Schallplattengröße: Warum Vinyl in drei Formaten kommt

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Große Platte, ganzes Album. Kleine Platte, zwei Songs. So kennt man es aus dem Plattenladen. Doch die Plattengröße allein verrät weder, wie viel Musik darauf passt, noch wie schnell die Platte laufen muss. Dass die große Scheibe fürs Album steht und die kleine für die Single, ist nämlich kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis eines Zickzacks zwischen zwei Firmen.

Columbia stellte im Juni 1948 die Langspielplatte vor: zwölf Zoll, 33⅓ Umdrehungen, gut 22 Minuten pro Seite. Eine Schellackplatte brachte es bei gleichem Durchmesser auf unter fünf. RCA Victor wollte die Technik nicht lizenzieren und kam im März 1949 mit etwas Eigenem: sieben Zoll bei 45 Umdrehungen. Gewonnen hat keiner. Beide pressten ab 1950 beziehungsweise 1951 auch das Format des anderen, und seitdem gilt die Arbeitsteilung, an die wir uns gewöhnt haben.

Was die Schallplattengröße verrät

Zwölf Zoll, rund 30 Zentimeter: das LP-Format. Je nach Material passen 15 bis 25 Minuten auf eine Seite, bei Klassik und Sprechaufnahmen auch mehr. Auf demselben Durchmesser erscheint aber auch die Maxi-Single, meist mit 45 Umdrehungen. Wenige Stücke, viel Platz, satter Schnitt. Seit Jahrzehnten das Werkzeug der Clubmusik. Und weil der Durchmesser eben nichts festlegt, gibt es auch ganze Alben mit 45 Umdrehungen, dann auf zwei Platten verteilt.

Sieben Zoll, rund 18 Zentimeter: die Single. Ein Song vorn, einer hinten, meist 45 Umdrehungen. RCA hat die Drehzahl damals so gewählt, dass fünfeinhalb Minuten auf die Seite passen. Auch hier ist die Zuordnung dehnbar, auf einer EP stehen mehrere Titel.

Bleibt die Zehnzöllerin, rund 25 Zentimeter, in den Fünfzigern noch gängiges Albumformat, dann verdrängt. Ausgestorben ist sie nicht. Man findet sie bei EPs, Wiederveröffentlichungen und limitierten Auflagen. Für ein kurzes Album reicht sie, für ein langes wird es eng.

Alben & Singles auf 10 Zoll:

Was die Schallplattengröße für den Klang bedeutet

Mehr Fläche heißt mehr Spielraum, nicht besserer Klang. Die Rille braucht Platz für ihre Auslenkung, und je tiefer und lauter der Bass, desto breiter muss sie geschnitten werden, wie das Mastering-Studio Chroma in seinem Leitfaden für Vinylschnitte beschreibt. Dasselbe gilt für tiefe Frequenzen, die zwischen linkem und rechtem Kanal weit auseinanderlaufen. Soll viel Musik auf eine Seite, rückt der Schneidingenieur die Rillen enger zusammen und nimmt den Pegel zurück. Dazu kommt die Physik der Scheibe selbst: Außen legt die Rille pro Umdrehung einen längeren Weg zurück als innen. Zum Etikett hin bleibt für dieselbe Sekunde Musik weniger Rillenlänge, und Höhen werden dort schwieriger sauber abzutasten.

Deshalb kursieren Richtwerte statt Grenzwerte. Das Presswerk Mr. Vertigo rät, 22 Minuten pro Seite nicht zu überschreiten; bei wirklich lauten Schnitten setzt der Vinyl-Dienstleister Disc Makers die Grenze eher bei 18 bis 19 Minuten an. Eine gut geschnittene Maxi kann also lauter ausfallen als ein vollgepacktes Album, muss aber nicht besser klingen. Mastering, Schnitt, Pressung und Abtastung reden alle mit. Beim Auflegen hilft dir ohnehin das Etikett mehr als der Durchmesser: Fast jeder Plattenspieler beherrscht 33⅓ und 45 rpm, alte Singles mit dem großen Mittelloch brauchen einen Adapter. Und bei Schellack reicht es nicht, auf 78 rpm umzuschalten. Die breiteren Rillen benötigen in der Regel eine dafür geeignete Nadel.

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