Featured Image
Foto: Silken Weinberg

Interview mit Holly Humberstone über Liebe, Selbstfindung und ihr Album „Cruel World“

Manche Dinge passieren eben organisch. Holly Humberstone erinnert sich nicht, wann sie anfing, Musik zu schreiben, erzählt sie im Interview. Sie war ein Kind und setzte sich eines Tages einfach ans Klavier ihrer Mutter. Sie schloss die Tür zu und spielte stundenlang. „Es ist immer mein sicherer Ort gewesen, um alles zu verarbeiten, das in meinem Leben passiert“, sagt sie. Das hat sich nicht geändert. Sie schreibt immer noch für sich selbst.

Aufgewachsen in Grantham, einem kleinen Ort in den East Midlands, hätte Humberstone nie erwartet, damit ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. „Dort passiert nicht viel“, sagt sie. Doch 2020 veröffentlichte sie ihren ersten Song während der Pandemie. Die Musik fand ein Publikum: 2021 landete sie auf Platz zwei der BBC Sound of 2021, 2022 gewann sie den BRIT Rising Star Award. Sie tourte mit Olivia Rodrigo, girl in red und Lewis Capaldi. Damit nicht genug: Pop-Superstar Taylor Swift holte sie für Eras-Tour-Auftritte auf die Bühne. „Jeden Tag fühle ich mich glücklich, meine Musik mit Menschen auf der ganzen Welt teilen zu können“, sagt Humberstone. 

Cruel World und mehr von Holly Humberstone im Circle Store:

Das Debütalbum Paint My Bedroom Black (2023) bestätigte dann auch bereits, was sich zuvor abgezeichnet hatte. Das ständige Touren ging allerdings schnell an die Substanz, eine Pause musste her. 2024 verkaufte ihre Familie das Haus, in dem sie seit ihrem dritten Lebensjahr gelebt hatte. Während ihre Geschwister die Kindheit einpackten, durchforstete Humberstone alte Erinnerungen: alte CDs mit Prince, Paul Simon und Kylie Minogue, ihre geliebte Ausgabe der Märchen der Brüder Grimm.

„Ich habe so viel über mich selbst wiederentdeckt, das ich vergessen hatte“, sagt sie. Aus diesem Moment entstand Cruel World, ihr zweites Album. Das ist ohne Frage ihr reifstes und bestes, und handelt von Liebe. Kein romantisiertes Gespenst, sondern eine Skizzierung dessen, was die Liebe eben ist: eine widersprüchliche Kraft – das Beste, aber eben auch das Schlimmste zugleich. 

Zwischen Gotik-Märchen und Arbeitsdisziplin

Humberstone schrieb mit neuer Disziplin: täglich ins Studio, Arbeit mit ihrem Musikpartner Rob Milton. Sie experimentierte. Sie beschreibt das Album als ihre dunkelste Arbeit – inspiriert von Märchen, Gotik, Tim Burton. 

Beim Interview spricht sie davon, wie viel sich in den letzten Jahren geändert hat. „Songwriting als Job zu machen, fühlt sich wie ein Privileg an“, sagt sie. „Es war immer ein Traum von mir als Kind, eine Künstlerin zu sein und meine Arbeit mit Menschen zu teilen.“ Heute vertraut sie darauf, dass ihre Musik Gefühle ausdrückt, mit denen sich viele identifizieren können. „Ich glaube, dass meine Musik von Dingen handelt, die sehr universell sind“, erklärt sie. „Und hoffentlich können sich viele Menschen darin wiederfinden.“

Das Album Cruel World sei ihr bisher wichtigstes Projekt. „Während ich dieses Projekt geschrieben habe, habe ich viel über mich selbst gelernt“, sagt Humberstone. Sie hat verstanden, dass Liebe – das zentrale Thema des Albums – sowohl wunderbar als auch schmerzhaft ist. Das macht den Unterschied.

„Musik ist für mich immer eine Ausflucht von der Realität gewesen“, erzählt sie in einem anderen Interview. Das ist gleichgeblieben, auch wenn sich alles andere verändert hat.

Weiter stöbern im Circle Mag:

Dein daily News-Update im Circle Mag

Bleib stets up-to-date in Sachen Musik und Popkultur mit unseren täglichen News, Reviews und Features. Viel Spaß beim Stöbern!