Es muss ja nicht immer alles tiefgründig sein: Mit ihrem neunten Album It’s Not That Deep zeigt Superstar Demi Lovato ihre wiedergefundene Liebe zu ansteckendem, großem, horny Dance-Pop.
Man kann es kurz machen: Ja, vielleicht liefert Demi Lovato mit It’s Not That Deep einfach das Album, das wir derzeit am meisten brauchen. Alles ist schwierig, die Weltlage eine Katastrophe, das Wetter schlecht. Da tut es doch gut, all das einfach mal zu vergessen. Auch wenn es nur eine halbe Stunde ist. Abschalten, noch einen Drink nehmen und einfach auf die Tanzfläche gehen. Rumknutschen vielleicht auch.
Ein Album für lange Nächte
Man kann das Album, immerhin das neunte des Superstars, daher auch als musikgewordenen Eskapismus begreifen, ein gezielt euphorisierendes Statement für die Simplizität des Pop. Es muss nicht immer tiefgründig sein, sagt sie – und legt die passende Musik dazu vor. „In meiner Vergangenheit habe ich oft kathartische Musik über schwere Themen geschrieben, die ich verarbeiten musste. Als ich dieses Mal wieder ins Studio ging, fanden diese Songs einfach keinen Anklang mehr, weil ich mich nicht mehr in dieser Lebensphase befinde“, sagt die 33-Jährige in einer Erklärung. „Ich bin glücklich, ich bin verliebt und ich möchte einfach nur das Leben genießen und Spaß haben. Mir wurde klar, dass es nicht mehr so tiefgründig ist, und das wurde zum Leitmotiv dieses Albums. It’s Not That Deep ist für lange Nächte und Tanzflächen gedacht, und ich kann es kaum erwarten, dass ihr alle mit mir tanzt.“
Demi Lovato im Circle Store:
Ist die Ära der Sad Girls vorbei?
Ja, was ist denn plötzlich mit allen los? Erst Taylor Swift und jetzt auch noch Demi Lovato? Ist die Ära der Sad Girls vorbei? Scheint so. Was aber eben nicht vorbei ist, ist die Brat-Ära. Die Zeit der horny Popmusik, die unapologetisch davon handelt, was man will und mit wem man das will. Die offensichtlichsten Bezugspunkte für Demi Lovatos neues Album sind daher auch Katy Perrys 143 und Charli xcxs Brat – ein vielleicht etwas vorhersehbares, aber einfach umwerfendes Hyperpop-Album, das nicht vor der ganz großen Geste zurückschreckt. Wenn sie nach ihren Ausflügen in rockige Gefilde schon ins Pop-Nest zurückkehrt, dann eben mit Pauken und Trompeten.
Bei elf Songs in rund 30 Minuten dürfte außerdem klar sein: Hier sitzt jeder Ton. Hier ist nichts dem Zufall überlassen. Banger wie Little Bit sind glitchiger Hyperpop in Bestform, während Frequency den Pop der 2010er Jahre feiert und In My Head schlichtweg mitreißender Snynth-Pop in Perfektion ist. House, EDM, Dance, flirrende Synthesizer und prägnante Beats bestimmen die übrigen Songs. Schweren Gedanken lässt Demi Lovato bewusst keinen Raum, alles wirkt atemlos, voller Energie und einer pulsierenden Libido. Ja, es geht zur Sache in den Songs. Sie singt von heißen Zungenküssen und noch heißeren Nächten, von unbeschwerten Stunden und jeder Menge Spaß.
Demi Lovato ist seit vier Jahren clean
Das mag man für zu seicht halten, klar. Demi Lovato macht sich mit einem Album wie diesem durchaus angreifbar. Aber das Schöne ist eben: Es ist ihr egal. Eine Ausnahme bildet Sorry To Myself, in dem Lovato indirekt ihre früheren psychischen Probleme anspricht: „Sorry for the starving, sorry for the burnout“, klagt sie da. Und natürlich hat sie einiges hinter sich: Sie wurde mit einer bipolaren Störung diagnostiziert, hat sich von einer fast tödlichen Drogenabhängigkeit erholt und ist seit 2021 clean.
Dafür geht es ihr heute umso besser. It’s Not That Deep lässt uns alle an ihrer wiedergefundenen Lebensfreude teilhaben. Und nach allem, was sie durchgemacht hat, tut das einfach nur gut.