{ $store.headerGroupManager.updateMeasurements() })" :class="{ '' : searchBarOpen , 'hidden' : !searchBarOpen }"
@keydown.escape="searchBarOpen = false; $nextTick(() => { $store.headerGroupManager.updateMeasurements(); setTimeout(() => $refs.searchToggle.focus({ focusVisible: true }), 10) })"
id="header-search-dropdown"
>
Wer kann Metal-Größen wie Mastodon in die Knie zwingen? Nur der Tod – und das tat er. Nach dem Verlust von Familie und dem eigenen Bandkollegen müssen Mastodon auf Marrow Deep von vorne anfangen. So verletzlich und abwechslungsreich klangen sie dabei selten.
Wer verfolgt hat, was bei Mastodon im letzten Jahr abging, konnte sich auf ein turbulentes Album gefasst machen. Zunächst verstarb Brann Dailors Mutter an Krebs, dann flog Leadgitarrist Brent Hinds aus der Band – kurz danach verunglückte er mit seinem Motorrad. Nach diesen Schicksalsschlägen mussten Mastodon jedoch schnell wieder die anstehenden Gigs spielen, zwei neue Bandmitglieder integrieren und ein Album aufnehmen. Alles, was bisher für Marrow Deep geschrieben worden war, bekam plötzlich einen tragischeren Überzug, aber auch die Möglichkeit, sich mit den Neuzugängen weiterzuentwickeln.
„Niemand kann in Brents Fußstapfen treten“
Nun stehen Mastodon also ohne Brent Hinds da, der schon seit der Gründung ein wesentliches Aushängeschild der Band gewesen war. „Wir alle wissen, dass niemand in Brents Fußstapfen treten kann“, sagt Troy Sanders im Pressetext. „Das ist eine unmögliche Aufgabe.“ Der neue Leadgitarrist Nick Johnston meistert das trotzdem sehr gut. Johnston ist ein Virtuose, dessen Soli eine ähnliche Mischung aus Schnelligkeit und Emotion teilen, wie Hinds es vorlegte. Er spielt zwar etwas weniger rasant und wild rupfend als Hinds, aber nicht zu fließend – das hätte sonst nach beliebigem Prog-Genudel geklungen.
Auch dass Hinds’ nasale Stimme fehlt, fällt kaum auf, da Bassist Troy Sanders und Drummer Brann Dailor sich wie immer kontrastreich abwechseln. Sanders ist für die raueren Töne zuständig, Dailor singt sehr melodisch und hoch. Insbesondere Dailor singt stärker denn je, wodurch Songs mitunter sehr emotional oder mächtig klingen können, etwa Golden Spires. Sanders klingt an ein paar Stellen leider etwas schief, dennoch erforscht er verschiedene Stimmungen beim Singen, die zusammen mit den persönlichen Texten auch mal unter die Haut gehen können.
Trauer und Schuldgefühle
Denn egal, wie gut man versucht, Brent Hinds zu ersetzen: Natürlich ist er vor allem textlich extrem präsent. Mastodon versuchen gar nicht erst, das Thema in den Hintergrund rutschen zu lassen, sondern singen offen über den Schmerz, über die geteilten Leidenschaften, aber auch Schuldgefühle. Denn der Streit infolge von Hinds’ Rauswurf verlief ziemlich unschön. Vertragen haben er und Mastodon sich nie und man hört stellenweise heraus, dass diese Reue an ihnen nagt.
Ein Song wie Your Ghost Again geht zwar in viele Richtungen, aber zwischen all diesen Extremen schwebt immer dieser Refrain, in dem Dailor davon singt, Hinds nicht aus seinem Leben ausblenden zu können. Wenn er im Proberaum sitzt, erscheint das Bild seines ehemaligen Bandkollegen in seinem Augenwinkel, weil er immer dort stand. Doch wenn er genau hinblickt, erkennt er, dass er nicht mehr da ist.
In Snakes For Dinner lassen Mastodon schlussendlich Josh Homme (Queens Of The Stone Age) ein niedergeschlagenes Outro singen: „Where am I in the lens of your eye?“ Das wird zu einer zentralen Frage des Albums. Wie gehen Mastodon mit dem Tod ihres Freundes um? Und welche Rolle haben sie selbst am Ende von Hinds’ Leben noch gespielt? Wie hat er sie in Erinnerung behalten?
Progressive Songs mit neuen Instrumenten
So gemischt wie diese Gefühle sind auch die Kompositionen. Trauer schwebt natürlich über vielem, aber auch Wut und Funken der Hoffnung, oft innerhalb eines Songs. Mastodon sind hier wieder ziemlich progressiv, zwar immer melodisch, aber mit Songstrukturen, die schwer vorherzusehen sind. Schon in den ersten beiden Tracks reißt das großartig mit. Mal kommt plötzlich ein Synth-Solo, mal grölt Sanders über sägende Riffs, mal wird’s melodisch und filmisch. Egal, wie viele Teile diese Songs durchgehen, die Band führt gekonnt hindurch und lässt die Stücke nicht zu lang werden. Insbesondere Poisonous Weapons meistert diese Mischung mit einem der emotionalsten Dailor-Momente.
Auch der zweite Band-Neuzugang, João Nogueira am Keyboard, bringt Ideen mit rein. Brachiales Drumming und Geriffe wie in Snakes For Dinner kontrastiert seine Orgel mit einem bedrohlichen, konstant bleibenden Unterton. Moth And Bone liefert wiederum ein Zusammenspiel aus cleaner Gitarre und Synth, das so neu für Mastodon ist, aber einen schönen, filmischen Moment bringt. The Vanishing ist schließlich eine klare Sabbath-Hommage, noch genauer eine Planet-Caravan-Hommage, in der Noguiera an Mellotron und Orgel psychedelische Töne liefert. Und von wem wird der Song eingeleitet? Dem echten Geezer Butler mit einem wunderbar brutzeligen Bass-Solo. Durch diese Elemente strahlt der Song so eine Wärme aus, dass es schon klingt, als habe Brann Dailor nun akzeptiert, dass seine Mutter sich zu seiner Schwester im Jenseits gesellt.
Über den Tod singen wird nicht leichter
Trotz all der persönlichen Texte stehen doch auch die Gitarrenriffs im Vordergrund; gedankt sei dabei auch der Produktion von unter anderem Converge-Gitarrist Kurt Ballou. Die ruhigen Momente klingen so verletzlich wie sie sein sollen, aber wenn Mastodon reinhauen, ballert es eben auch. Dieser „The jackal!“-Teil in They’re Coming For You? Geht einfach brutal hart. Das können Mastodon immer noch, merkt man da wieder.
Die Balance zwischen diesen Emotionen bekommt Marrow Deep großartig hin. Die verschiedenen Phasen der Trauer zeigen Mastodon in Kompositionen, die mitunter genauso verworren sind und teilweise ein paar Anläufe zum Durchblicken brauchen. So richtig in die Länge gezogen gerät dabei eigentlich nur der letzte Track. Große Gesten und Bilder mögen Mastodon einfach, aber übertrieben wirkt das Album selten. Wie man über den Tod singt, hat die Band tragischerweise oft genug lernen müssen. Auf Marrow Deep zeigen sie, dass es dadurch dennoch nie leichter wird.