Featured Image
Foto: John Nacion/Getty Images for Empire State Realty Trust

Review: Stray Kids flexen ihr gutes „KARMA“

Bitte Zählermarke einfügen

Die Welttournee der Stray Kids ist gerade erst vorbei, da haben die acht K-Pop-Stars schon wieder ein neues Album am Start. KARMA wurde schon auf der Tour angeteast und ist ihr viertes Studioalbum: Neun Songs sind drauf, plus zwei alternative Versionen der Single CEREMONY – und fast alle zeigen die K-Pop-Stars in Bestform.

Es sind ja sowieso traumhafte Zeiten für STAYS (so heißen die Fans der Stray Kids) – vor allem in Deutschland. Die K-Pop-Stars Bang Chan, Lee Know, Changbin, Hyunjin, Han, Felix, Seungmin und I.N. waren nicht nur vor einigen Wochen zum ersten Mal seit Jahren live in Deutschland zu sehen (hier gibt es unseren Nachbericht), sie nutzten den Tourstopp in Frankfurt auch gleich, um die Stadt und Offenbach in die K-Pop-Historie einzuschreiben: Das Teaser-Video zum Albumsong CREED wurde dort an verschiedenen Schauplätzen gedreht.

Noch selig von diesen Erlebnissen gibt es jetzt auch noch das vierte Studioalbum der K-Pop-Superstars – und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass die STAYs diese Platte lieben werden. Wobei es schade wäre, wenn diese Songs mal wieder nur in der riesigen K-Pop-Bubble bleiben würden. Wer temporeichen Rap mag, unwiderstehliche Pop-Hooks, abenteuerlustige Stilbrüche und eine Art positive, untoxische Bro Energy, der dürfte an den Stray Kids Freude haben.

Karma im Circle Store:

All Killers (fast), No Fillers (na ja, anderthalb gibt es dann doch)

KARMA beginnt martialisch und kampfeslustig – was gut zu dem in den aktuellen Visuals genutzten Sport-Thema passt. Der Opener BLEEP gibt jedem der acht Idols seine Spielfläche – was ja immer gar nicht so leicht ist, auf KARMA aber in fast jedem Track gelingt. Es folgt die Leadsingle CEREMONY, die von einem aufwendig produzierten Video gepusht wird, das bald in den oberen Sphären der K-Pop-YouTube-Charts landen wird. Sollte hier die ältere Zielgruppe mitlesen, könnte sich der ein oder andere an das Kult-Game Speedball 2 erinnert fühlen.

CEREMONY ist dabei eine gute Wahl: Auch hier sind die Vocal Parts fair verteilt und Changbin setzt mit seinen verbalen Rap-Schellen in der ersten Strophe die Messlatte ziemlich hoch. Vor dem Chorus gibt es wieder einen dieser meisterhaften Stray-Kids-Breaks, wenn der Song für eine Sekunde Luft holt und sich dann in einem lässig-lauten „Hip! Hip! Hey!“ entlädt. Shit, das hätte man gerne auch live im Stadion erlebt. Am Ende des Albums gibt es übrigens die nur so halbgute, weil zu sehr auf EDM-Geballer und -Getröte setzende, „Festival Version“ des Songs und die obligatorische „English Version“, mit der man dem US-Markt zunickt, der seit Jahren gut zu ihnen ist. 

Ausfälle gibt es auf KARMA selten: Das schon angeteaste CREED dreht ihren Sound angenehm auf Trap-Vibes, während MESS mal eine Ballade ist, die nicht in Kitsch abdriftet – was den Stray Kids nicht immer gelingt. Für IN MY HEAD wagen sich die Acht dann mal in Emo-Gefilde und channeln Avril Lavigne, Yungblud und Blink-182: Das ist im K-Pop nicht unbeliebt, hier aber besonders gelungen – auch wenn es man sich ein wenig dran gewöhnen muss, dieses Genre mit so vielen Gesangstimmen zu hören.

Half Time dürfte allen gefallen, die Social Path und BLIND SPOT lieben, auch wenn die Sport-Metapher hier vielleicht ein wenig zu „on the nose“ ist. Der Filler (neben dem halben der „Festival Version“ von CEREMONY) ist dann aber eindeutig Phoenix. Eine ausgelutschte Referenz an die griechische Antike plus Chorus, der im Autotune-Hall ertrinkt – nun ja. Ghost reißt das mit seinem warmen Vocal-Vibe und den R’n’B-artigen Hooks wieder raus, die hier gegen einen doch recht harten Beat antreten – ein Kontrast, der dem Song gut steht. 0801 ist dann ein spätes Highlight: Hier punkten in der ersten Hälfte des Songs vor allem die Sänger der Stray Kids. Stilistisch irgendwo zwischen Electro- und Alt-Pop schillert diese Nummer auf sehr besondere Weise. 

Ein Höhenflug, an dessen Ende irgendwann eine Zwangspause stehen wird

Man fragt sich bei all dem ein wenig, ob man nicht so langsam Angst vor diesem Powerhouse haben muss: Die Tour war schon eine mitreißende Kraftanstrengung, ihre Promo lief fast durchgehend weiter – und bei all dem hatten die Stray Kids noch Zeit, KARMA aufzunehmen? Das ist umso eindrucksvoller, wenn man in die Song-Credits schaut und bei jedem Song zumindest Bandleader Bangchan als einen der Produzenten findet. Er sowie die Rapper Changbin und Han, die zusammen den Band-Unit „3RACHA“ bilden, sind außerdem bei fast allen Songs als Writer gelistet – externe Songwriter gibt es nur ein paar ausgewählte. Was im K-Pop wirklich sehr selten ist. 

Das neue Album flext also wieder mal die Skills der Stray Kids und ihr gerade wirklich sehr gutes KARMA, bei dem aber immer schon ein wenig die Angst vor der Bandpause mitschwingt. Wie bei allen anderen K-Pop-Boybands werden nämlich auch hier irgendwann die koreanischen Member ihren Militärdienst antreten müssen. Da gibt es zwar noch keine konkreten Planungen, aber allzu lange wird es nicht mehr dauern. Vermutlich erklärt das den Drive der Stray Kids, der mit diesem Album vor allem die STAYs überzeugen wird – und hoffentlich alle anderen, die mal in K-Pop reindippen wollen. 

Mehr K-Pop im Circle Mag: