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Review: Mit „Ride Lonesome“ knüpft Beck an glorreiche „Sea Change“-Zeiten an
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Meisterhafte Melancholie in Cinemascope: Ride Lonesome ist Becks jüngstes Alt-Folk-Meisterwerk. Ein wunderschönes Album voller Balladen und Meditationen, so verloren und weit wie das Land, in dem sie entstanden sind.
Beck kann alles. Also, wirklich alles. Auf 14 Platten hat der Musiker Folk, Funk, Soul, Hip-Hop, Elektronik, Alternative Rock, Country und Psychedelia erforscht, hat Lo-Fi cool gemacht, das Slackertum in den Mainstream gebracht, Grammys gewonnen, Platin erhalten.
Nun hat er mit Ride Lonesome sein 15. Album veröffentlicht. Sieben Jahre nach Hyperspace. Aber das ist egal, denn es ist möglich, dass dieses Album sein bisher bestes ist. Letztlich wird das natürlich erst die Zeit zeigen, weil die unsterblichen Lieder von Sea Change schon viel länger in uns nachklingen und einen festen Platz in unseren eigenen musikalischen Biografien eingenommen haben. Aber Teufel auch, ist das ein gutes Album.
Beck im Circle Store:
Songs aus der Dämmerung
Lieder voller zarter Melancholie, Echokammern aus Verlust und Einsamkeit, Meditationen, so groß, flächig und weit angelegt wie das Land, in dem sie entstanden sind. Sphärisches Piano, Americana-Gitarren, feierliche Orchester-Arrangements, beinahe sakraler, beschwörender Gesang… Ride Lonesome wirkt wie ein Pop-Album in wunderschöner Zeitlupe. Songs aus der Dämmerung, Songs für die Dämmerung.
Beck selbst sieht Ride Lonesome als emotionale Schwester von Sea Change und Morning Phase. Und hat sich bewusst lang Zeit gelassen für diese Kollektion berührender, elegischer Lieder. „Diese Art von Musik braucht viel Zeit, und man kann sie nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln“, sagte er gegenüber dem NME. „Der Gesang, das Spiel – alles muss genau die richtige Emotion treffen. An manchen Tagen will das einfach nicht klappen. Man verbringt viel Zeit damit, darauf zu warten, dass sich alles zusammenfügt. Ich musste mich eine Weile mit allem auseinandersetzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ich es singen, wie ich es spielen und wie ich es zum Leben erwecken kann.“
Wiegenlieder für eine zerbrochene Beziehung
Er hat es geschafft. Und sich selbst übertroffen. Die zwölf Lieder summen mit einer ganz besonderen Aura, gespenstisch und nicht ganz von dieser Welt, verhallt, verhuscht, als würde man ein intimes Schauspiel belauschen, zu dem man eigentlich gar nicht eingeladen ist. Das hat Gründe. Beck macht eine Menge mit sich aus auf diesem Album. Es sind Wiegenlieder für eine zerbrochene Beziehung, eine Trauerrede für die gemeinsame Beziehung mit Marissa Ribisi, mit der er fast 15 Jahre lang verheiratet war. Ride Lonesome ist seine Auseinandersetzung mit der Beziehung, ihrem Scheitern und dem Leben danach. Wie knüpft man an? Wie beginnt man ein neues Leben ohne die Person, mit der man eigentlich ein Leben geplant hatte? Becks Antwort darauf: voller feiner Melancholie. Aber auch mit einem Schimmer von Optimismus und Akzeptanz.
Neue Wege, alte Mitstreiter
Bemerkenswert auch, dass Beck in einer weiteren Zeit des Umbruchs mit den Musikern zurückgekehrt ist, die ihm bei der Entstehung von Sea Change und Morning Phase halfen. Im Raum B der United Studios in Hollywood nimmt er mit Smokey Hormel, Joey Waronker, Justin Meldal-Johnsen, Roger Joseph Manning Jr. und Jason Falkner ein Album auf, das von all den Jahren profitiert, in denen er schon mit diesen Musikern spielt. Wahrscheinlich brauchte er die emotionale Nähe zu seinen Musikern, um ein Album wie Ride Lonesome durchzustehen.
Indie-Folk und Americana spielen sie heute ja irgendwie alle. Füllen Arenen damit. Dennoch klingt niemand wie Beck. Seine Musik hat mittlerweile etwas Sakrales, Ikonisches. Diese Ruhe, diese meditative Kraft, dieses Talent, die Schwerkraft aufzuheben und die Musik schweben zu lassen. Das kann sonst niemand so. Ride Lonesome ist also vielleicht wirklich sein bisher bestes Album. Ein durch und durch transzendentes Stück Musik.