Am 1. Februar 2026 werden die Grammys verliehen. Ein sezierender Blick auf die Nominierungen zeigt immer sehr deutlich, was derzeit angesagt ist, was wissentlich ignoriert wird – und was bald schon trenden könnte. Spoiler: Die Ära der amerikanischen Dominanz ist nahezu vorüber.
Die Grammys sind weiterhin der wichtigste Musikpreis der Welt. Wobei man ganz klar sagen muss: Gemeint war lange nur die westliche Welt, USA und Großbritannien sind bei Nominierten und Preisträger:innen nahezu übermächtig. Das bildet natürlich das Dilemma der angeblich internationalen Popkultur ab: Gewürdigt wird nur, was aus dem musikalischen Westen kommt. Alles andere wird geflissentlich ignoriert. K-Pop zum Beispiel. Ein riesiges Thema, ein riesiger Markt, und das längst global. Doch auch wenn Genre-Acts wie BTS sogar schon zur Grammy-Preisverleihung eingeladen wurden, um dort zu performen und für eine gewisse Strahlkraft zu sorgen: Kein K-Pop-Act wurde jemals mit einem Grammy ausgezeichnet.
Gern wurden die Grammys deswegen als Festung bezeichnet, als Bollwerk des Westens, der nur Acts aus seinem Kulturkreis honoriert. 2026 könnte sich das endlich ändern. Erstmals in der Grammy-Geschichte sind K-Pop-Artists und -Songs in den wichtigsten Kategorien nominiert, APT. etwa von Rosé (Blackpink) feat. Bruno Mars oder natürlich der Soundtrack von KPop Demon Hunters mit dem omnipräsenten Song Golden. Für den könnte es dieses Jahr sogar Song Of The Year geben. Schauen wir uns die Königskategorien also mal genauer an.
Von den Grammys zu dir nach Hause:
Record Of The Year
Im Vergleich zu Song Of The Year honoriert Record Of The Year alle an einem Song Beteiligten. Das Feld 2026 ist überwiegend gewohnt: Sabrina Carpenter, Billie Eilish, Chappell Roan, Lady Gaga, Kendrick Lamar & SZA. Mit Bad Bunny wird es immerhin ein bisschen aufgebrochen, immerhin rappt und singt er größtenteils auf Spanisch, aber das erwähnte APT. von Rosé & Bruno Mars darf hier als große Überraschung gelten.
Album Of The Year
Mit die wichtigste Kategorie: Hier hoffen wieder Bad Bunny, Sabrina Carpenter, Kendrick Lamar und Lady Gaga, aber auch Justin Bieber, Leon Thomas, Tyler, The Creator und, überraschend, die Hip-Hop-Ikonen Clipse auf die Trophäe. Überwiegend erwartbar also.
Song Of The Year
Auch hier Erwartbares (Lady Gaga, Bad Bunny, Sabrina Carpenter, Kendrick Lamar, Billie Eilish. Mit APT. und Golden aber eben gleich zwei K-Pop-Songs, deren erster Grammy zum Greifen nah ist. Doechii hätte vielleicht niemand auf dem Schirm gehabt. Erst letztes Jahr gab es den Hip-Hop-Grammy, jetzt könnte es auch hier klappen.
Best New Artist
Auch beim Newcomer setzt sich ein Grammy-Trend fort: Es ist die große Ära der Solokünstlerinnen. Olivia Dean, Addison Rae, Lola Young … der Pop bleibt auch 2026 fest in weiblicher Hand. Mit sombr ist zudem einer der großen männlichen Durchstarter des Jahres nominiert.
Was sagt das eigentlich aus?
Ja. Schauen wir also mal, was man daran für die gegenwärtigen Musiktrends ablesen kann: Die Musikwelt wird globaler. Die Ära der amerikanischen Dominanz ist vorbei. K-Pop ist das Genre der Stunde. Wichtiger wahrscheinlich als westlicher Pop. Bad Bunny wird 2026 endgültig zum globalen Phänomen werden und dem Super Bowl in eine puertoricanische Feier verwandeln. Gerade in Zeiten der Spaltung ist das natürlich ein ungemein wichtiges Signal. Schön, dass die Grammys das mit zahlreichen Nominierungen mittragen. Korea und Puerto Rico rollen das Feld ganz allgemein von hinten auf, doch der große weiße weibliche Popstar ist immer noch ganz oben.
Aber das ist es eben auch: Wenn die Grammys sich auf etwas eingeschossen haben, dann ziehen sie es sich durch. Waren die letzten Jahre allesamt Taylor-Swift-Festspiele, ist ihre Abwesenheit in diesem Jahr eklatant. Dafür ist Lady Gaga so was von back, das sah ja auch schon mal anders aus. Zudem werden die Grammys zunehmend jünger. Das sieht man vor allem bei Best New Artist, wo mit Addison Rae, Katseye oder sombr gleich mehrere Artists nominiert sind, die dank Social Media groß geworden sind.
Die übrigen Kategorien sind da natürlich weniger aussagekräftig, weil sie sehr genrespezifisch arbeiten. Doch selbst da ist Bewegung drin. Letztes Jahr bekam Beyoncé als erste Schwarze Frau den Country-Grammy, dieses Jahr könnte dem Sänger Shaboozey eine ähnliche Sensation gelingen. Ansonsten ist alles in Sachen Alternative, Rock und Metal natürlich immer noch viel zu weiß. Aber vielleicht, zwinker zwonker, darf man von der Jury auch nicht zu viel auf einmal erwarten.