Das Foto zeigt die Band Twin Temple

Twin Temple: Wer ist die Band, die in den USA gerade für einen Satanismus-Skandal sorgt?

Ein Satanismus-Skandal geht in der Popkultur immer, vor allem in den USA. Sogar 2026. Zwei Wörter genügten, um halb Nashville aufzuschrecken. „Not today, Satan“, sagte Charley Crockett, und meinte damit eine Doo-Wop-Band aus Los Angeles, die sich selbst als satanisch bezeichnet. Der Countrystar, der seit 2015 siebzehn Alben veröffentlicht hat und gerade mit seiner „Age of the Ram“-Tour unterwegs ist, strich Twin Temple kurzfristig aus dem Vorprogramm zweier Shows, am 14. Juli in Troutdale, Oregon, und am 18. Juli in Paso Robles, Kalifornien. Als Grund nannte er die satanische Bildsprache der Band.

Wer sind Twin Temple?

Twin Temple, das sind Alexandra und Zachary James, ein verheiratetes Paar, das seit 2017 gemeinsam Musik macht und seinen Sound irgendwo zwischen Fifties-Rock-’n’-Roll und satanischer Symbolik ansiedelt. Ihr Debütalbum aus dem Jahr 2019 trug bereits den programmatischen Titel Twin Temple (Bring You Their Signature Sound…. Satanic Doo-Wop), 2023 folgte God Is Dead. Songs wie Lucifer, My Love, Satan’s a Woman oder Let’s Have a Satanic Orgy lassen wenig Interpretationsspielraum, und auf der Bühne unterstreichen umgedrehte Kreuze, Pentagramme und der Teufelsgruß, worauf sich die Band bezieht.

Dabei kannte Crockett das alles, bevor er die Band überhaupt buchte. Fotos zeigen ihn mit dem Duo im Grammy Museum, und unter gemeinsamen Posts reichen Likes und Kommentare Jahre zurück. Trotzdem erklärte er gegenüber Rolling Stone, er habe gedacht, die Band sei „wie Black Sabbath, aber das sind sie nicht. Nicht heute, Satan.“ Ein Satz, der online sofort seziert wurde, zumal Crockett auf Facebook nachlegte und unverblümt schrieb: „Scheiß auf Trump, scheiß auf Epstein, aber Hail Satan? Nicht mit mir.“ Später relativierte er nicht inhaltlich, sondern rhetorisch, er sei politisch weder links noch rechts zu verorten, und Gott sei vielmehr „das Gewebe, das alles Leben zusammenhält“.

So reagierte die Band!

Twin Temple reagierten auf Instagram vergleichsweise gelassen, fast routiniert, mit einer kurzen Enttäuschung, Dank an die Fans und dem obligatorischen Schlusssatz „HAIL SATAN! 93/93“. Wirklich überrascht dürften sie ohnehin nicht gewesen sein, denn ähnliche Reaktionen kennen sie bereits, seit der rechte Talkshow-Host Alex Jones sie einmal als „Verkörperung des reinen Bösen“ bezeichnete, nachdem ein Artikel der Los Angeles Times über die Satanisten-Szene der Stadt erschienen war. Damals folgten Doxxing, anonym zugesandte Bibeln und Morddrohungen.

Was Jack White damit zu tun hat

Für eine unerwartete Wendung sorgte schließlich Jack White. Der Ex-Kopf der White Stripes veröffentlichte ausgerechnet an dem Tag, an dem die Absage öffentlich wurde, sein neues Album Frozen Charlotte und nutzte den Moment gleich mit, um Twin Temple einzuladen, sein Konzert am 29. September im Hollywood Palladium zu eröffnen. Seine Einladung spielte dabei bewusst mit seiner eigenen Vergangenheit, denn die White Stripes hatten 2005 ein Album mit dem Titel Get Behind Me Satan veröffentlicht, in dem es, zumindest dem Titel nach, eher um Distanz zum Teufel ging. White selbst schien das inzwischen deutlich lockerer zu sehen und drehte den Satz kurzerhand um: „Twin Temple, wollt ihr am 29. September in L. A. mein Konzert im Hollywood Palladium eröffnen? Lasst es mich wissen. Stellt euch vor mich, Satan!“ Twin Temple sagten zu und antworteten mit einem Seitenhieb auf Crocketts Black-Sabbath-Vergleich, es wäre ihnen „ein höllisches Vergnügen“, mit ihm des Teufels Musik zu spielen.


Am Ende zeigt der Fall ein Muster, das sich in der US-Musikszene immer wieder wiederholt. Satanistische Ästhetik funktioniert im Metal- und Rockkontext seit Jahren reibungslos, Twin Temple selbst tourten 2019 und 2022 mit Ghost. Trifft dieselbe Ästhetik jedoch auf ein konservativeres Publikum, wird sie schnell zum Politikum. Für Crockett bedeutet das aktuell einen Shitstorm, der nicht so recht abreißen will. Für Twin Temple hingegen eine größere Bühne, als zwei Vorprogramm-Auftritte je geboten hätten.


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