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Foto: Envol Prod

XLOV wollen weder Boy- noch Girlgroup sein

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Es sind die prägenden Paradoxe des globalen Phänomens K-Pop: Zum einen zeigen die koreanischen Boygroups ein Männerbild, das viele junge Fans begeistert: Weiche, bescheidene Superstars, die ganz selbstverständlich Lipgloss tragen und oft weiche Tanzbewegungen beherrschen, die viele vielleicht als feminin bezeichnen würden. Aber: Diese Superstars stammen meistens aus einem Land, in dem Geschlechterrollen bisweilen noch stärker zementiert und bisweilen gar toxischer sind als hierzulande. Ähnlich ist es bei den koreanischen Girlgroups: Sie stehen bei globalen Fans für Selbstbewusstsein und Empowerment – sind aber fast brutal dem Bedienen des Male Gaze ausgeliefert, müssen unerreichbare Schönheitsideale erfüllen und wurden in K-Pop-Produktionsfirmen ausgebildet, die vor allem von Männern geprägt sind.

Die Band XLOV, die 2025 debütierte, ist nun angetreten, dieses Paradox vielleicht nicht gleich zu überwinden – aber es zumindest aufzubrechen. Sie startete mit der Ansage, „K-Pops first genderless concept“ umsetzen zu wollen. Dabei merkten sie allerdings schnell, wie theoretisch, kulturell und politisch aufgeladen das Wort „gender“ im Englischen ist – und wie dieses Wort logischerweise in der LGBTQ+ Community gewisse Erwartungen weckt.


Da sich außerdem keines der vier Member offen als queer, non-binär oder transgender identifiziert, mussten XLOV schnell klarstellen, wie das gemeint ist. Der damalige CEO ihrer Produktionsfirma 257 Entertainment sagte Anfang 2025: „Die Mitglieder verstehen sich nicht als geschlechtslos im Sinne einer Identität – dies ist lediglich ein Konzept, das wir gewählt haben, um uns von anderen Gruppen abzugrenzen. Unser Ziel war es, Schönheit ohne geschlechtsspezifische Grenzen zum Ausdruck zu bringen.“


XLOV selbst ließen sich etwas später so zitieren: „Wenn wir von ‚genderless‘ sprechen, merken wir, dass es für englischsprachige Fans vielleicht etwas schwierig ist, das vollständig zu verstehen. Mit ‚genderless‘ wollen wir Stereotypen durchbrechen, die suggerieren, dass nur bestimmte Geschlechter dies oder jenes tun können. Die Kunst, die wir zum Ausdruck bringen, ist ‚genderless‘ und wir hoffen, dass sie mehr Menschen dazu befähigt, ihr wahres Selbst anzunehmen und das zu verfolgen, was sie sein möchten.“

Verwirrspiele im Musikvideo

In ihren Musikvideos funktioniert das schon ziemlich gut: I’mma Be, ihr Debüt-Track, ist ein androgynes Verwirrspiel, mit lasziven, queeren Choreografien und den Stimmen von Wumuti, Rui, Hyun und Haru, denen man oft auch kein klares Geschlecht zuweisen kann.


K-Pop-Insider-Stimmen sahen in XLOV schon damals ein Konzept, das vor allem für globale Fandoms vielversprechend ist – und ein Stückweit geht das auf. Viele junge, auch und vor allem queere Fans, lieben die Idee, die Musik, die Idols und den Vibe von XLOV und zählen sich zum offiziellen Fandom, das sich Evol nennt. Aber es gibt bei Reddit zum Beispiel auch vereinzelte Stimmen queerer Fans, die sich wünschen würden, dass sich Teile von Evol ein bisschen mehr weiterbilden würde in queeren Themen – vor allem, wenn es um die Verwendung von korrekten Begriffen und Sprachzuweisungen geht.


Und dann gibt es noch die Momente, wo es im K-Pop oft tricky wird, wenn eine Band für eine klare Haltung eintreten soll: XLOV spielten bereits ihre erste, komplett ausverkaufte Europatournee. Beim Tourauftakt in Warschau warf ein junger Fan eine Regenbogenfahne auf die Bühne. Als Bandmember Rui diese aufheben wollte, wurde er von einem Security-Mitarbeiter gestoppt. Kurz darauf warf jemand aber eine polnische Fahne auf die Bühne, die von XLOV aufgesammelt und benutzt wurde.


@renondrugs_ XLOV PRIDE FLAG INCIDENT (I've thought that I've didnt record it but I did lmao) justice for Rui! Company have to apologize to her. I love how mother Wumuti was like: *eyes roll* "okay ..." #XLOVinPoland #xlovinwarsaw #XLOV #pride #flag ♬ dźwięk oryginalny - Vi's wife

XLOVs Reaktion

Nach dem Gig veröffentlichte XLOVs Label 257 Entertainment ein Statement, das auch auf den Insta-Kanälen von XLOV geteilt wurde: „Während der Konzerte werden keine Flaggen gezeigt. Diese Entscheidung zielt darauf ab, einen neutralen und einladenden Raum zu schaffen, in dem sich jeder Fan gleichermaßen vertreten und wohl fühlen kann, ohne durch ein Symbol definiert zu werden.“ Das kam nicht gut an. Queere Fans bezeichneten das Statement als „widerwärtig“ und „feige“ und warfen dem Label vor, queere Sichtbarkeit mit Kontroversen gleichzusetzen. Bandleader Wumuti sagte am Tag drauf auf der Bühne ein paar Worte, die einige daraufhin wieder versöhnten:

@kang_deniz Xlov Wumuti breaks the silence on the gay flag controversy #xlov #wumuti #rui #haru #hyun ♬ Originalton - Kang Deniz

XLOV werden also völlig zurecht von der queeren Community hin und wieder ein wenig skeptisch beäugt – allerdings muss man der Band zugutehalten, dass ihre Kunst schon die Idee widerspiegelt, mit der sie angetreten sind und im K-Pop einen neuen Akzent setzt – und das übrigens mit bisweilen fantastischen, androgyn anmutenden Songs und Videos wie diesem:

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