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Foto: Alex Black

Bunte Popwelt: Mika feiert mit „Hyperlove“ sein großes Comeback

Mika hat nach vielen Jahren wieder ein englischsprachiges Album mit einer großen Pop-Welt erschaffen. Aber klingt er noch so bunt wie früher? Wie fühlt sich die Hyperlove an – und was ist das überhaupt? Wir haben reingehört.

Hyperlove – was ist das denn für ein Wort? Es vermischt etwas so Urtümliches wie Liebe mit dem überdrehten, modernen, technologischen Touch, der mittlerweile dem Wörtchen „hyper“ anhängt. Und genau das ist beabsichtigt: Auf diesem Album soll es um die Spannung zwischen der digitalen Welt und der Zerbrechlichkeit menschlicher Gefühle gehen. „Wir haben unsere innere Mythologie – Fantasie, Verlangen, Bedürfnis. Aber diese Fantasie lebt gegen eine riesige Maschine: Technologie, Gemeinschaft, Realität selbst. Hyperlove ist die Elektrizität zwischen ihnen“, erklärt Mika über sein erstes englischsprachiges Album seit 2019.

Mika fürs Plattenregal:

Eine melodische Zeitreise

Im Gegensatz zur Thematik fällt der Hintergrund des Albums gar nicht so digital aus. Motiviert durch die Erfahrung, an einem Orchester-Projekt gearbeitet zu haben, beschloss Mika: Sein neues Album wollte er nur am Klavier schreiben und später mit Analog- und Vintage-Equipment aufnehmen. So wurden die Songs zum einen sehr melodisch, weil sie sich nicht von Anfang an auf die Sounds konzentrierten. Catchy Refrains gibt es hier also genug. Zum anderen klingt das Album dadurch nicht nach einem erwartbaren Pop-Album im Jahr 2026 – oder nach einem Mika, der in den 2000ern steckengeblieben ist.

Für die Produktion ist Nick Littlemore verantwortlich, der unter anderem Teil von Empire Of The Sun ist, und diesen Stil kann man hier auch erkennen. Da er bereits auf Mikas Album The Origin Of Love an den Reglern saß, wissen diese beiden, wie sie gemeinsam den richtigen Sound finden.

Moderne EDM-Elemente gibt es, aber auch Exkursionen in 80er-Synths und Melodien, die noch älter daherkommen. Hyperlove beginnt das Ganze als simple Klavierballade, die man gar nicht einer bestimmten Zeit zuordnen könnte, die dann aber durch eine hochgepitchte und mit Autotune versetzte Stimme klar in das digitale Zeitalter geschoben wird. Modern Times sozusagen, wie der Titel des nächsten Songs, der mit einem fetten Bass und lebendiger Percussion die Dynamik anhebt – Aufbruchsstimmung.

Verspielt und schwebend

Mikas Stimme scheint keinerlei Anzeichen von Alter zu zeigen, sie ist immer noch so glasklar und vielseitig wie zu Zeiten von Grace Kelly. In Excuses For Love präsentiert er seine charakteristische Kopfstimme und klont sich in Chöre aus vielen kleinen Mikas im Hintergrund. Die Hook von Spinning Out geht wiederum in seine tiefere Range, macht aber Sprünge, die zu Mikas typischer Verspieltheit passen. Generell ist eine Sache, die seine Musik und insbesondere seine Stimme schon immer ausgezeichnet hat, ein Gefühl von unschuldiger Erstauntheit, lebensbejahender Energie und einer Dosis Mysterium.

Ein Highlight, das insbesondere diesen mysteriöseren Aspekt betont, ist Dreams. Der Synth-Pop-Groove geht in eine düsterere Richtung, über dem der Gesang schön vor sich hin schwebt. Auch das darauffolgende Science Fiction Lover fühlt sich ähnlich schwerelos an und ist ebenso gut, zwar weniger düster, aber strahlend und ohrwurmig.

Zwischen manchen Songs gibt es Interludes, an denen sich die Geister scheiden werden. Sie vermitteln Werte und Lebensgefühle, die Mikas Welt der Hyperlove bestimmen, und fügen so das Album klarer zusammen. Andererseits sind sie mit Filmemacher John Waters als Radiosprecher des imaginären Senders „mika.fm“ schon ziemlich drüber geraten und könnten das Album für ungeduldige Ohren etwas in die Länge ziehen.

Kein Album ohne Hund

Im letzten Drittel schleppt Nicotine ein wenig vorhersehbar daher, was aber Eleven mit einer wesentlich mitreißenderen Anspannung wieder herausholt. Zum Schluss verabschiedet Mika sich in Immortal Love mit einer Ode an eine besondere Begleiterin: seine 15-jährige Golden-Retriever-Dame. „Mir wurde klar, dass ich ohne sie keine einzige Platte gemacht habe“, so Mika. „In ihrer Energie habe ich etwas Unsterbliches gespürt. Das musste ich ehren.“

Auch 20 Jahre nach seinem Durchbruch bleibt Mika in der Pop-Welt ein Künstler, dessen Stil man klar heraushört. Schrill und wach klingt er auf Hyperlove immer noch, aber auch bedacht und gefühlvoll. Fans der ersten Stunde sowie Freund:innen bunter Pop-Welten kommen also wieder auf ihre Kosten.

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