Auf ihrem vorletzten Album singt Taylor Swift, dass Charlie Puth ein deutlich größerer Star sein sollte. Der Sänger reagiert – und legt mit Whatever’s Clever ein Yacht-Pop-Album vor, das gar nicht mehr darauf achtet, ob das jetzt noch jemand cringe findet oder nicht.
Wer Taylor Swifts Segen hat, hat ausgesorgt. Das bekam auch Charlie Puth zu spüren, als er sich plötzlich in einer Textzeile auf The Tortured Poets Department wiederfand. „Charlie Puth should be a bigger artist“, singt Taylor Swift da. Und plötzlich hatte er in Scharen neue Fans. Nicht nur das: „Nachdem ich das von ihr gehört hatte“, so sagte er neulich in der Vogue, „habe ich einfach ein Album aufgenommen, auf das ich zufällig sehr stolz bin.“
Charlie Puth: Dad Pop, Super Bowl und Sitcoms
Jetzt ist das mit Charlie Puth in der Popwelt ja lange so gewesen wie mit Nickelback in der Rockwelt: Es war nicht gerade cool, ihn zu hören. Auf Whatever’s Clever scheint ihm das das erste Mal vollkommen egal. Merkt man schon am herrlichen Dad-Pop-Cover, das direkt aus einer Achtziger-Sitcom entlehnt scheint. Kurz vor der Veröffentlichung ist er Vater geworden, vor wenigen Wochen sang er die Nationalhymne beim Super Bowl, viel amerikanischer geht das alles also gar nicht.
Ein wenig scherzhaft bezeichnet Puth selbst dieses vierte Album als Yacht Rock, ein wenig ernster als Musik, die er sich als Dad anhören würde. Ecken und Kanten sind da natürlich keine zu erwarten. Humor ist dagegen reichlich vorhanden: Das abschließende Akustikstück I Used To Be Cringe etwa greift seine Reputation als nicht gerade cooler Popstar auf. Und macht seinen Frieden damit. „Ich habe mir die Haare blond gefärbt, dann rasiert; mein Aussehen angepasst, meine Art zu sprechen angepasst – nur weil ich so sehr dazu gehören wollte und wollte, dass die Leute meine Musik hören“, referiert er. „Aber was mir nicht klar war, ist, dass ich mich nicht in etwas verwandeln musste, nur damit die Leute mich mögen. Ich muss einfach nur ich selbst sein.“
Jeff Goldblum macht auch mit
Also macht er das, was er will. Und das ist Popmusik, die sich nicht dafür schämt, Popmusik zu sein. Für das flott swingende Until It Happens To You holt er sich dann sogar Jeff Goldblum als Gast, für den R&B-Track Home die japanische Ikone Hikaru Utada. Charlie Puth schwimmt sich frei. Und er trägt fesche Badesachen dabei. Mehr als zuvor schimmert auf Whatever’s Clever seine Liebe für den Pop der Achtziger durch, thematisch schließt sich hier der Kreis zum Sitcom-Cover. Himmel, man denkt teilweise sogar an den unvergleichlichen Dad-Rock von Toto, und das gewiss nicht ganz unbeabsichtigt.
Wer will schon nach New Jersey?
Als Produzent hat sich Puth BloodPop ausgesucht. Der gibt dem Ganzen einen hübsch satten Sound, übertreibt aber auch nicht. So ist im Grunde alles gehalten auf diesem Album: Es ist fein austariert, gut arrangiert und überaus angenehm zu hören. Easy Listening mag bisweilen wie ein Schimpfwort klingen, bedeutet in diesem Fall aber einfach charmante, harmlose, kurzweilige Popmusik voller Hooks. Und herrlicher Lyrics. In New Jersey etwa rechnet er gleich mit einem ganzen Bundesstaat ab und singt davon, dass es dort überhaupt nichts zu erleben gibt. Was Springsteen wohl dazu sagt? Ach, das ist Puth wahrscheinlich mittlerweile auch egal. Gut so.
Er hat seine Rolle gefunden. Und fühlt sich endlich so richtig wohl mit dem, was er tut. Whatever’s Clever ist daher genau das: Ziemlich clever. Und eine wunderbar entspannte Reise durch Pop, Jazz, Funk und den Sound der Achtziger.