Nostalgie pur: Diese Film-Soundtracks der Achtziger gehören in deine Sammlung

Indiana Jones
Foto: CBS via Getty Images

Eine gute Soundtrack-Platte erkennt man daran, dass man sie auflegt, ohne zwangsläufig an den Film zu denken. Manchmal sogar, ohne ihn je gesehen zu haben. In den Achtzigern gab es davon eine Menge. Das lag an den Synthesizern, die plötzlich bezahlbar waren und einem einzelnen Menschen im Studio den Klang eines halben Orchesters gaben. Es lag auch an MTV, wo jeder Titelsong ein zweites Leben als Video bekam. Und es lag daran, dass die Plattenfirmen gemerkt hatten, wie gut sich Film und Musik gegenseitig verkaufen. Werfen wir doch mal einen Blick auf sieben großartige Soundtracks der Achtziger.

Prince And The Revolution – Purple Rain

Drehen wir die Verhältnisse zum Beginn gleich mal um: Nicht die Platte braucht den Film, der Film braucht die Platte. 24 Wochen auf Platz eins der US-Charts, 1984, fast ein halbes Jahr. When Doves Cry kommt ohne Bassspur aus und funktioniert trotzdem. Let's Go Crazy beginnt wie ein Gottesdienst, der gleich entgleist. Das Titelstück nimmt sich über acht Minuten, weil es die eben braucht. Funk, Rock, Pop, Gospel – Prince stellt sie nicht ordentlich nebeneinander, er lässt sie ineinanderlaufen. Der Oscar kam obendrauf.

Giorgio Moroder – Scarface

Tony Montana hätte zu dieser Musik auch ohne Kamera eine schlechte Entscheidung nach der anderen getroffen. Moroders Soundtrack zu De Palmas Film von 1983 treibt, glänzt und bleibt dabei eiskalt. Push It To The Limit mit Paul Engemann liefert den Ehrgeiz gleich im Titel. Debbie Harry übernimmt Rush Rush. Dazwischen bauen Synthesizer eine Welt, in der alles nach Aufstieg klingt und nichts nach gutem Ende. Moroder, der von München aus die Disco mitgeprägt hatte, trifft den Ton auf den Punkt: luxuriös an der Oberfläche, unbarmherzig darunter. Versuch mal, dir Scarface mit Orchester vorzustellen. Geht nicht.

John Williams – Raiders Of The Lost Ark

Und jetzt die Gegenprobe: Während die Elektronik das Kino umbaute, griff Williams 1981 für Spielberg tief in die Abenteuertradition. Großes Orchester. Weit ausgreifende Melodien. Blechbläser, die nicht lange um Aufmerksamkeit bitten. Der Raiders March gehört inzwischen so selbstverständlich zu Indiana Jones wie Hut und Peitsche. Ein paar Takte genügen, und die Figur ist da. Harrison Ford muss dafür nicht mal durchs Bild laufen. Das ist keine Nachahmung des klassischen Abenteuerkinos, sondern dessen Fortschreibung. Wo Moroder Spannung aus Kälte holt, setzt Williams auf Schwung. Zurückhaltung wäre hier wirklich fehl am Platz.

Angelo Badalamenti – Blue Velvet

Dieser Musik kann man nie ganz trauen. Sie klingt schön. Manchmal verdächtig schön. Mit dem Film von 1986 begann die Zusammenarbeit von David Lynch und Badalamenti, die später Twin Peaks und Mulholland Drive prägen sollte. Mysteries Of Love schwebt durch diese Welt, als könnte ihm nichts passieren. Genau das macht den Song unheimlich. Dazu Bobby Vintons Blue Velvet von 1963 und Roy Orbisons In Dreams. Lynch legt keine neuen Noten in diese Songs, sondern neue Bilder darüber. Wer Dennis Hopper einmal dazu gesehen hat, hört Orbison danach anders. Für immer. Badalamenti starb 2022, Lynch 2025. Die Klangwelt bleibt.

Zum vierzigsten Jubiläum erscheint der Soundtrack bei Varèse Sarabande neu, in schillernder Rainbow-Foil-Hülle

Dave Grusin – The Goonies

Erst mal die schlechte Nachricht für alle, die schon mitsingen wollten: Cyndi Laupers The Goonies ’R'’Good Enough ist nicht dabei. Hier geht es um Grusins Filmmusik, nicht um das Pop-Album von 1985. Die beiden auseinanderzuhalten lohnt sich. Grusin begleitet die Schatzsuche durch Keller, Höhlen und Fallen bis zum Piratenschiff. Seine Musik muss Bedrohung aufbauen, ohne den Spaß zu killen, und Staunen erzeugen, ohne jeden Moment mit Bedeutung zuzukleistern. Fratelli Chase macht gleich klar, dass dieses Abenteuer keine Anlaufzeit braucht. Danach folgt man der Musik auch ohne Film gern durch die Gänge. Sie erinnert daran, wie ernst Kinderkino seine kleinen Held:innen mal nehmen konnte.

Charles Bernstein – April Fool’s Day

Die kurioseste Platte dieser Auswahl – und die mit der besten Geschichte. Bernstein hatte Cujo vertont und A Nightmare On Elm Street, als er 1986 die Musik zu Fred Waltons Slasher schrieb. Zwischen makabrem Spaß und echter Bedrohung musste er hin- und herwechseln, ohne zu früh zu verraten, woran man gerade ist. Nur: Wer damals die LP kaufte, hörte nicht, was im Kino lief. Bernstein hatte für das Album eine eigene Synthesizerfassung eingespielt. Die Kompositionen waren vertraut, der Klang ein völlig anderer.

Die Deluxe-Edition führt beide Seiten zusammen, das Synthesizerprogramm von damals und die zuvor unveröffentlichte Orchesteraufnahme. Das ist mehr als Bonusmaterial. Man hört, wie stark die Instrumentierung dieselbe Idee verändert, wie Horror DNA in seiner Besprechung treffend feststellt. Aber auch, warum eine Soundtrack-Platte nicht zwangsläufig dokumentiert, was tatsächlich im Film passiert ist.

David Bowie – Labyrinth

Jim Hensons Film floppte 1986 nach Strich und Faden. Die Kultverehrung musste er sich später erarbeiten. Bowie hatte einiges hinterlassen: fünf Songs und einen Koboldkönig, dessen Erscheinung man auch Jahrzehnte später mit keinem anderen Filmherrscher verwechselt. Zwischen seinen Stücken steht Trevor Jones’ Score. Magic Dance übernimmt die Aufgabe, tagelang im Kopf zu bleiben. As The World Falls Down liefert die Romantik, Underground öffnet die Tür zum Gospel. Bowie wirkt dabei nie wie ein Popstar, den man für den Titelsong eingekauft hat. Er gehört in diese seltsame Welt.

Die  Sammlerausgabe nimmt es mit der Seltsamkeit ebenfalls ernst: Bei der Bog of Eternal Stench-Pressung ist Flüssigkeit in der Platte eingeschlossen. 

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