Zara Larsson beim Lollapalooza 2026 in Berlin
Zara Larsson beim Lollapalooza 2026 (Foto: Pedro Becerra/Redferns/Getty Images)

Mr. Worldwide, Weltschmerz und wilde Gitarren: Die größten Lollapalooza-Momente 2026

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Pitbull verwandelte den Olympiapark in eine Großraumdisco-Mitsing-Party, Lewis Capaldi machte kollektiven Herzschmerz erstaunlich unterhaltsam – und James Marriott bewies, dass die spannendsten Festivalmomente nicht zwangsläufig auf der größten Bühne stattfinden. Dazwischen: Glitzer, Pop und Regenponchos in den schillerndsten Farben. 

Es gibt Festivals, bei denen das Publikum morgens sein Zelt sucht. Und es gibt das Lollapalooza Berlin, bei dem man abends versucht herauszufinden, warum plötzlich Tausende Menschen mit Latexglatze, Fliegerbrille und Krawatte durch den Olympiapark laufen.

Rund 50.000 Gäst:innen pro Tag feierten am 18. und 19. Juli rund um das Olympiastadion. Die modische Spannbreite reichte von Glitzer und Cowboy-Stiefeln bis zum vollständigen Mr.-Worldwide-Cosplay. Gleichzeitig liefen Kinder zwischen den Bühnen herum, später kamen Feiernde in bunten Regenponchos hinzu – das Lollapalooza ist immer auch eine Mischung unterschiedlichster Besucher:innen, Geschmäcker und Mode-Inspos. Hier kommen unsere fünf Highlights vom Lollapalooza 2026

Pitbull: Mehr Glatze ist mehr

Wenn man Pitbull eine Sache nicht vorwerfen kann, dann ist das mangelnder Einsatz. Als er am Samstagabend die Bühne betrat, war der Olympiapark längst nicht mehr Berlin, sondern ein imaginärer Ort irgendwo zwischen Miami, Ibiza und einer Abiparty von 2011. Vor der Bühne standen sehr junge Fans neben Menschen, die Hotel Room Service noch aus einer Zeit kennen, in der man Songs per Bluetooth verschickte. Dazwischen: erstaunlich viele künstliche Glatzen.

Das Pitbull-Kostüm – weißes Hemd, Krawatte, Sonnenbrille, Latexhaube – ist inzwischen ein eigenes popkulturelles Phänomen. In Berlin begrüßte der Rapper seine haarlosen Doppelgänger ausdrücklich, bevor Hits wie On The Floor endgültig jede verbliebene Coolness-Barriere einrissen. Und genau darin lag die große Qualität dieser Show: Niemand musste hier beweisen, wie geschmackssicher er:sie ist. Pitbull-Konzerte sind ein urteilsfreier Raum. Man tanzt, man schreit Refrains, man entdeckt plötzlich verschüttetes Wissen über die globale Clubmusik der frühen 2010er-Jahre. Irgendwann stellt man sich nicht mehr die Frage, ob das gerade ironisch gemeint ist. Man stellt nur noch fest, dass man beide Arme in der Luft hat. Und jetzt alle:

Zara Larsson macht die Bühnenshow zum Teamsport

Zara Larsson lieferte bereits zuvor die Sorte Pop-Show, bei der jeder Schritt sitzt, die Energie aber trotzdem nicht nach Hochleistungssport mit Headset aussieht. Der charmanteste Moment entstand, als sie eine Besucherin auf die Bühne holte und – wie das seit einiger Zeit bei ihr Live-Tradition ist – gemeinsam mit ihr zu Lush Life tanzte.

Natürlich könnte man so einen Moment als routinierte Fan-Interaktion abtun. Bei Larsson funktionierte er aber als kleine Erinnerung daran, was Pop im besten Fall sein kann: kein fernes Hochglanzprodukt, sondern ein Mannschaftssport mit sehr viel besserem Styling und vielen bunten Farben.

Unser Hidden Gem: James Marriott

James Marriott spielte am Samstagabend auf der New Horizon Stage – angesetzt für 21:15 Uhr, also zu einer Zeit, in der anderswo bereits die großen Festivalmaschinen anliefen. Er ist einer dieser Künstler, bei denen die Grenze zwischen Internetbiografie und klassischer Musikerkarriere längst verschwommen ist. Bekannt wurde er zunächst als YouTuber, musikalisch hat er sich inzwischen aber ein eigenes Profil erarbeitet: mit nervösen Gitarren, großen Refrains und Songs, die klingen, als würden Selbstzweifel plötzlich eine Band gründen. Seine Stärke liegt dabei weniger in makelloser Coolness als in kontrollierter Unruhe. Marriott singt über Beziehungen, Überforderung und das Gefühl, im eigenen Leben manchmal nur knapp hinterherzukommen.

Wo Pitbull auf sofortige Wiedererkennung setzt, lebt Marriotts Musik von Reibung. Die offizielle Festivalbeschreibung verspricht einen Raum, in dem Selbstzweifel, Liebe und Freundschaft ungefiltert aufeinandertreffen – und genau dieses emotionale Nahformat ist seine Stärke. Er braucht keine Explosionen, um Dringlichkeit zu erzeugen. Das machte seinen Auftritt zu einem Highlight für alle, die auf Festivals nicht nur die größten Namen abhaken, sondern tatsächlich noch etwas Neues entdecken möchten.

Mit Lorde im Regen tanzen

Am Sonntag übernahm kurzzeitig der Berliner Sommer die Dramaturgie und schickte Regen über das Gelände. Das Olympiastadion wurde zum Unterstellen geöffnet, auf den Bühnen lief das Programm weiter, und das Publikum bewies, dass auch Regenponchos das perfekte Attire für den Festival-Dancefloor sind.

Lorde traf diese leicht entrückte Stimmung perfekt. Ihr Auftritt bewegte sich zwischen Popkonzert, Performancekunst und öffentlicher Selbstbefragung. Sie sprach darüber, mit 16 angefangen zu haben und bald 30 zu werden – und warf damit Fragen über persönliches Wachstum, Veränderungen und die nächste Version ihrer Selbst auf. 

Lewis Capaldis Herzschmerz schlägt WM-Finale

Lewis Capaldi hatte beim Festivalabschluss einen denkbar starken Konkurrenten: Parallel rückte das Fußball-WM-Finale näher. Anstatt die Situation zu ignorieren, riet er allen, die noch einen guten Platz in einer Kneipe ergattern wollten, scherzhaft zur Eile – freute sich aber selbstverständlich über alle, die blieben.

Dann folgten BruisesBefore You Go und Someone You Loved – Songs, die zuverlässig das Gefühl auslösen, man habe gerade eine Trennung erlebt, selbst wenn die eigene Beziehung ausgezeichnet läuft. Mit Gitarre, Klavier und seiner unverwechselbaren Stimme verwandelte er das weitläufige Festivalgelände in ein absurd großes Wohnzimmer.

Capaldis eigentliches Talent liegt jedoch in der Geschwindigkeit, mit der er zwischen maximaler Melancholie und maximalem Quatsch wechseln kann. Eben noch singt er über Verlust, im nächsten Moment improvisiert er, verteilt Plektren, stimmt Happy Birthday für einen Fan an oder baut wiederholt den deutschen Hit Gut Genug in seine Moderationen ein.

@swr3online @Lewis Capaldi hats auch getan! 😂 Bei seiner Show beim @Lollapalooza Berlin hat er festgestellt, dass „Du bist gut genug“ wohl sein Song ist und ihn immer wieder angestimmt 😂 Noch mehr Highlights von der Show gibts drüben auf Insta in unserer Story 😁 #Lollapalooza #LollapaloozaBerlin #LewisCapaldi #DuBistGutGenug ♬ Originalton - SWR3

Capaldi nimmt Gefühle und das Darüber-Sprechen oder Singen sehr ernst, sich selbst aber erfreulich wenig. Am Ende erhellte ein Feuerwerk den Himmel – ein angemessen großer Schlusspunkt für einen Sänger, der vorher bewiesen hatte, dass auch leise Songs 50.000 Menschen festhalten können.

Pop-Finale ohne Fußball

Egal, ob Gitarren, Glatzen oder die Kombination aus Weltschmerz und Kneipenhumor – beim Lollapalooza 2026 kamen alle Besucher:innen voll auf ihre Kosten. Und es gab sogar noch ein wenig Sonnenschein, bevor diese Woche der Herbst einzuziehen scheint. 

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