Zeppelin, wie wir sie kennen. Seit 1990 ist das Studio offizielles Chicago Landmark.
5. Stax Records, Memphis
Der Zufall als Klanggestalter: Weil Stax in einem alten Kino residierte, sorgte der abschüssige Zuschauerboden für einen ganz eigenen, warmen Nachhall, und genau der wurde zum Markenzeichen des Südstaaten-Soul. Gegründet 1957 aus dem Label Satellite, benannt nach Jim Stewart und seiner Schwester Estelle Axton, war Stax die rauere, schweißtreibendere Antwort auf das glatte Motown, mit der Hausband Booker T. & the M. G.’s und Stimmen wie Otis Redding, Sam & Dave und Isaac Hayes. Bemerkenswert für die Zeit und den Ort: Schwarze und weiße Musiker:innen arbeiteten hier selbstverständlich zusammen. These Arms Of Mine machte Redding zum Star, und Memphis zur Hauptstadt der Seele.
Der Sound von Stax auf Vinyl:
6. FAME Studios, Muscle Shoals
Das schönste Paradox der Musikgeschichte: In einem verschlafenen Nest in Nordalabama, umgeben von Feldern, entstand einer der begehrtesten Grooves der Welt. Rick Hall, der „Vater der Muscle-Shoals-Musik“, baute hier ein Studio, dessen Hausband, die legendären Swampers, so tief und erdig spielte, dass Stars aus den Metropolen anreisten. Aretha Franklin nahm 1967 hier I Never Loved A Man auf und wurde endgültig zur Queen of Soul. Als sich die Swampers 1969 selbstständig machten und nebenan das Muscle Shoals Sound Studio gründeten, kamen sogar die Rolling Stones vorbei. Lynyrd Skynyrd setzten der Gegend in Sweet Home Alabama ein Denkmal.
7. Capitol Studios, Hollywood
Manchmal ist das Gebäude selbst schon die Legende. Der runde Capitol Tower an Hollywood and Vine, das erste kreisrunde Bürohochhaus der Welt, sieht aus wie ein Stapel Schallplatten, und das ist durchaus Absicht. Das eigentliche Wunder steckt aber dreißig Fuß unter dem Parkplatz: acht trapezförmige Echokammern aus dickem Beton, die auf ein Konzept von Les Paul zurückgehen, mit bis zu fünf Sekunden Nachhall. Dieser samtige, schwebende Raumklang veredelte die eleganten Orchesteralben von Frank Sinatra und Nat King Cole. Von Frank Sinatra Conducts Tone Poems Of Color bis zu Billie Eilish reicht die Gästeliste. Capitol ist der Goldstandard des amerikanischen Pop-Sounds.
8. Van Gelder Studio, Englewood Cliffs
Die vielleicht unwahrscheinlichste Karriere von allen: Rudy Van Gelder war tagsüber Optiker und nahm abends im Wohnzimmer seiner Eltern Jazzplatten auf, mit einer Akribie, die alles veränderte. Dort entstand der berühmte Blue-Note-Sound, ehe Van Gelder 1959 in einen kapellenartigen Neubau mit meterhoher Decke umzog. Mit Nahmikrofonierung und obsessivem Perfektionismus gab er dem modernen Jazz eine Unmittelbarkeit, als säße man mitten im Ensemble. Für Blue Note, Prestige und Impulse! nahm er unzählige Meilensteine auf, allen voran John Coltranes spirituelles A Love Supreme, eingespielt in einer einzigen Session im Dezember 1964. Kein Ort prägte den Klang des Jazz stärker.
9. Electric Lady Studios, New York
Ein Traum, der beinahe zu spät kam. Jimi Hendrix, es leid, ständig fremde Studios mieten zu müssen, kaufte 1968 einen ehemaligen Club in Greenwich Village und ließ ihn zu einem der ersten speziell von einem Rockmusiker für seine eigenen kreativen Bedürfnisse konzipierten Tonstudios umbauen. Mit geschwungenen Wänden und psychedelischem Licht, entworfen von John Storyk, entstand ein Ort, der ebenso visionär war wie sein Schöpfer. Am 26. August 1970 feierte Hendrix die Eröffnung. Nur vier Wochen später war er tot. Sein Vermächtnis lebt weiter: Led Zeppelin, Stevie Wonder, David Bowie, die Rolling Stones und Patti Smith arbeiteten hier, später auch Daft Punk und Adele. Heute sind die Electric Lady Studios das älteste noch aktive Tonstudio New Yorks.
10. Hansa Tonstudio, Berlin
Kein Ort atmet den Kalten Krieg so hörbar wie dieser. Nur rund 150 Meter von der Mauer entfernt lag der hallende Meistersaal, den man treffend „Hansa by the Wall“ nannte. Hierher flüchtete sich David Bowie 1976 vor Los Angeles und seinen eigenen Dämonen, gemeinsam mit Iggy Pop, und fand im geteilten Berlin zu völlig neuer Musik. Mit Tony Visconti und Brian Eno entstanden Teile von Low und vor allem Heroes, dessen Titelsong vom Blick auf die Berliner Mauer und einer Szene vor den Fenstern des Studios inspiriert wurde. Später kamen U2 für Achtung Baby, dazu Depeche Mode und Nick Cave. Hansa klingt nach Beton, Spannung und Freiheit.