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Foto: Ronald Siemoneit/Sygma/Sygma via Getty Images

Kein Soundtrack, sondern Systemupdate: Die Musik von „Matrix“

Was passiert, wenn Maschinen die Menschheit beherrschen? Der Sci-Fi-Blockbuster Matrix widmet sich genau dieser Frage und balanciert meisterhaft zwischen tiefgründiger Philosophie und bahnbrechender Action. Dafür braucht es die passende Filmmusik – werfen wir einen Blick auf den Matrix-Soundtrack.

Mit ihrem Sci-Fi-Meisterwerk Matrix gelang den Wachowski-Schwestern Lana und Lilly im Jahr 1999 ein Meilenstein der Filmgeschichte. Sie erzählen in dem Streifen die Geschichte des Hackers Neo (Keanu Reeves), der erkennen muss, dass sein bisheriges Leben lediglich eine digitale Simulation ist: die Matrix. Diese Scheinwelt gaukelt den Menschen eine Realität vor, während sie in Wahrheit als Energiequellen für ein Maschinenimperium dienen. Neo wird vor die ultimative Wahl gestellt: Wählt er die blaue Pille, um in die wohlige Ignoranz der Simulation zurückzukehren? Oder schluckt er die rote Pille, um die bittere Wahrheit zu erfahren? Die akustische Begleitung für diesen existenziellen Trip liefern Genre-Größen und Krachmacher wie Ministry, Rob Zombie, The Prodigy und Rage Against The Machine.

Matrix-Soundtrack: Ein Fest für Freund:innen harter Klänge

Schon früh setzt der Film musikalische Akzente: Dragula von Rob Zombie dröhnt durch den Club, in dem Neo erstmals auf die geheimnisvolle Trinity (Carrie-Anne Moss) trifft. Nur Augenblicke später verschmilzt der Track nahtlos mit Mindfields von The Prodigy. Ministry steuern das Stück Bad Blood bei und wer die Industrial-Gruppe aus Chicago kennt, weiß, dass es sich dabei kaum um leichte Kost handelt – ein düsterer, mechanischer Sound, der perfekt zur Ästhetik der Maschinenwelt passt. Das Gleiche gilt für die Deftones, deren Song My Own Summer (Shove It) zwar nicht im Film vorkommt, aber dennoch Bestandteil des offiziellen Soundtracks ist. Im Abspann von Matrix läuft legendärerweise und zum Inhalt des Films passend Wake Up von Rage Against The Machine. Doch das sind noch nicht alle Stücke, die es in dem Streifen zu hören gibt. 

Der Matrix-Soundtrack von Don Davis fürs Plattenregal:

Zusätzlich zum offiziellen Soundtrack werden Musik-Nerds in Matrix einige Songs entdecken, die zwar im Film vorkommen, es aber nicht auf den Sampler geschafft haben. Da wäre zum Beispiel die Nummer Dissolved Girl von Massive Attack, die zu Beginn über Neos Kopfhörer erklingt. Wenn der Hacker das Orakel (Gloria Foster) trifft, sind im Hintergrund die beiden Dreißiger-Jahre-Jazzklassiker Minor Swing von Django Reinhardt und I’m Beginning To See The Light von Duke Ellington zu hören, quasi als bewusster Stilbruch zur Industrial-Ästhetik. Und bei dem Song, der im Wohnzimmer des Orakels aus dem Fernseher schallt, handelt es sich um das Lied Begin The Run von Jimmie Haskell, das wiederum Teil des Soundtracks des Siebziger-Jahre-Sci-Fi-Films Rabbits von William F. Claxton ist.

Futuristisch und genial: Der Matrix-Score von Don Davis

Neben den lizenzierten Songs ist es auch der orchestrale Score von Don Davis, der die klaustrophobische und zugleich epische Atmosphäre in Matrix definiert. So setzt er in seinen Kompositionen auf atonale Elemente, komplexe Streichersätze und einfach alles, was unbequem klingt. Insbesondere die ikonische Titelmusik begeistert Musik-Fans auf der ganzen Welt, was nicht zuletzt daran liegt, dass Davis ebenso begeistert von Matrix ist: „Als ich das Skript gelesen habe, bin ich ausgeflippt“, erzählt er in einem Interview für die offizielle Matrix-Website. Darüber hinaus habe ihn beeindruckt, wie schnell die Wachowskis als Regisseurinnen dazugelernt hätten. „Ich wusste, dass der Film ein riesiger Erfolg werden würde, wegen der Action- und Anime-Elemente, die bei der jungen Zielgruppe so gut ankamen.“

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Der Matrix-Soundtrack fängt das Unbehagen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung Ende der Neunziger ein und gibt dem rebellischen Geist des Jahrzehnts kurz vor der Jahrtausendwende noch einmal eine Stimme. Laut, verstörend und kantig kombinieren die Wachowskis die Filmmusik ihres großen Durchbruchs mit chaotischem grünem Binärcode, schwarzem Latex und schnellen Kampfszenen. Wohlfühlkino ist das nicht. Doch Matrix ist ein Gesamtkunstwerk, dessen Echo bis heute in der Popkultur nachhallt, auch wegen der sorgsamen Musikauswahl. Was die Herrschaft der Maschinen betrifft, sind wir heute näher dran als vor 30 Jahren. Aber immerhin: Wenn man Google Gemini fragt, ob es sich ein Szenario wie in Matrix vorstellen könnte, antwortet die KI, dass es viel zu aufwendig wäre, Menschen als Energiequelle zu nutzen. Glück gehabt.

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