Zurück zu den Wurzeln: Brandi Carliles „Returning To Myself“

Brandi Carlile für "Returning to myself"
Foto: Collier Schorr

Gemeinsam mit Andrew Watt, Aaron Dessner und Justin Vernon sucht Brandi Carlile sich selbst in der Musik und findet neue und alte Klänge. Dafür musste sie neu lernen, allein zu sein und stellt sich dem Unbehagen.

Nun ist es raus: Die queere Country-Queen Brandi Carlile wird am 24. Oktober ein neues Album herausbringen und der Titel verspricht eine große Reise zurück zu ihren Anfängen. Returning To Myself entstand in Zusammenarbeit mit den Produzenten Andrew Watt (Rolling Stones, Perl Jam, Miley Cyrus), Aaron Dessner (The National, Taylor Swift) und Justin Vernon beziehungsweise Bon Iver. Mit diesen Kollaborateuren scheint Brandi Carlile sich weiter im Folk bewegen zu wollen, denn alle drei Produzenten sind gerade für ihre rustikalen, intimen Folkarrangements bekannt – sowohl bei ihren eigenen Projekten, als auch bei anderen. Es ist das erste Solo-Album seit einer ganzen Weile: Zuletzt hatte Brandi Carlile an der Seite von Elton John für Furore gesorgt. Who Believes in Angels? wurde – wie sollte es bei diesen Musik-Schwergewichten anders sein – ein Album der Superlative. Jede Nummer sprühte vor pompösen Bombast, beide spornten sich zu Höchstleistungen an. Das kommende, achte Solo-Album soll ganz anders werden. 

Sanfte Töne in erster Single

Mit der Ankündigung erschien auch bereits der Titeltrack mit einem Musikvideo von der berühmten Musik-Regisseurin Floria Sigismond, die schon für David Bowie, Sheryl Crow, The Cure oder Björk hinter der Kamera stand. Die kontraststarken Schwarz/Weiß-Bilder zeigen Brandi Carlile am Meer, wo sie auf einem großen Aussichtsturm steht. Musikalisch zeigt die Single bereits die sensible, zarte Seite von Brandi Carlile. Ganz reduziert kommt der Song daher und könnte daher kaum anders sein, als das Pop-Feuerwerk, das sie mit Elton John geschaffen hatte. Einfache Akustikgitarre trifft auf ein dediziertes Piano, dass nur hie und da einen Impuls gibt.

Hinter dem Album steht eine emotionale Reise, wie Carlile beschreibt. „Ich bin nicht meine bevorzugte Person, mit der ich meine Zeit verbringen möchte“, gibt sie im Pressetext zu. „Zu mir selbst zurückzukehren ist nicht nur einsam, sondern auch schmerzhaft langweilig. So sehr, dass ich eigentlich überhaupt kein Interesse daran habe, es zu tun.“ Stattdessen ziehe es die Musikerin vor, ihre Abhängigkeiten zu vervielfachen. Aber sie habe auch gelernt, wie ungesund dieses Verhalten sei. Sie erzähl von dem Kontrast zwischen dem Alleinsein und der Gesellschaft, die sie so sehr schätzt und bevorzugt.

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„Das Zusammensein hat mir alles gegeben, was ich am Leben liebe“, erklärt Carlile. „Angefangen bei meiner ursprünglichen Familie in einem einfachen Wohnwagen, die sich um einen Holzofen versammelte, über das Leben mit meiner Band, das Verfolgen meiner Frau, wohin sie auch ging, das Großziehen meiner Kinder in einem Tourbus, das Lernen an der Seite von Joni Mitchell bis hin zum Musizieren mit meinem größten Helden aller Zeiten, Elton John.“ Doch warum, dann dieses Album, das sie selbst, ganz allein in den Mittelpunkt stellt? „Weil ich es nicht tun will. Weil ich nicht zu mir selbst zurückkehren will.“ Carlile stellt sich also ihren Ängsten und gibt sich auf diesem Album dem Unbehagen hin. Ob dabei der nunmehr 12. Grammy für Carlile entspringt? Mit Bon Iver und Aaron Dessner an ihrer Seite, würde es niemanden überraschen.

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