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Für seine berührende Musik zum Shakespeare-Drama Hamnet bekam Max Richter seine erste Oscar-Nominierung. Das ist aber nur einer von vielen Soundtracks des englisch-deutschen Komponisten, die man kennen sollte. Zu seinem 60. Geburtstag würdigen wir die besten Filmmusiken und Serien-Soundtracks des meditativen Sound-Genies.
Außerhalb der modernen Klassik wurde Max Richter vor allem durch Sleep berühmt, dieses ambitionierte Achteinhalbstundenwerk, das einen gesamten Schlafzyklus vertont und vor Menschen in Betten aufgeführt wurde. In den letzten Jahren wurde der 1966 in Hameln geborene Komponist vermehrt von Film und Fernsehen entdeckt. Mittlerweile untermalen seine emotionalen, meditativen, elegischen Kompositionen unzählige Serien oder Filme. Seine Musik zeigt uns, was es heißt, Mensch zu sein. Mit allem, was dazugehört. Wir haben seine besten Momente zusammengestellt.
Hamnet & mehr von Max Richter:
Waltz With Bashir (2008)
Richters Filmmusik für den animierten Dokumentarfilm Waltz With Bashir aus dem Jahr 2008 ist ein hochgelobtes, intensives und eindringliches Werk. Es verbindet elektronische Klänge mit orchestralen, melodischen Elementen und kann sogar als Vorbild für Hans Zimmers Interstellar-Score gewertet werden. Die Filmmusik bescherte Richter große Aufmerksamkeit und brachte ihm 2008 den Preis der Europäischen Filmakademie als bester Komponist ein.
Die Fremde (2010)
In zarte, melancholische, fast schon schüchterne Klaviermelodien hüllt Max Richter die Musik zum Drama Die Fremde. Der deutsch-türkische Film erzählt die Geschichte einer jungen deutsch-türkischen Mutter, die zwischen zwei Wertesystemen um Selbstbestimmung ringt. Richters Musik – hier mit Stéphane Moucha als Co-Komponist, bringt eine Leichtigkeit in die Schwere, die am Ende vielleicht doch schwerer wiegt als man denkt. Große Kunst, in diesem Fall durchaus nah an den Soundtrack-Arbeiten von Nick Cave und Warren Ellis. Oder wie ein sehr trauriger Yann Tiersen.
Hostiles (2017)
Der Western Hostiles ist bisweilen schwer zu ertragen. Christian Bale und Rosamund Pike spielen die Hauptrollen in Scott Coopers oft düsterem Post-Western-Drama, das karg und brutal ist. Thematisiert wird die Desillusionierung des Hauptcharakters über die Rolle seiner Nation bei der Dezimierung der indigenen Bevölkerung. Auftritt Max Richter, der dieses Epos des Schreckens und der Schuld in derart eindringliche musikalische Bilder packt, dass die Tränen sogar fließen, wenn man nur die Musik hört.
Perfect Sense (2011)
Richters eindringliche Kompositionen haben oft etwas Ätherisches, Schwereloses. Damit sind sie natürlich auch perfekt für Science-Fiction, wie wir das unter anderem 2011 bei Perfect Sense mit Eva Green und Ewan McGregor erleben konnten – der Film über eine rätselhafte Pandemie, bei der wir nach und nach all unsere Sinne verlieren. Perfect Sense erhielt gemischte Kritiken, doch die Musik schafft es im Alleingang, dass wir mit einem anderen Blick und geschärften Sinnen durch die Welt gehen.
The Leftovers (2014-2017)
Verlust und Trauer sind Eckpunkte in der Drama-Serie The Leftovers. Für einige Jahre begleitete Max Richters Musik das Narrativ, nachdem zwei Prozent der Weltbevölkerung aus unerklärlichen Gründen nicht mehr da sind. Sein Stil ist hier sehr minimalistisch, aber akzentuiert; den Stücken entsteigt eine große Verlorenheit, die man einfach nicht begreifen kann oder will.
Mary Queen Of Scots (2018)
Für den Soundtrack zu dem aufwändigen Historienfilm gesteht sich Max Richter ein wenig mehr Opulenz zu. Im Finale treibt er das alles auf die Spitze: ein ruhiger, sanfter Anfang, dann ein Funke, der sich mehr und mehr in ein Feuer steigert. Leidenschaft, Liebe, alter Groll und neue Hoffnung kollidieren in einem mitreißenden Stück Musik.
Ad Astra (2019)
Irgendwo hinter den Sternen könnte es etwas geben – etwas Sinnvolles, etwas, das es wert ist, angestrebt zu werden. Etwas Wahres. Und wenn es jemand vertonen kann, dann ist es Max Richter, der mit seinem Soundtrack zu Ad Astra ein evokatives, episches, durchdringendes Meisterwerk geschaffen hat. Im Film sucht Brad Pitt im Weltall nach seinem Vater, in der Musik sucht Max Richter Antworten auf all die Fragen, die uns umtreiben. Sind wir allein hier? Was kommt nach dem Tod? Und warum überhaupt das alles? Herzergreifend und fundamental menschlich.
Hamnet (2025)
In der phänomenalen Bestsellerverfilmung wird die Trauer von William Shakespeare und Anne Hathaway über den Tod ihres Sohnes zum zentralen Thema. Für Richters feinfühligen Soundtrack gab es erstmals eine Oscar-Nominierung. Und das vollkommen zurecht: Die Musik ist von geradezu astraler Schönheit, sakral in ihrer Bedeutung und bei aller Trauer erhaben.