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Erstes Album: Adéla hat die „Dream Academy“ längst abgeschüttelt
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Die Casting-Show Dream Academy war dramaturgisch ehrlich gesagt ganz schön vergurkt. Was sie trotzdem gerettet hat: Die wirklich fantastisch gecasteten Teilnehmerinnen, aus deren Kreis am Ende eben nicht nur KATSEYE hervorgegangen sind. Eine, der in der Show ganz schön übel mitgespielt wurde, dreht gerade erst so richtig auf: Adéla Jergová, die kürzlich ihr Debütalbum Prima für den 4. September angekündigt hat.
Hier PRIMA von Adéla vorbestellen:
Es ist ein guter Zeitpunkt, um etwas genauer auf die Karriere und das Leben von Adéla zu schauen. Mitte Juli kam nämlich ihre neue Single Ain’t in L.A. raus, die wieder einmal ihre eigene Biografie sehr geschickt künstlerisch ausleuchtet. Dazu muss man wissen: Adéla ist in der Slowakei aufgewachsen. Genauer gesagt in Bratislava. Geboren wurde sie am 27. November 2003, gut ein halbes Jahr vor dem EU-Beitritt des kleinen Landes, das erst 1993 als eigenständiger Staat gegründet wurde.
Popstar zu werden, war für die kleine Adéla ein Traum – aber für sie keiner, den man nicht mit harter Arbeit und Leidenschaft erreichen kann. Schon in der vorherigen Single sang sie darüber, wie sie als Kind nachts vor YouTube hing und sich mit Hannah Montana und diversen amerikanischen YouTuber:innen Englisch drauf schaffte. Die Lines dazu: „I was, like, eight, working the night shift to learn English / I'm like a spy, I studied this shit, call me the K-G-Bitch.“ Vorsichtshalber stellte Adéla übrigens klar, dass sie mit dem Song, der wie der sowjetische Geheimdienst heißt, keine Werbung für Russland machen wolle: Der hieße so, weil man sie in den USA oft für eine Russin halte und sie sich damals eben wie eine kleine Spionin gefühlt hätte.
Die „baddest bitches“ starten in der Provinz – und erobern irgendwann L.A.
Ain’t in L.A. geht nun noch einen Schritt weiter. Der Song ist Adélas Hymne auf alle, die einen ähnlichen Traum haben – und noch eine Weile in der Provinz oder sonst wo ausharren müssen, bevor sie in L.A. groß rauskommen. Die erste Strophe zeichnet dabei dieses Bild: „She shares a room with her younger brother / Clothes secondhand from her best friend’s mother / Cut ’em all up, yeah, she got her own style / Madonna on the wall next to Destiny’s Child.“
Spätestens der empowernde Chorus catcht einen dann so richtig: „Maybe tonight, we don’t gotta run away / It’s all a lie, the baddest bitches ain’t in L.A. / Enjoy the ride, I know that you might wanna escape / It’s all a lie, the baddest bitches ain’t in L.A.“ Die Message ist klar: Bad Bitches wie sie kämpfen sich durch, bis sie irgendwann in der großen Stadt ankommen.
Im Video feiert Adéla ihre Heimat und ihre Family. Schon vor Monaten sagte sie auf die Frage, was sie in Zukunft denn noch so alles an crazy Stuff in ihren Videos zeigen wollen würde: „Meine Mutter.“ Die ist nun im Video zu sehen – ebenso Adélas Schwester. Es ist eine herzwärmende Szene, wie sich diese drei Baddies auf dem Sofa umarmen. Aber auch der Rest des Clips hat diese sehr coole Mischung aus Bratislava-Vibes, Girl-Gang-Momenten und der wie immer alles pink überstrahlenden Adéla. Was sie mit dem Song sagen will, erklärte sie schon bei ihrer L.A.-Show vor einigen Wochen mal sehr schön:
@adelamachine guyssss i’m so proud 😭😭 #adela #popgirl #aintinla #newmusic #tour ♬ original sound - aadelarina
Zum Release der Single erzählte Adéla außerdem, dass ein altes Foto ihrer Mutter die Inspiration zum Song lieferte. Ihre Ma war darauf 18 Jahre alt und stand im damals noch kommunistischen Bratislava vor einer Wand mit Postern voller amerikanischer Popkulturmotive. „Mein Großvater hat die Plakate aus Deutschland eingeschmuggelt“, erzählt sie. „Da dachte ich mir: ‚Es gibt so viele schöne Mädchen mit großen Träumen, die niemals ihre Blumen bekommen werden, so wie meine Mama.‘ Ich habe das für sie geschrieben – und für die Milliarden anderen Mädels, die wahrscheinlich cooler sind als ich.“
Das toughe Girl’s Girl
Das Zitat ist spannend, zeigt es doch etwas, was viele an Adéla schätzen. Sie ist tough, irre ehrgeizig, sie arbeitet hart, sie hat die unbarmherzige Schule einer Ballett-Ausbildung hinter sich, sie sieht aus wie ein verdammter Popstar – aber sie hat immer auch ein Auge für andere, die man durchaus als Konkurrenz sehen könnte.
Das war schon in der Dream Academy so – und trotzdem wurde sie von der Regie als intrigant dargestellt und als treibende Kraft hinter der Kritik am Umgang mit Manon Bannerman. Dabei ging es Adéla nie darum, andere runterzumachen – sie störte sich nur daran, dass die Dream Academy ständig die Regeln änderte. Sie war angetreten, als es hieß, Leistung zahle sich aus – und plötzlich kamen neue Bewerberinnen dazu, denen man eine diffuse Star-Quality nachsagte und die man in ihren Augen mit Samthandschuhen anpackte. Auch dass man plötzlich in einer Survival-Show war, bei der man aus dem Programm fliegen konnte, war zum Beispiel anfangs nicht kommuniziert worden.
Adélas Abschiedsrede in der Dream Academy erscheint damit aus heutiger Perspektive noch ergreifender. Ihr wurde übel mitgespielt, und trotzdem baut Adéla ihre Konkurrentinnen auf und sagt ihnen: „Ihr braucht das hier nicht. Es ist toll, wenn ihr es schafft, aber ihr seid auch allein gut.“
@adelaarchive seeing her face still hits me so hard 😢 to then be called the mean girl! @ADÉLA 🫶 #adela #dreamacademy #katseye #hybe #popstaracademy ♬ original sound - ADÉLA
Trotz und Provokation
Wer Adéla danach bei TikTok im Blick behielt, spürte schnell: Da passiert Spannendes. Sie nutzte die neue Reichweite, um auf den Socials Gas zu geben. Selbst den Hate gegen sie – weil sie eben in der Netflix-Doku als zickig gezeigt wurde, obwohl fast alle Teilnehmenden sagten, sie sei super supportiv gewesen – nutzte sie für mal sweete, mal laute „Jetzt erst recht“-Posts. Und zwar nach ihren eigenen Regeln auf ihren eigenen Profilen – frei vom Einfluss der großen Labels hinter Dream Academy.
@adela and now i’m so happy and have so many people who love my music<333 loveudivas!!!
♬ this is only for nice people btw - claire 🪐💫
Die Fuck-you-Attitüde prägte anfangs auch ihre Musik. Während KATSEYE zunächst mit der Debüt-EP SIS – Soft Is Strong und Singles wie Touch auf Sweetness setzten und eine große Major-Produktion im Rücken hatten, produzierte Adéla ihre starken Debütsingles Homewrecked und Superscar überwiegend im Alleingang und setzte in ihren Tanzvideos auf offensive Sexyness. Kurz: Sie traute sich Sachen, die KATSEYE (damals noch) nicht bringen konnten.
Der Sound dazu: sehr elektronischer Hyper-Pop, der in seinen richtig guten Momenten wie ein aufgekratztes Update des Britney-Blackout-Sounds klang. So dauerte es nicht lange, bis Adéla wieder von einem Major-Label gesignt wurde: Sie veröffentlichte ihre Debüt-EP The Provocateur bei Capitol Records – das, wie auch HYBE und Geffen, zur Universal Music Group gehört. Das herrlich provozierende Cover (übrigens eine Hommage an Sophy Ricketts Bilderreihe Pissing Women) zeigte dann aber gleich wieder, dass sie nicht vorhat, für ein großes Label braver zu werden.
Sex-positiv und rauflustig
Das gilt auch für das Video zur ersten Single aus der EP: SexOnTheBeat. Adéla tanzt darin hart an der Grenze zum NSFW-Bereich und kritisiert zugleich die Art und Weise, wie die Musikindustrie Frauen wie sie sexualisiert. Ihr Gegenmittel: Sex Positivity und eine Art lyrische Rauflust.
So singt Adéla: „Do my dirty dance tonight / Serve it on a silver platter, baby / Make you think the choice is mine / All mine, all mine, all mine, all mine / Begging you to fetishize / Don’t care if you wanna fuck (ah) or save me / Bend to any shape you like / You like, you like, you like, you like.“
Im Video zelebriert sie ihre eigene Sexualität und überzeichnet sie zugleich im Kontext der Musikindustrie. Damit wandelt sie sehr bewusst auf den Spuren von Britney, Miley und Madonna. Inzwischen haben das auch viele namhafte Kolleginnen gemerkt: So nahm Demi Lovato sie mit auf Tour und Grimes sagte in einem Interview, sie sei „obsessed“ mit Adélas Musik.
Prima Zeiten für Prima
Sieht also ganz danach aus, als könne Prima ein Highlight des Pop-Jahres werden. Die letzten Singles – neben den bereits erwähnten KGB und Ain’t in L.A. gab es noch Red Bottoms –, die auch auf dem Album sein werden, bestätigen diese Vermutung. Im Vergleich zur Debüt-EP ist der Sound noch ausgefeilter, was zu einem großen Teil den Executive Producern Dylan Brady und Blake Slatkin zu verdanken ist. Aber auch die Lyrics sind noch pointierter – vor allem, weil sie immer wieder Adélas Biografie einweben und zur eigenen Lore werden lassen.
Das zeigt auch wieder der smarte Titel, den sie so erklärt: „PRIMA bedeutet ‘die Erste’, was perfekt passt, da es mein Debütalbum ist. Prima Ballerina zu sein bedeutet, dass man die Nummer eins oder die beste Ballerina des Ensembles ist. In der Welt der Ballerinas ist das ein sehr anerkennender Kosename. Ich möchte die Prima Ballerina des Pop werden, und das ist mein erster Schritt auf diesem Weg.“ Das stimmt nicht ganz: Diese ersten Schritte hat sie schon längst hinter sich.