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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Eigenlob: Die besten self-titled Alben aller Zeiten

Die Selbstbetitelte hat in jeder Diskografie einen besonderen Stellenwert. Nicht immer wird sie automatisch zum Glücksfall, manchmal sogar zum Reinfall. Diese zehn Platten tragen den Namen ihrer Erschaffer:innen wie stolze Insignien – und nehmen einen Sonderrang in ihrer musikalischen Vita ein.

Die besten self-titled Alben für Zuhause:

Kommt sie überhaupt? Und wenn ja: Wann? Gleich als Debüt? Oder vielleicht besser als Comeback nach einer langen Pause? Fest steht: Jede Band denkt extralange darüber nach, ehe sie einem Album den eigenen Namen verleiht. Die Erwartungen sind eben gleich ganz andere. Diese zehn self-titled Alben erfüllen diese Erwartungen nicht nur. Sie übertreffen sie.

The White Stripes (1999)

„Ich habe immer noch das Gefühl, dass wir unser erstes Album nie übertroffen haben. Es ist die roheste, kraftvollste und am meisten nach Detroit klingende Platte, die wir je aufgenommen haben.“ So sagte Jack White mal über das Debüt der White Stripes. Die Platte ist hitziger, mitreißender Garage Rock, trunken vom Schmutz Detroits und dem Schlamm des Mississippis. Dieser Höllenblues voller Furor, Energie und Rotz mag anfangs nicht mal besonders erfolgreich gewesen sein, weil er bei einem kleinen Label erschien; er fängt jedoch bis heute die rohe Essenz dieses unglaublichen Duos ein.

Fleetwood Mac (1975)

Wenn überhaupt, dann gönnen sich herkömmliche Bands ein selbstbetiteltes Album in ihrer Karriere. Fleetwood Mac sind aber keine herkömmliche Band. Deswegen gibt es sieben Jahre nach dem selbstbetitelten Erstling noch mal ein Fleetwood Mac. Und was für eins: Die Königinnen und Könige des Roadtrip-Rocks begrüßen Stevie Nicks und Lindsey Buckingham in ihren Reihen, was neben unzähligen unsterblichen Klassikern auch zu einem epischen Rosenkrieg führte. 1975 ist davon noch nichts zu spüren: Rhiannon und Landslide allein machen das Album zum Klassiker, in den USA gibt es dafür neunfach Platin.

The Doors (1967)

Plötzlich waren sie da: Nur wenige Debütalben haben so große Wellen geschlagen wie die selbstbetitelte LP von Jim Morrison und The Doors aus dem Jahr 1967. Als eines der Alben, denen die Auslösung der Gegenkulturrevolution zugeschrieben wird, verwandelt sich The Doors in das Aushängeschild des Summer Of Love, der in diesem Jahr von Kalifornien aus die Welt erobert. Break On Through, Light My Fire und The End auf einem Debütalbum zu haben, dürfte zudem die so ziemlich frechste frühe Zurschaustellung von Talent sein, die der Rock’n’Roll erlebt hat.

Black Sabbath (1970)

Das Album, das der Welt das Fürchten lehrte: Aufgenommen an nur einem Tag, zerrissen und verspottet von der Kritik – und doch seit Jahrzehnten das Referenzwerk für Heavy Metal und Doom. Harte Rockmusik klang nie zuvor so bedrohlich, so düster, so… gefährlich. Und ist 1970 definitiv zu viel für die meisten. Wenig später schon sprießt aus der Saat dieses Albums aber eben ein ganzes Genre und eine ganze Heerschar an Bands, die durch Black Sabbath auf den Geschmack gekommen ist.

Rage Against The Machine (1992)

Noch ein Debüt, noch so ein Werk voller Furor. Rage Against The Machine wissen schon in jungen Jahren ganz genau, was sie wollen, und veröffentlichen mitten im aufkommenden Grunge-Boom ein politisches Manifest, das Blasen schlägt und sich vor Wut selbst entzündet wie der Mönch auf dem ikonischen Cover. Und wer mit Singles wie Killing In The Name oder Bullet In The Head in den Ring steigt, der muss sich eh um gar nichts mehr Gedanken machen. Bis heute eines der wichtigsten und intensivsten Debütalben aller Zeiten.

The Velvet Underground & Nico (1967)

„Das erste Album von Velvet Underground verkaufte sich zwar nur 10.000 Mal, aber jeder, der es kaufte, gründete eine Band“, sagte Brian Eno mal. Muss man mehr wissen? Eigentlich nicht. Aber es macht so Spaß, über dieses wahnwitzige Album, über dieses vielleicht sogar beste Debüt aller Zeiten zu schreiben. Dazu zählt auch das gewagte Albumcover vom de facto-Manager der Band, Pop-Künstler Andy Warhol. Aber natürlich vor allem diese Songs, die es irgendwie schaffen, zwischen Selbstdarstellung und Genialität, zwischen rauschhaftem Rock und transzendenter Mystik zu balancieren. Obwohl das überhaupt nicht wie der spätere Punk klang, war es doch irgendwie Punk durch und durch. Und tausend andere Dinge auch.

Gorillaz (2001)

Etwas wirklich, wirklich Neues gibt es in der Musik nur selten. Viel wird als revolutionär verkauft, ist beim näheren Hinhören dann aber doch wieder nur ein Aufguss alter Tugenden. Das im positivsten Sinne wahnsinnige Debüt der Gorillaz verdient diese Zuschreibung allerdings mit jedem Ton. Was als bloßes Nebenprojekt von Damon Albarn von Blur gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem Phänomen, das als größte Cartoon-Band aller Zeiten die Welt erobert. Dieses Album schafft 2001 im Alleingang alle Genres ab, wirft jeden erdenklichen Musikstil in einem Topf und köchelt daraus einen elektrisierenden, kosmopolitischen Eintopf, der durch und durch neu ist.

The Beatles (1968)

Hier mal wieder ein Beispiel für ein selbstbetiteltes Album, das nicht am Anfang einer Karriere steht. Sondern fast am Ende. The Beatles, das weiße Album, ist ein von inneren Zwistigkeiten, Problemen und Orientierungslosigkeit geprägtes Werk, bei dem die Beatles nicht als Einheit, sondern im Grunde als Solokünstler im selben Studio agieren. Absichtlich oder unabsichtlich kreieren die Fab Four damit ein unerreicht vielschichtiges, faszinierendes Werk, das wieder mehr zu den Ursprüngen zeigt und trotz der Tumulte mehr Lieder für die Ewigkeit enthält als die meisten Bands selbst in Friedenszeiten zu schreiben in der Lage wären.

Placebo (1996)

Während die Band den 30. Geburtstag ihres Debüts mit einer neu aufgenommenen Version und einer großen Tournee vorbereitet, hat das ursprüngliche Werk nichts von seiner fiebrigen Intensität verloren. Brian Molko spielt und singt um sein Leben, vertont Angst, Depression, Lust und Scham zu einem sinnlichen, zerfetzenden Cocktail aus Alternative Rock, Pop und Sex.

The xx (2009)

Selten haben schon die ersten Töne des ersten Songs eines ersten Albums ausgereicht, um Geschichte zu schreiben, eine Band zum Phänomen zu machen und ein massives Indie-Revival einzuläuten. Selbiges gelingt The xx 2009 mit ihrem Intro, das ein etwas beliebig gewordenes im Alleingang wieder aufregend macht. Jamie xx, Romy Madley Croft und Oliver Sim liefern ein Album ab, das voller zukünftiger Klassiker ist und den Siegeszug des elektronischen Indie einläutet. Noch heute weiß jeder, der damals schon dabei war, wann, wo und mit wem er oder sie die unvergessenen melancholischen Töne des Intros gehört hat.

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