Freundschaft in Lebenskrisen: Philine Sonny feiert mit Shelter Boy und Brockhoff die Überforderung
news27.02.26
Für die neue Single Back Then (I Was Something) holt Philine Sonny Shelter Boy und Brockhoff mit ins Boot und liefert einen Moment voll Hoffnung und Glückseligkeit und das, obwohl sie von großen Selbstzweifeln singen.
Songwriting at its best
Der Song Back Then (I Was Something) startet mit kleinen Riffs, die Hook wird leise im Hintergrund vor sich hingesummt, bevor jemand einzählt und die drei Musiker:innen, die Indie-Deutschland gestalten wie niemand sonst, ausgelassen in den Refrain einstimmen: „Back then I was something, now I stand for nothing“. Freundschaft und Zusammenhalt strömen aus diesem Song. Es ist eine warme, herzliche Umarmung, die wir sicher alle bitter nötig haben. Perfektion wird von der Freude am gemeinsamen Musizieren geschlagen, man hört die drei lachen, während die E-Gitarre tänzelnd mit in das Lied einstimmt. Es ist spürbar, wie sich die Schultern mit diesem Song lockern. Denn er ist ein befreiendes Eingeständnis, vielleicht nicht immer alles richtig zu machen. So losgelöst hat Überforderung selten geklungen, aber ist es nicht genauso? Kommen nicht Krisen und Zweifel auch oft mit einem hilflosen Lachen daher?
Sprudelnde Ehrlichkeit
Die drei in verschiedenen Instagram-Snippets zusammen zu sehen, war wie eine magische Prophezeiung eines echten Indie-Hits. Mit Brockhoff und Shelter Boy sind zwei der besten deutschen Songwriter*innen an Philine Sonnys Seite getreten, die den beiden in nichts nachsteht. Das konnte ja nur gut werden. Entstanden ist der Song während eines gemeinsamen Wochenendausflugs an einen abgelegenen Ort. Die Vertrautheit steckt nicht nur in den Zeilen, die mit Ehrlichkeit übersprudeln, sondern auch in den Melodien, Wendungen und verspielten Einwürfen, die den Song durchweg begleiten und nahbar machen. „Wir begannen, Songs zu schreiben, die nicht wirklich funktionierten, verbrachten aber die meiste Zeit damit, über unsere gemeinsamen Probleme zu sprechen. Am letzten Abend schrieb sich dieser Song quasi von selbst – wir nahmen ihn sofort auf und ließen ihn so lustig und roh, wie er ist“, erzählt Sonny.
Es ist die mittlerweile fünfte Single, die Philine Sonny aus ihrem Debütalbum veröffentlicht, und lange war ein hiesiges Debüt nicht so heiß ersehnt, wie dieses. Denn mit ihren EPs, die das Songwriting von Big Thief (zum Beispiel bei Postcards For Mom And Her Friends) mit Stadion-Rock-Momenten à la Springsteen (zum Beispiel in In Denial) zusammenbringen, hat Philine Sonny bereits für mächtig Wirbel gesorgt. Mit dem kommenden Virgin Lake (3. April) wird sie ihre Position in der Indieszene ein für alle Mal zementieren, denn jeder Song zeigt bisher eine andere Facette, voller Tiefgang.
Zweifel und Wut kommen zusammen und das Album soll einen Bogen vollziehen, der Selbstfindung und Sicherheit mit all den Strapazen und Trennungsmomenten auf den Punkt bringt. Die neue Single zeigt nun wieder einen neuen Blickwinkel, der beweist, dass Philine Sonny auch Krisen mit einer Leichtigkeit behandeln kann. Macht es ihre Worte einfacher? Nein, auf keinen Fall, aber es macht sie noch realer. Denn dieser Song zeigt die Gleichzeitigkeit von Überforderung und Lachen, Verzweiflung und Hoffnung. Denn Emotion erfahren wir doch nie komplett isoliert. Viel öfter stehen wir einfach da, während uns ein diffuses Chaos überkommt.