Nach mehr als sechs Jahrzehnten auf Tour mit den Beach Boys verabschiedet sich Bruce Johnston von der Band. Der Sänger, Songwriter, Bassist und Keyboarder prägte den Sound der kalifornischen Poplegenden über Generationen hinweg. Nun schlägt er ein neues Kapitel auf, wie der Rolling Stone berichtet.
Bruce Johnston stieß im April 1965 zu den Beach Boys hinzu. Damals sprang er zunächst für Brian Wilson ein, der sich aus dem Tourleben zurückziehen wollte, um sich stärker auf die Studioarbeit zu konzentrieren. Was als Übergangslösung begann, entwickelte sich schnell zu einer dauerhaften Zusammenarbeit.
Noch im selben Jahr war Johnston erstmals auf einer Studioaufnahme des Klassikers California Girls zu hören. Bald darauf wurde er offizielles Mitglied der Gruppe. Heute bleibt mit Mike Love nur noch ein Gründungsmitglied im bislang bestehenden Tour-Line-up der Beach Boys. Auch als Songwriter hinterließ Johnston deutliche Spuren im Katalog der Band. Er war an Songs wie Wild Honey, Surf’s Up und dem ikonischen Album Pet Sounds beteiligt.
Konflikte, Comeback und Produzentenrolle
Ganz ohne Brüche verlief die gemeinsame Geschichte allerdings nicht. 1972 wurde Johnston nach einem Streit mit dem damaligen Manager Jack Rieley aus der Band entlassen. In dieser Phase konzentrierte er sich auf eigene Projekte und veröffentlichte das Soloalbum Going Public. Die Trennung hielt jedoch nicht lange. 1978 bat Brian Wilson ihn persönlich, für die Arbeit am Album L.A. (Light Album) zurückzukehren. Johnston übernahm dabei sogar die Rolle des alleinigen Produzenten.
„Es ist Zeit für Teil drei“
In einem Statement erklärte Johnston gegenüber Rolling Stone, dass er seine musikalische Laufbahn nun neu ausrichten möchte. „Es ist Zeit für Teil drei in meiner langen Musikkarriere!“, sagte er. Sein Fokus solle künftig wieder stärker auf dem Songwriting liegen. „Ich kann für immer Songs schreiben, wartet nur darauf, was kommen wird!!!“
Neben neuer Musik plant Johnston auch eine zweite Karriere als Redner. Inspiration dafür fand er bei Schauspieler Cary Grant, der nach seiner Filmkarriere ebenfalls mit Bühnenauftritten begann. Unterstützung erhält Johnston unter anderem von Schauspieler und Musiker John Stamos, der ihm bei der Entwicklung des Konzepts hilft.
Kein Abschied für immer
Ganz von der Beach-Boys-Bildfläche verschwindet Johnston nicht. Gelegentlich möchte er weiterhin mit der Band auftreten. Die bereits geplanten Konzerte im Hollywood Bowl stehen im Kalender. „Das ist keine Verabschiedung, sondern ein ‘bis bald’“, erklärte Johnston. „Ich bin für immer dankbar, Teil des musikalischen Vermächtnisses der Beach Boys zu sein.“
Auf weiteren Touren wird Johnston dann künftig durch Chris Cron ersetzt, Frontmann der Tribute-Band Pet Sounds Live. Seit Ende Februar begleitete er die Beach Boys schon hinter den Kulissen, um sich auf seine neue Rolle vorzubereiten.