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Foto: Universal Music

Review: Suki Waterhouse erforscht das bunte „Loveland“

Trotz all ihrer anderen Unterfangen – der Karriere als Schauspielerin, Model, Mode-Unternehmerin und Fotografin – kehrt Suki Waterhouse nun seit zehn Jahren immer wieder zur Musik zurück. Loveland, ihr drittes Studioalbum, präsentiert ihre musikalische Bandbreite noch größer als zuvor. Obendrauf zeigt es, wie komplex es bei all diesen großen Hüten, die Suki Waterhouse trägt, immer noch ist, sich durch ebendieses Loveland zu navigieren.

Triumph und Eifersucht im „Loveland“

Die Liebe bleibt Suki Waterhouses Lieblingsthema. Mit einem Namen wie Loveland wirkt sie wie eine rätselhafte Insel, die es zu erforschen gilt; von Glückseligkeit bis Horniness, Eifersucht, Reue und Sehnsucht ist vieles dabei. Es beginnt geradezu feierlich: Back In Love zelebriert mit Gospel-Anleihen und Bläsern die Tatsache, dass die Musikerin wieder verliebt ist – so fühlt es sich ja auch manchmal an: als würde die ganze Welt plötzlich heller strahlen und einem gratulieren. Für Waterhouse beschreibt der Song aber auch das Gefühl, „nach einem Identitätswandel wieder zu sich selbst zu finden“.

Direkt danach singt sie in Any Man davon, wie einfach es für sie sei, jeden Mann herumzukriegen. Das wäre eine stumpfe, fast schon angeberische Aussage, wenn dabei nicht durchscheinen würde, dass ihr Status als Promi ihr dadurch aber auch nie Ruhe in der Öffentlichkeit ermöglicht.

Loveland von Suki Waterhouse für Zuhause:

Diese interessante Perspektive der Promi-Liebe tritt erst später im Album wieder auf: In Morals spricht sie von der Eifersucht, die damit kommt, einen ebenso berühmten und begehrten Ehemann wie Robert Pattinson zu haben. Überraschend ehrlich erzählt Waterhouse davon, wie diese Umstände dazu führen können, dass sie ihren Mann der Untreue verdächtigt: „Say it’s just your job / But you’re not that good at acting, baby / Not when it comes to me“. Im abschließenden Weirdo sitzt sie alleine zuhause, vermisst ihn und verdammt den beschäftigten Lifestyle, den die beiden leben: „But there’s people outside of our home / Guess I can’t say that I’m lonely“ – eine der lustig-traurigsten Zeilen des Albums.

Energie vergangener Jahrzehnte

Was an Loveland direkt ins Auge – oder Ohr – springt, ist die Vielstiligkeit, die Waterhouse fährt. Während sie bisher vor allem für typischen Indie- und Dream-Pop stand, etwa mit dem viralen Song Good Looking, der letzten Endes vor allem Acts wie Beach House imitierte, verbindet Loveland wesentlich mehr Einflüsse. Vor allem ältere Sounds scheinen es Waterhouse angetan zu haben: So ertönen Classic-Rock-Klavierballaden, 90er-Britpop-Rhythmen und fuzzige Gitarrenleads aus 70er-Psychedelic-Rock.

Songs wie Happy With It verbinden verschiedene Stile: Dream-Pop tritt zunächst wieder auf, um im Refrain aber plötzlich von einem wesentlich tanzbareren Disco-Sound abgelöst zu werden, und dieser Wechsel klatscht schön wach. Generell darf auf dem Album überraschend viel getanzt werden. Die Single When I Get Drunk (I Want You Boy) geht zwar in die genau andere Richtung, klingt aber ebenfalls anders als zuvor: ein langsamer Soul-Groove mit quakendem Bass; eine verträumte, aber mal nicht in Hall ertränkte Gesangsperformance. Dieses langsame Tempo passt zum angetrunkenen, verführerischen Gefühl, das der Song beschreibt.

Lebhafte Sounds und Szenarien

Die Produktion klingt sehr gut, nach einer angenehmen Mischung aus Retro-Einflüssen und zeitgemäßem Sound. Gerade Drums und Bass halten viele dieser Songs lebhaft, dabei darf in Morals sogar der echte Mick Fleetwood trommeln – lustig, wenn man bedenkt, dass die fiktive Band Daisy Jones & The Six (in der Waterhouse ihre berühmte Rolle als Keyboarderin spielte) größtenteils an Fleetwood Mac angelehnt war. Fürs Produzieren und Mitschreiben hat Suki Waterhouse sich weitere große Namen rausgesucht: zum Beispiel Aaron Dessner (The National, bekannt für Taylor Swifts Folklore-/Evermore-Alben) und Joel Little (vor allem bekannt als Lordes früher Arbeitspartner, später auch Taylor Swift und Imagine Dragons).

Suki Waterhouse selbst passt auf diese Songs gut, obwohl man sich stellenweise eine etwas charismatischere Präsenz wünscht. An den Witz einer Sabrina Carpenter oder die ausdrucksstarke Stimme einer Olivia Rodrigo kommt sie beispielsweise kaum heran. Dennoch baut sie immer wieder lustige Aussagen ein und kommandiert die Stimmungen der Songs gut. In Almost beschreibt sie beispielsweise nachvollziehbar diesen Moment, in dem man sich fast auf eine Person eingelassen hätte, aber es doch nicht zum Kuss kam, obwohl beide die Spannung gespürt haben. Die schönste Stimmung aber baut der Titeltrack auf, der letzte Höhepunkt des Albums. Über ein Americana-Instrumental mit fast episch anschwellendem Refrain besingt Suki Waterhouse die Liebe ihres Partners als etwas Dramatisches, Filmisches: „Holdin‘ a gun, I’m the one who dies in the end / Bury me in your loveland“.

Suki Waterhouses Präsenz, sowohl als Musikerin als auch als Schauspielerin und Person des öffentlichen Lebens, ist aktuell stärker denn je. In so einem Moment ein Album wie Loveland zu veröffentlichen, das noch mehr ausprobiert als zuvor, ist also durchaus willkommen. Man hört, dass sie von vielem begeistert ist und viele dieser Ideen umsetzen kann – eine Richtung, die  Waterhouse weiter verfolgen sollte. Die catchy Songs dafür hat sie auf jeden Fall.

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