Review: Mit „THRASHER“ schreibt Brandon Flowers eine Ode an ein verlorenes Amerika

Brandon Flowers
Foto: Universal Music
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Brandon Flowers hat ein neues Soloalbum geschrieben. Es ist eine wehmütige, zarte, nostalgische Ode an Amerikas Musikkultur. Dennoch ist THRASHER kein Country-Abklatsch. Und eher ein warmes Nachhausekommen in den Sound, der ihn großgezogen hat.

Country ist mehr als Pedal-Steel-Gitarre, Banjo und Mundharmonika. Mehr als Songs über einsame lange Nächte auf dem Highway und einen Tanz im Saloon. Country ist vor allem eins: Gefühl. Die uramerikanische Musiktradition (wie jede andere mit Schwarzen Wurzeln, versteht sich) transportiert sich eher über Aura und Atmosphäre, über jenes diffuse Gefühl, das die Weite Amerikas und die Wolken über einem endlosen Horizont vermitteln.

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Zwischen Country und dem Boss

Country war immer da. Gefühlt zumindest. Und ist bis heute sehr lebendig. Früher oder später, so scheint es, kriegt der Country sie alle. Bringt er auch gestandene Rockstars dazu, in den Schoß von Americana und seinen Mythen zurückzukehren und ein Album zu schreiben, das knietief durch die Symbolik dieses Genres watet. Für Brandon Flowers ist es auch ein Nachhausekommen. Mit den Killers hat er zwar seit 25 Jahren eine Rockband, aber die ist ebenso geprägt von Country und Americana, vom Boss und dem Storytelling des Great American Songbook.

THRASHER ist trotzdem sein offensichtlichstes Country-Album. Es geht um Casinos und um Miss-Wahlen, um das Kleinstadtleben und den amerikanischen Traum. Die Songs bewegen sich zwischen klassischem Nashville-Sound (One Of Us), der Americana-Seite der Killers (Tiger’s Blood) und einem Westernsound, den man sich auch auf einer Planwagenreise über die von Büffeln bevölkerten Plains vorstellen könnte (Plans). Melodramatisch genug, aber nie zu pathetisch, ornamentiert mit verhallenden Gitarren, dezenten Streichern und Backgroundchören, die für einen Tupfer Gospel-Flair sorgen – es ist alles drin und alles dran, was man bei einem Country-Album erwartet.

Nashvilles Musikelite mischt mit

Wirkt vielleicht teilweise ein bisschen zu sehr nach Checkliste, aber nie so sehr, dass es stören würde. Und selbst wenn: Er darf das. Geboren und aufgewachsen in Las Vegas, was soll man da noch sagen? Die Aufnahmen zu THRASHER fanden dann auch natürlich in Nashville statt, der Metropole der Honky-Tonks, in der es mehr Cowboysteifel-Shops als Cafés gibt. Und weil Brandon Flowers bekanntlich keine halben Sachen macht, hat er viele der angesehensten Country-Musiker:innen Nashvilles versammelt, darunter die Pedal-Steel-Legende Bruce Bouton, der 85-jährige Mundharmonikaspieler Charlie McCoy und die gefeierte Americana-Musikerin Margo Price.

Liebesbrief an ein Genre

Alles gipfelt, so hat man das Gefühl, im großen Abschlussstück An American Dream, dessen universell klingender Springsteen-Titel den surrealsten Song des Albums verbirgt. Man denkt an einen typisch amerikanischen Fairground nach Anbruch der Dunkelheit, an eine letzte Runde der Fahrgeschäfte und leerstehende Buden, an denen kurz zuvor noch das Leben tobte. Musikalisch voller waberndem Hall und Melancholie, ist das hier Lyrik, die man sonst vielleicht bei Nick Cave erwarten würde, der ja bekanntlich auch mit diesen mythischen Bildern und Symbolen aus Rock’n’Roll und Bibel spielt. Dessen Eleganz erreicht er nicht, aber das muss er auch gar nicht.

Brandon Flowers und der Country also. Man wusste schon lang, dass das ganz gut passen würde. THRASHER ist enorm unterhaltsam, abwechslungsreich und ein mehr als gelungener Liebesbrief an ein Genre, dem alle vieles verdanken. Sicher kommt es nicht ungünstig, Country ist im US-Pop so groß wie seit Jahrzehnten nicht, aber wenn man Flowers eines nicht vorwerfen kann, dann kommerzielles Kalkül. Er macht einfach die Musik, die er immer schon geliebt hat. Und schenkt uns ein Country-Album, das Killers- wie Springsteen-Fans gleichermaßen begeistern wird.

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