Die Auseinandersetzung zwischen Cradle Of Filth und mehreren ehemaligen Mitgliedern erreicht nun die juristische Ebene: Sechs frühere Musiker und Beteiligte der Band haben in den USA eine Sammelklage gegen Cradle Of Filth, Frontmann Dani Filth und das Management eingereicht – das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Die Vorwürfe reichen von unerlaubter Nutzung ihrer Bildnisse über nicht gezahlte Lizenzgebühren bis hin zu Verleumdung.
Cradle of Filth: Alle Infos zur Klage
Zu den Kläger:innen gehören Zoë Marie Federoff und Marek „Ashok“ Šmerda ebenso wie die früheren Bandmitglieder Lindsay Schoolcraft, Richard Shaw und Paul Allender sowie Sasha Baxter, die in zwei Musikvideos der Band auftrat. Die Klage richtet sich gegen Cradle Of Filth LLP, die Tourgesellschaft Cradle Of Filth Touring Ltd., Dani Filth persönlich sowie das Managementunternehmen Oracle Management.
Laut Gerichtsunterlagen sollen Abbildungen, Namen und musikalische Beiträge der Ex-Mitglieder auch nach deren Ausstieg weiterhin auf Merchandise, in Online-Shops, auf Vinylveröffentlichungen, in Werbematerial und bei Meet-and-Greet-Angeboten verwendet worden sein, ohne dass eine Zustimmung vorlag oder Zahlungen erfolgt seien. Einige der Kläger betonen, nie Verträge unterzeichnet zu haben, die eine solche Nutzung erlaubt hätten. Zusätzlich führt die Klage an, dass Produkte mit den Bildern der Beteiligten weiterhin auf Tour verkauft worden seien, obwohl bereits Beschwerden vorlagen. Auch urheberrechtliche Streitpunkte werden genannt: So soll Merchandising mit Symbolen von Lindsay Schoolcraft ohne Genehmigung erschienen sein, während Sasha Baxter erklärt, sie sei für ihre Videoauftritte nie bezahlt worden, später aber auf Merch-Produkten mit ihrem Bildnis aufgetaucht.
Cradle of Filth: Vorwürfe der Verleumdung und mehr
Besonders schwer wiegt der Vorwurf der Verleumdung. Die Klageschrift führt aus, Dani Filth habe öffentlich behauptet, Federoff habe während ihrer Schwangerschaft Alkohol konsumiert und damit möglicherweise ihre Fehlgeburt verursacht. Dies habe, so die Kläger, erheblichen persönlichen Schaden angerichtet und entbehre jeder Grundlage. Darüber hinaus werden ausstehende Gagen, beschädigtes oder verschwundenes Equipment sowie eine feindselige Kommunikationskultur angeführt, die nach Ansicht der Kläger zu massiven Belastungen geführt habe. Auch ein später vorgelegter Vertrag, der der Band umfassende Kontrolle über die Bildnisse und künftigen Einnahmen der Musiker eingeräumt hätte, wird als weiterer Konfliktpunkt genannt.
Ein Termin für die nun eingereichte Sammelklage steht noch aus. Das Verfahren wird erst weitergeführt, wenn die Beklagten offiziell Stellung bezogen haben und das Gericht einen Zeitplan festlegt. Bis dahin bleibt offen, wie tief die Auseinandersetzung zwischen der Band und ihren ehemaligen Mitgliedern noch reichen wird und welche Auswirkungen sie auf die Zukunft von Cradle Of Filth haben könnte.
Der Schritt vor Gericht bildet den vorläufigen Höhepunkt eines Streits, der im Sommer öffentlich geworden war. Damals hatten Zoë Marie Federoff und Marek Šmerda während einer laufenden Tour ihren Ausstieg bei Cradle of Filth angekündigt und in langen Statements schwere Vorwürfe gegen Management und Bandchef erhoben. Federoff sprach von einem „toxischen und bedrohlichen Umfeld“, von extrem niedrigen Gagen, von Beleidigungen durch das Management und von einem Vertrag, den ihr Anwalt als „psychopathischsten Vertrag für Session-Musiker“ bezeichnet habe. Šmerda warf der Band jahrelanges unprofessionelles Verhalten „von oben“ sowie schlechte Bezahlung vor und zog seine eigenen Kompositionen – darunter eine geplante Zusammenarbeit mit Ed Sheeran – zurück. Dani Filth wies damals sämtliche Anschuldigungen zurück, entließ Šmerda noch während der Tour und bezeichnete die Vorwürfe als Sabotageversuch. Gleichzeitig kündigte er an, zu einem späteren Zeitpunkt eine ausführliche Gegendarstellung zu veröffentlichen und erklärte, alle laufenden Shows wie geplant fortzusetzen.