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Foto: Slaven Vlasic/Getty Images

Streit zwischen The Kinks und Moby: Ist „Lola“ ein transphobes Lied?

Moby hat vor kurzem Lola, den berühmten 70er-Hit der Kinks, für seine Texte kritisiert. Diese seien „ekelhaft und transphob“, so Moby. The-Kinks-Mitglied Dave Davies reagiert nun und widerspricht Mobys Aussagen vehement.

Dieses Problem sieht Moby in „Lola“

The Kinks hatten viele zeitlose Hits. Auch Lola aus dem Jahr 1970 ist ein echter Klassiker, doch das Wort „zeitlos“ würde zumindest Moby dafür nicht als passend sehen – eher aus der Zeit gefallen. Der US-amerikanische DJ, Produzent und Aktivist wurde letztens vom Guardian interviewt, wobei ihm die Frage gestellt wurde, welchen Song er sich nicht mehr anhören könne. Mobys Antwort:

„Letztens tauchte ‚Lola‘ von den Kinks in einer Spotify-Playlist auf und ich fand die Texte ekelhaft und transphob. Ich mag ihre frühe Musik, aber ich war wirklich überrascht, wie unentwickelt die Texte sind.“

Worauf bezieht Moby sich da? Lola ist laut Ray Davies, dem Sänger der Kinks, von Interaktionen mit Drag Queens inspiriert. Im Song geht es darum, als junger, unerfahrener Mann in eine Bar in Soho zu gehen, und von einer Transfrau verführt zu werden. Darin finden sich Zeilen wie „Well, I'm not dumb but I can't understand / Why she walked like a woman but talked like a man“. Oder auch: „Girls will be boys and boys will be girls / It's a mixed up, muddled up, shook up world, except for Lola“. 

The Kinks verteidigen sich

Wie Ray Davies das damals intendiert hat, wird nur er selbst wissen. Nun hat sich aber auch Dave Davies, sein Bruder und Bandmitglied, eingeschaltet und von Moby beleidigt gezeigt. „Ich möchte den Kerl nicht vorführen, aber Moby sollte vorsichtig sein, was er sagt“, schrieb Davies in einem Post auf X und verwies auf eine berühmte Drag-Theater-Gruppe aus der Hippiezeit. „Die Cockettes und ihre Freunde haben uns auf Tour begleitet. Wir haben sie geschätzt. Warum ist Moby bei diesem einfachen Lied so unhöflich? Wir sind nicht transphob. Warum muss er uns so angreifen?“

Davies führte seine Erklärung in einem zweiten Post weiter, indem er ein Statement der Punk-Sängerin und Trans-Frau Jayne County einholte. Darin schrieb County unter anderem, wieviel der Song ihr als Trans-Person bedeute: „Als ich das Lied hörte, war ich sowohl begeistert als auch erstaunt darüber, dass die Kinks ein Lied über eine Trans-Person sangen, und fragte mich, ob das noch jemand anderes aufgegriffen hatte! Wer war cool oder hip genug, um zu erkennen, wovon The Kinks singen? Lola wird immer einer dieser Songs bleiben, die für mich sozusagen ‚das Eis gebrochen‘ haben! Ein Lied, das Barrieren abbaut und ein damals vertuschtes Thema in den Vordergrund rückte. […] Mit diesem Song projizierten die Kinks sich in die moderne Welt. In die REALE Welt!“

Das ganze Statement nachlesen:

Zu diesem Zeitpunkt (24. März) hat Moby noch nicht auf Davies‘ Posts reagiert.

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