Sport gab es in diesem Jahr auch, aber er war so unwichtig wie nie: Der Super Bowl 2026 war eine Feier für ein geeintes Amerika – und gegen die aktuelle Regierung. Dafür sorgte Bad Bunnys furiose Halbzeitshow, die das eigentliche Spiel locker in den Schatten gestellt hat.
Beim Super Bowl geht es schon sehr lange um mehr als um ein Sportereignis. Es geht um das ganze Drumherum, um die besonderen Werbespots und natürlich um die Halbzeitshow. Das galt in diesem Jahr mehr denn je. Schon im Vorfeld war die Diskussion um die Wahl von Bad Bunny als Top Act aufgeheizt, das MAGA-Lager war empört, der Rest der Welt begeistert. Das alles führte sogar so weit, dass die konservativen Hardliner eine eigene „All American“ Halbzeitshow in die Welt riefen, angeführt von MAGA-Marionette Kid Rock. Die wollte am Ende dann aber eh fast keiner sehen, weil alle Bad Bunnys Triumph miterlebten.
Amerika gehört allen
Der, und das ist nur eine der vielen ironischen Momente, sorgte eben wirklich für eine „All American“ Halbzeitshow, in dem Bad Bunny seinem God bless America eine Aufzählung aller Länder und Staaten folgen ließ, die Amerika ausmachen. Und das sind eben nicht nur die USA. Sondern viele, viele andere. Ein wichtiger Reminder, ein tolles Symbol für die Einheit und das Zusammenstehen aller Menschen.
Und die Show? Die zeigte, dass Widerstand durchaus Spaß machen kann. Und großes Entertainment ist. Bad Bunny, frisch mit dem Grammy für das beste Album des Jahres dekoriert, baute sich auf dem Rasen einer der größten Bühnen der Welt sein eigenes puerto-ricanisches Dörfchen auf. Und repräsentierte und feierte das lateinamerikanische Erbe und die lateinamerikanische Kultur zu einem Zeitpunkt, an dem die Trump-Regierung die Razzien der Einwanderungsbehörde ICE und die anti-immigrantenfeindliche Rhetorik auf ein beispielloses Niveau gesteigert hat.
Bad Bunny spricht nur Spanisch
Im Gegensatz zu den Grammys gab es vielleicht keine expliziten Verurteilungen und auch keine Bemerkungen über ICE, Trump oder die Schrecken der systemischen Unterdrückung. Doch allein, dass er während der gesamten Performance auf Spanisch sprach, war natürlich eine deutliche Botschaft. Bad Bunnys Halbzeitshow begann mit Feldarbeitern, die Getreide ernteten, während er sich seinen Weg durch hohe tropische Sträucher bahnte, und einer Darstellung des täglichen Lebens in Puerto Rico.
Der erste lateinamerikanische und spanischsprachige Solokünstler zu sein, der in dieser besonderen politischen Situation in Amerika die Halbzeitshow des Super Bowl headlinet, ist eine große Sache. Aber wie Bad Bunny im Laufe seiner Karriere bewiesen hat, versteht er es, die Schwere des Augenblicks und den damit verbundenen Druck schwerelos erscheinen zu lassen. Es war Politik. Und es war eben auch große Unterhaltung.
Dafür sorgten auch seine Gäste Lady Gaga und Ricky Martin. Dafür sorgte aber vor allem auch das Publikum, das mit seiner begeisterten Reaktion auf dieses Spektakel klarmachte, dass die USA allen gehören.
Ach so. Die Seattle Seahawks haben gewonnen.