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Obi-Strip und mehr: Warum ist japanisches Vinyl so beliebt?

In vielen Plattenregalen stehen Pressungen aus verschiedensten Ländern; durch Flohmärkte, Reisen oder Onlinehandel kommt man ja öfters mal an internationale Exemplare. Kein Herstellungsland wird jedoch so explizit hervorgehoben wie Japan. Japanisches Vinyl zu besitzen ist für viele Sammler:innen ein klares Ziel und ein Grund zum Angeben. Aber warum? Was macht diese Platten anders, kultig und oft auch teurer?

Das Auge isst mit

Zuerst fällt die Verpackung auf. Wer eine japanische Platte kauft, darf sich auf Zusatzinserts wie Poster, Sticker, Liner Notes oder Lyricsheets (inkl. japanischen Übersetzungen) freuen. Sowohl bei der äußeren als auch der inneren Verpackung achtet Japan auf Qualität: So sind etwa die Innenhüllen meist aus Kunststoff und Reispapier, was Kratzer und statische Aufladung verhindert – wesentlich besser als die sonst üblichen Papierinnenhüllen.

Der offensichtlichste und ikonischste Teil ist aber der sogenannte Obi-Strip. Das ist dieser Papierstreifen, der meist über der linken Seite der Hülle hängt – „obi“ heißt auf Japanisch schließlich Gürtel oder Schärpe. Und dieses Stück Papier ist tatsächlich für einige Sammler:innen ein Grund, für eine Pressung den doppelten oder dreifachen Preis zu zahlen. Gerade bei älteren Platten wurden die Obi-Strips nämlich oft weggeworfen oder gingen verloren, weswegen eine Pressung mit Original-Obi-Strip den Wert steigert und für sorgfältige Aufbewahrung spricht.

Wie der Obi-Strip zum Kultobjekt wurde

Die Obi-Strips kamen in den 60ern zuerst auf und dienen seither dazu, Titel und Interpret:in des Albums auf Japanisch zu übersetzen. Dafür mussten die Hersteller:innen die Albumcover also nicht verändern. Über die Jahre wurden die Obi-Strips komplexer und künstlerisch freier; oft stehen darauf auch die Tracklist, der Preis, eine Beschreibung oder Werbung zu anderen Platten. Aus einem reinen Infozettel ist ein ikonischer Teil japanischer Vinylkultur geworden, und oft verwendet man sie auch für japanische Alben, die gar keine Übersetzung bräuchten. Mittlerweile stellen auch nicht-japanische Labels zusätzliche japanische Varianten ihrer Alben mit Obi-Strip her, einfach weil diese so beliebt sind.

Findet man eine alte japanische Platte mit Obi-Strip, sollte man schauen, dass um diese Stelle herum keine Verfärbungen entstanden sind, durch Schimmelbildung kann dies nämlich geschehen. Die Außenhüllen aus Plastik, die bei japanischen Platten eigentlich immer dabei sind, beschützen den Obi-Strip aber gut vorm Verknicken.

Hochwertiger Klang

Nun wird die Verpackung ja wohl nicht der einzige Grund dafür sein, sich unbedingt Platten aus Japan zu holen, oder? Korrekt, auch der Sound und die Pressqualität spielen natürlich eine Rolle. Japanische Pressungen gelten als durchschnittlich hochwertiger, da die Qualitätskontrolle sehr genau ist und sie in geringeren Stückzahlen hergestellt werden. Die Matrizen, also die Pressstempel, die die Musik ins Vinyl ritzen, nutzen sich ab, je mehr man sie verwendet. Weniger produzierte Exemplare bedeuten konstantere Pressqualität.

Das ist einer der Gründe dafür, warum japanisches Vinyl als besonders geräuscharm gilt, warum es also weniger knackst und rauscht. Was da auch mit reinspielt, ist die Qualität des Vinyls (also PVC) selbst. Während im Ausland viel PVC recycelt wurde, galt in Japan schon früh das Prinzip von „Virgin Vinyl“: PVC, das noch nicht verwendet wurde. So geraten keine anderen Stoffe wie Papierreste (beispielsweise vom Labelsticker) von recycelten Platten in die Masse hinein, sprich es gibt weniger akustische Störfaktoren. Virgin Vinyl ist mittlerweile allerorts gängig geworden, aber in Japan kann man schon bei alten Platten von vor 60 Jahren auf diesen hochwertigen Standard vertrauen.

Zudem gab es in Japan gleich zwei Unternehmen, die spezielle Vinyl-Stoffe entwickelten: Zum einen wurde von den späten 50ern bis in die 70er oft das sogenannte „Everclear Vinyl“ von der Firma Toshiba verwendet. Es sah dunkelrot aus, was aber keine Designgründe hatte, sondern an der bestimmten Zusammensetzung lag, die statischer Aufladung der Platte besonders gut vorbeugte. Ab den 70ern entwickelte die Firma JVC dann „Super Vinyl“: ein Stoff, der die Platten besonders langlebig und geräuscharm machte. Da JVC und Toshiba japanische Firmen waren, hatte Japan diese Stoffe schon vor dem Rest der Welt zur Verfügung. So wurde das Land bald ein Stempel für hohe Qualität in der Vinyl-Welt.

Gibt es auch Nachteile?

Neben dem Beschaffungsaufwand und den teilweise höheren Kosten nennen viele das Mastering als Manko: Japanische Pressungen werden meist weniger bassbetont und mehr höhenlastig gemastert und das liegt tatsächlich an der Wohnsituation vieler Japaner:innen. Dort wohnt man meist auf engerem Raum zusammen, Wände sind dünner und ein sehr bassiger Klang würde Nachbar:innen stören. Ob man diesen Mastering-Stil als Nachteil sieht, ist aber eher Geschmackssache – die Platten klingen ja nicht per se undefinierter, sondern einfach heller.

Und nochmal zum Thema Preis: Nicht abziehen lassen! Ja, einige Pressungen, insbesondere ältere, können verdienterweise einen höheren Preis haben. Wie erwähnt kann auch der Obi-Strip den Wert stark steigern. Aber japanische Pressungen müssen nicht prinzipiell teurer sein. Oft findet man sie für einen ähnlichen oder gar niedrigeren Preis als hier.

Man muss auch nicht immer direkt aus Japan bestellen, sondern kann das auch bei nationalen Anbietern tun, die sich auf japanische Pressungen spezialisieren. So kann man sich die Lieferkosten und -zeiten sparen. Sollte man jedoch tatsächlich mal einen Trip nach Japan planen: Der neunstöckige Plattenladen Tower Records in Tokio ist legendär!

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