Nachruf: Horst Fascher, der Architekt des Hamburger Beatles-Wunders, ist tot

Das Foto zeigt Paul McCartney und Horst Fascher
Foto: Patrick PIEL/Gamma-Rapho via Getty Images
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Er brachte die Beatles in seinen Star-Club – und war daran beteiligt, dass aus einer beliebigen Beat-Band eine Weltsensation wurde. Es gibt aber auch eine andere, gewalttätige Seite. Jetzt ist der ambivalente Horst Fascher im Alter von 90 Jahren verstorben.

Am 13. April 1962 öffnet der Star-Club auf St. Pauli erstmals seine Pforten. „Treffpunkt der Jugend“ steht stolz auf dem neuen Club in der Großen Freiheit 39, zuvor flimmern hier Sexfilme im Stern-Kino über die Leinwand. Dass die Schmierfink-Streifen ausgedient haben, liegt an Horst Fascher. Der Musikmanager ist damals 26 Jahre jung und doch schon mit dem richtigen Näschen ausgestattet. Er wird Mitbegründer und Geschäftsführer des neuen Star-Clubs und wird somit durchaus ein Wegbereiter des Rock’n’Roll-Siegeszugs in Deutschland.

Horst Fascher: Anklage wegen Totschlags

Das hätte anders kommen sollen. Eigentlich will Horst Fascher Seemann werden, wie sein Vater vor ihm. Als er 1949 als Teenager einen Auftritt des Jazz-Musikers George Maycock und später auch Bill Haley live erlebt, merkt er aber immer mehr, wie sehr sein Herz für die Musik schlägt. Dennoch gibt es erst mal ordentlich aufs Maul: Von 1953 bis 1959 ist Fascher als Boxer aktiv, wird gleich 1953 Hamburger Meister im Federgewicht. Seine Karriere wird aber wenig rühmlich beendet, weil ein laufendes Verfahren wegen Totschlags gegen ihn läuft. Er soll im Streit um eine Frau einen Matrosen niedergeschlagen haben. Alltag auf St. Pauli, sagen die einen. Dennoch nicht gerade schön.

Die Beatles gastieren dreimal bei ihm

Es geht jedoch erst mal weiter für Horst Fascher. 1959 lernte er auf einer Wettkampfreise nach England Tony Sheridan kennen, holt ihn in den Hamburger Kaiserkeller (wo die Beatles auch spielten) oder ins Top Ten, wo Schacher ab Anfang der Jahre Geschäftsführer ist. Den Erotik-Zar Manfred Weissleder überredet er 1962 dann, eine seiner Porno-Flimmerbuden zu einem Musikclub umzugestalten. War damals eben das neue Ding auf St. Pauli.


Der Star-Club besteht nur sieben Jahre. Und ist dennoch reich an Legenden und infamen Mythen. So war er bis Juni 1964 zwar auch für Live-Musik bekannt, aber für seine prügelnden Kellner gefürchtet. Black Sabbath spielen hier noch unter dem Namen Earth, die Scorpions geben im Star-Club ihr allererstes Konzert. Zudem spielen hier The Animals, Chuck Berry, Jimi Hendrix, Cream oder Ray Charles. Weltweite Berühmtheit erhält der Star-Club aber natürlich, klar, vor allem durch die Gastspiele der Beatles. Dreimal gastieren sie im Club auf Hamburgs sündiger Meile, Horst Faschers Engagement in der ganzen Sache ist teilweise umstritten. Dennoch ist unbestreitbar, dass er sie verpflichtet und deswegen seinen Teil in der Beatlemania gespielt hat.


Das erste siebenwöchige Gastspiel der leidlich bekannten Beatles beginnt am 13. April 1962 und endet am 31. Mai 1962. Das zweite vom 1. bis zum 14. November 1962, bei dem sie 28 Konzerte geben. Zum dritten und letzten Mal treten sie vom 18. Dezember bis zum 31. Dezember 1962 auf. Fascher ist damals Fan der Band, freundet sich mit John Lennon ab. Als die Beatles erstmals nach Hamburg kommen, hält er aber reichlich wenig von ihnen. „Die schrammeln mir zu viel. Die kannst du vergessen“, soll er mal gesagt haben. Dennoch will er sie für seinen Club. Nicht, weil er Fan ist. Sondern weil er verhindern will, dass sie zur Konkurrenz ins Top Ten gehen. Brian Epstein soll folgendes zu ihm gesagt haben: „Ich habe mit den Jungs gesprochen und die haben gesagt, wenn Horst so was sagt, dann meint er das auch. Also haben wir uns entschlossen, wir kommen zu dir in den Star-Club.“


John Lennon grüßt ins Gefängnis

Die weitere Entwicklung des Star-Clubs bekommt Fascher nur durch schwedische Gardinen mit: 1965 muss er seine Haftstrafe antreten. Deswegen verpasst er auch den Auftritt seiner alten Kumpels 1966 in der Hamburger Ernst-Merck-Halle. Laut seiner Biografie hüpft er damals „am vergitterten Fenster hoch, um irgendetwas mitzukriegen“. John Lennon habe ihn von der Bühne aus aber gegrüßt.


Nach seiner Entlassung reist Horst Fascher mit Tony Sheridan nach Vietnam, wo er die amerikanischen GIs musikalisch unterhält. Dort lernt er auch seine spätere Frau Enry kennen, die irgendwann Sängerin bei den Les Humphries Singers wird. Hamburg lässt ihn aber nicht los: 1976 eröffnete er den Star-Club II am Hamburger Großneumarkt. Doch obwohl Ringo Starr und Tony Sheridan zur Eröffnung kommen, läuft der Club nicht. Später verdingt er sich als Musikpromoter und veröffentlicht 2006 seine Autobiografie Let The Good Times Roll!

 

Am 31. Oktober 2026 stirbt Horst Fascher im Alter von 90 Jahren.

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