Rei Ami macht keine Musik für Kids (mehr)

Rei Ami
Foto: Cover
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Der Netflix-Animations-Hit KPop Demon Hunters hat viel Gutes gebracht: Das Interesse an koreanischer Kultur und K-Pop wuchs, der Film wird mit jedem Schauen besser, viele junge Mädchen fühlten sich von den drei Huntr/x-Musikerinnen empowert und der Soundtrack zum Film ist eine unserer liebsten K-Pop-Platten des letzten Jahres.

Das größte Plus für uns war allerdings, dass man dank des Films drei faszinierende Musikerinnen ins Scheinwerferlicht schubste. Sängerinnen, Songwriterinnen, Rapperinnen und Produzentinnen, die schon lange zwischen Korea und den USA spannende Songs von Pop bis Rap veröffentlichen: Ejae, Audrey Nuna und Rei Ami. Es war eine große Freude, den Dreien dabei zuzuschauen, wie sie auch auf ganz realen Bühnen hin und wieder zu einer Band wurden und Hits wie Golden vor einem riesigen Publikum performten. Auch der freundschaftliche Vibe der Drei bei gemeinsamen Auftritten war ebenso unterhaltsam wie wholesome.

KPop Demon Hunters war gestern

Aber: In den letzten Monaten merkte man, dass es jetzt auch mal gut ist mit dem KPop Demon Hunters-Hype. Eine Fortsetzung soll es zwar geben, aber alle drei konzentrieren sich seit einer Weile erst einmal wieder auf ihre Solo-Karrieren. Und damit wären wir bei Rei Ami, die kürzlich ihre Single 2LOUD veröffentlicht hat. Song und Video machen schnell klar, dass sie es ein wenig satt hat, nur Musik für Kinder zu machen. Rei Ami ist vorlaut, grell und sexy, fragt mit einem „Was willst du von mir?!“-Blick immer wieder in die Kamera: „Am I too loud?“

Im Pre-Chorus lacht sie mit einem Chor im Rücken: „Ha, ha, said what I said / Blah, blah, I’m gettin’ paid (Talk)“. Der zweite Verse sagt dann recht deutlich, was wir schon in der Headline angeteased haben: „Not safe for your work, cry about it / Zero to a hundred, real quick, supersonic / Middlе fingers up, I could give a what, start a riot.“

Wie „Hello Kitty mit einem Messer in der Hand“

Wer das nicht wissen sollte: „not safe for work“, kurz NSFW, heißt so viel wie „nicht jugendfrei“. Dem Magazin Hunger sagte Rei Ami kürzlich über 2LOUD: „Der Song ist verspielt. Er ist ehrlich. Es sind all die Gefühle drin, die ich in den letzten zwei Jahren oder so empfunden habe.“ Da gab es zwar viel Schönes, aber eben auch Selbstzweifel und einen gewissen Trotz. So habe es immer wieder Online-Kommentare gegeben, die meinten, sie sei irgendwo zu laut oder zu sexy gewesen. Sie solle doch daran denken, dass sie ein Role Model für junge Kids ist.

Rei Ami erzählt, sie habe plötzlich das eigene Verhalten ungesund genau analysiert und sich immer wieder gefragt: „Haben die recht? Bin ich too much?“ Irgendwann sei daraus aber ein gesunder Trotz geworden. „Ich habe mir gedacht: Bitches, ihr wisst noch gar nicht, was es bedeutet, wenn ich mal wirklich zu laut bin!“

Ihre alten Fans, die vielleicht sogar schon seit 2019 dabei sind, als die erste Single MAKE IT MINE veröffentlicht wurde, dürften in der neuen Rei Ami vor allem die alte Rei Ami wiedererkennen: die laute, experimentierfreudige, mal bunte, mal darke Persona, die ihre Fans mit dem Vergleich, sie sei „Hello Kitty mit einem Messer in der Hand“ sehr schön beschrieben haben. Wobei ihr Name ja eher aus dem Sailor Moon-Universum stammt: Er ist eine Hommage an die Charaktere Rei Hino und Ami Mizuno.

Bitte mehr vom shhh-Vibe!

Rei Ami arbeitet gerade an einem Album – was sie allerdings schon seit Jahren tut. Der KPop Demon Hunters-Hype sprengte zwar alle Zeitpläne, aber sie habe nie daran gedacht, die Arbeit einzustellen. Im Hunger-Magazin sagt sie dazu: „Es ist unvermeidlich, dass ich zu diesem Album zurückkehre. Ich habe eine größere Plattform, ich habe ein größeres Publikum, und es ist der perfekte Zeitpunkt, mich der Welt neu vorzustellen.“

Wir hoffen sehr, Rei Ami knüpft dabei an ihre letzte reguläre EP shhh an. Die ist nämlich nicht weniger als ein Banger – und ein tougher Schlag in die Fresse, der nicht umsonst einen „Parental Advisory: Explicit Content“-Sticker auf dem Cover trägt. In Songs wie random acts of violence, yellow tape und body bag geht es um Gewalt und andere menschliche Abgründe. Der Sound changiert zwischen wütendem Pop, Trap und sehr dunklem Rap. Der stärkste Track, body bag, hat sogar einen dröhnenden Industrial Vibe und einen creepy Chorus, den man Kindern wirklich nicht vorspielen sollte.

2LOUD ist auf jeden Fall schon mal ein guter Fingerzeig, was wir erwarten könnten. Hello Kitty hat das Messer wieder geschärft, die Sweetness ihres Pop-Exkurses aber noch nicht ganz abgelegt. Gerade in diesem Spannungsfeld könnte Rei Ami uns alle überraschen. 

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