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Videospiele gehören längst zu den prägendsten Kulturformen unserer Zeit. Gemessen an Produktionsbudgets, Reichweite und wirtschaftlicher Wirkung übertreffen sie den Kinofilm seit Jahren. Dass dazu die richtige Musik gehört, war nicht immer selbstverständlich. Die Zeiten, in denen ein paar 8-Bit-Sinustöne als Untermalung reichten, sind lange vorbei. Heute entstehen Videogame-Scores als vollständige Orchesterproduktionen, aufgenommen mit Live-Ensembles, konzipiert von Komponist:innen, die zwischen Spielmusik, Konzertsaal und Popkultur pendeln. Wir widmen uns an dieser Stelle zehn der besten Videospielsoundtracks aller Zeiten.
1. Doom (2016) – Mick Gordon
Ein Gemetzelfest wie Doom braucht natürlich den richtigen Soundtrack – und dass der ziemlich Metal werden würde, ergibt Sinn. id Softwares ursprüngliche Vorgabe an Mick Gordon lautete aber eigentlich: keine Gitarren. Nicht mit Mick, Leute! Gordon nahm den Chainsaw-Soundeffekt aus dem Original-Doom von 1993 und transformierte ihn mithilfe des Zynaptiq-Morph-Plugins in ein verzerrtes Gitarrensignal. Das wurde der Ausgangspunkt. Er baute außerdem ein adaptives System aus modularen Musikschichten, die je nach Spielgeschehen dynamisch ein- und ausgeblendet werden — kein linearer Track, sondern ein reagierender Score. Der gewann unter anderem bei den Game Awards, den DICE Awards und dem SXSW; bei den BAFTAs wurde er nominiert. Dass der Streit mit Bethesda über die Abmischung des Nachfolgers Doom Eternal öffentlich und bis heute ungelöst blieb, gehört zum Bild dazu.
2. The Legend Of Zelda: Breath Of The Wild (2017) – Manaka Kataoka, Yasuaki Iwata, Hajime Wakai
Platz zwei geht an einen Nintendo-Klassiker. Kataoka hatte zuvor hauptsächlich für die Animal-Crossing-Reihe gearbeitet. Für Breath Of The Wild entwickelte sie ein adaptives System aus minimalistischen Klaviermotiven, die auf Wetter, Tageszeit, Standort und Spielerhandlung reagieren. Der Ansatz war bewusst: Stille als Gestaltungsmittel. Ob das die richtige Entscheidung war, darüber lässt sich streiten — aber es hat funktioniert, und seitdem wird es in der Branche diskutiert.
3. Super Mario Galaxy (2007) – Mahito Yokota & Koji Kondo
Yokotas erster Entwurf war Latin-Percussion, Bongos, karibische Leichtigkeit. Kondo, der als Supervisor fungierte, lehnte ihn ab. Was danach entstand, ist ein Orchesterscore — 77 der 81 Tracks von Yokota, vier von Kondo. IGN wählte ihn zum besten Spielsoundtrack des Jahres 2007. Gusty Garden Galaxy wird bis heute in Konzertprogrammen weltweit gespielt, von Ensembles, die sich sonst Beethoven und Brahms widmen. Das sagt eigentlich alles.
4. Halo: Combat Evolved (2001) – Martin O’Donnell & Michael Salvatori
O’Donnell und Salvatori begannen die Komposition des Halo-Themas 1999, damals noch als freischaffendes Duo. Gregorianischer Choral zum Ego-Shooter — niemand hatte das verlangt, und es hat trotzdem den Klang des Science-Fiction-Shooters für eine ganze Konsolengeneration definiert. Technisch war auch einiges dabei: Die Musik wurde in Segmente zerlegt, die die Audio-Engine situationsabhängig neu zusammensetzte. Für 2001 war das ungewöhnlich.
5. NieR: Automata (2017) – Keiichi Okabe
Keiichi Okabe ließ Sängerin Emi Evans Vokalstücke in erfundenen Sprachen aufnehmen — Kunstlautmalerei ohne grammatikalische Grundlage. Der abschließende Track Weight Of The World existiert in mehreren Sprachversionen, darunter Japanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Der Score füllt heute Konzertsäle in Tokio und London. Für ein Spiel, das 2017 zunächst als Nischentitel galt, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung.
6. Red Dead Redemption 2 (2018) – Woody Jackson & Daniel Lanois
Jackson hatte bereits den Score für Red Dead Redemption (2010) mitkomponiert. Für den zweiten Teil arbeitete er mit Daniel Lanois zusammen — dem kanadischen Klangarchitekten, der als Produzent von U2, Bob Dylan, Neil Young und Peter Gabriel zu den einflussreichsten Figuren der Rockgeschichte gehört. 192 eigenständige Kompositionen, über 110 beteiligte Musiker:innen, darunter Saxophonist Colin Stetson, das indonesische Duo Senyawa und Produzentin Arca. Willie Nelson und Rhiannon Giddens singen auf dem separat veröffentlichten Soundtrack-Album. Bei den Game Awards 2018 gewann der Score in der Kategorie Best Score/Music.
7. Persona 5 (2016) – Shoji Meguro
Meguro ist seit 1995 bei Atlus und hat die Musik der gesamten Persona-Reihe geprägt. Für Persona 5 verbrachte er nach eigenen Angaben sechs Monate damit, eine Richtung zu finden, und landete schließlich bei Acid Jazz — Jamiroquai und United Future Organization als erklärte Referenzen. Produzent Katsura Hashino gab keine inhaltlichen Vorgaben. Die Vocals kommen von Lyn Inaizumi, 110 Tracks über drei CDs. Es ist der einzige Score auf dieser Liste, den man sich vorstellen kann, ohne das Spiel je gespielt zu haben — einfach weil die Musik funktioniert.
8. The Last Of Us (2013) – Gustavo Santaolalla
Santaolalla hatte zwei Oscars für Filmmusik gewonnen — für Brokeback Mountain und Babel — als Naughty Dog ihn anfragte. Es war sein erster Videogamescore. Er spielte ihn größtenteils selbst ein: Ronroco, ein in Bolivien entwickeltes Zupfinstrument aus der Charango-Familie, dazu Banjo und Gitarre. Das Gleiten der Finger über die Saiten bei Griffwechseln blieb bewusst im Mix. Neil Druckmann hatte das Ziel so formuliert: emotional, nicht erschreckend.
9. Undertale (2015) – Toby Fox
Toby Fox entwickelte Undertale weitgehend allein. Alle 101 Tracks entstanden parallel zur Spielentwicklung, autodidaktisch, begonnen als Beiträge zum Webcomic Homestuck. Das Leitmotiv-System ist konsequent: Jedes Thema kehrt wieder, transformiert, gebrochen. Megalovania, ursprünglich für einen EarthBound-ROM-Hack entstanden, wurde 2019 als DLC-Track in Super Smash Bros. Ultimate aufgenommen — ein Weg, den vor Toby Fox vermutlich niemand für möglich gehalten hätte.
10. Chrono Trigger (1995) – Yasunori Mitsuda & Nobuo Uematsu
Mitsuda war 23 Jahre alt und drohte zu kündigen, wenn er das hier nicht machen durfte. Ende gut, alles gut? Nun ja, nicht wirklich. Er bekam den Auftrag, überarbeitete sich bis zum Magengeschwür und musste hospitalisiert werden. Nobuo Uematsu übernahm zehn der verbliebenen Tracks. Das ist die bekannteste Entstehungsgeschichte in der Historie der Spielmusik — und der Score selbst hält, was die Anekdote verspricht. Er folgt den Zeitebenen des Spiels mit unterschiedlichen Instrumentierungen pro Epoche, alles auf der Hardwarebeschränkung des Super Nintendo. To Far Away Times, das Abschlussstück, wird seit drei Jahrzehnten in Konzertprogrammen gespielt.